Glen Matlock auf NRW-Tour

Wilder Mann, immer noch: Glen Matlock

Anarchy in Neuss

Malcolm McLaren war ein Fuchs. Als Manager der Sex Pistols wusste er genau, wie man Nachrichten macht und sich ins Gespräch bringt. Als Bassist und Gründungsmitglied Glen Matlock 1977 die Band nur zwei Jahre nach ihrer Gründung verließ, behauptete McLaren kurzerhand, es handele sich um einen Rauswurf. Begründung: Matlock sei Fan der Beatles. Die Wahrheit war wie so oft weniger originell: Der Bassmann hatte schlicht und ergreifend die ständigen Querelen mit Sänger John Lydon satt und stieg aus freien Stücken aus. Er hinterließ der Punk-Combo drei respektable Hitsingles. Während Lydon die Texte verantwortete, war Matlock nämlich für die Musik zuständig. „Anarchy In The UK“ stammt ebenso von ihm wie „God Save The Queen“ und „Pretty Vacant“. Allein die Rechte trat er mit seinem Ausstieg an seine Ex-Band ab und ließ sich mit einer Einmalzahlung abspeisen. Rock’n’Roll ist ein dreckiges Geschäft.

Matlock trauerte den Pistols nicht lange nach, brach stattdessen auf zu neuen musikalischen Ufern. Zusammen mit dem späteren Ultravox-Sänger Midge Ure gründete er die Rich Kids, eine New-Wave-Power-Pop-Band. Mit Iggy Pop spielte er die Alben SOLDIER und NOT OF THIS EARTH ein. Darüber hinaus musizierte er mit Ronnie Wood, Scream und vielen anderen. Auch fast vierzig Jahre nach Gründung der Sex Pistols ist dem gebürtigen Londoner die Lust am Zirkus Rock immer noch nicht vergangen. BORN RUNNING heißt sein aktuelles Studiowerk, das er mit der Band The Philistines aufgenommen hat. Die 12 ausdrucksstarken Songs beweisen, dass Matlock nichts verlernt hat. Ob das auch für die Bühne gilt, können seine Fans unter anderem am 19. April überprüfen, wenn der Mann von der Insel gegen 21 Uhr die Bretter des Neusser Hamtorkrugs entert. Im Rahmen seines Unplugged-Sets wird Matlock Songs aus jeglichen Phasen seiner Karriere präsentieren. Die Pistols-Nummern werden also auch zum Vortrag kommen an dem Abend, der, so viel scheint sicher, ein anarchischer werden dürfte.