Couple Goals: Arbeit trifft Liebe

Wenn Job und Liebe zusammen gehören... | Foto: Daniel Drewniak

Selbstoptimierung und Selbstfindung sind in aller Munde. Sozialwissenschaftler sprechen seit den 1960er Jahren von einer Individualisierung in der Gesellschaft. Doch es gibt sie: Paare, die gemeinsame Ziele verfolgen, auch beruflich. Tossia Corman, Lina Niermann und Nadine Beneke stellen vier von ihnen vor.

Maura Morales (41) und Michio Woirgardt (46)

Foto: Klaus Handner

Was macht ihr zusammen als Paar?
Maura ist Choreografin und Tänzerin, Michio ist Komponist. Zusammen leiten wir das zeitgenössische Tanzensemble „Cooperativa Maura Morales“.

Wie habt ihr euch kennengelernt?
Wir haben uns 1996 in Wien kennengelernt. Michio war damals Student an der Wiener Musikhochschule und Maura war als Mitglied der kubanischen Tanzkompanie „Danza teatro de Cuba“ in die österreichische Hauptstadt gekommen. Michio besuchte eines Abends eine Vorstellung der Truppe und sah Maura tanzen. Der Rest ist Geschichte!

Wie lange arbeitet ihr schon zusammen?
Seit 2010

Wie kam es dazu?
Wir wollten einfach mehr Zeit miteinander verbringen, denn wir waren beide beruflich an einen Punkt gekommen, an dem wir so dermaßen in verschiedene Projekte und Tourneen mit anderen Gruppen involviert waren, dass wir uns kaum noch gesehen hatten.

In welchen Situationen seid ihr als Paar schon an eure Grenzen gekommen?
Als Michio einmal für eine bestimmte Tanzszene sieben Versionen einer Musik komponieren musste, bis Maura endlich zufrieden war.

Was nervt euch? Was schätzt ihr am anderen?
Maura nervt an Michio, dass es ihm manchmal schwerfällt, abzuschalten und die Arbeit Arbeit sein zu lassen. Michio bewundert an Maura, wie sie es schafft, einfach mal abzuschalten und die Arbeit Arbeit sein zu lassen.

Was plant ihr für die Zukunft?
Das, was wir jetzt schon tun, weiterzuführen!

Magdalene (34) und Jan Borchmann (37

Foto: Zaunkönig Lederhandwerk

Was macht ihr zusammen als Paar?
Wir führen den Zaunkönig, eine Manufaktur für Lederwaren.

Wie habt ihr euch kennengelernt?
Auf „Mein VZ“ haben wir uns 2009 durch eine Verwechslung kennengelernt. Wir sind im Gespräch geblieben und Jan kam vorbei, um mein Fahrrad zu reparieren. Seit diesem Tag sind wir ein Paar.

Wie lange arbeitet ihr schon zusammen?
Wir arbeiten seit acht Jahren zusammen.

Wie kam es dazu?
Selbstständig einen Laden plus Werkstatt zu eröffnen, ist schon ein Abenteuer. Gemeinsam ein noch viel größeres.

In welchen Situationen seid ihr als Paar schon an eure Grenzen gekommen?
Es gibt sicher grenzwertige Situationen im Leben, aber bisher hatten wir das Glück, dass es uns als Paar nicht an unsere persönlichen Grenzen gebracht hat.

Was nervt euch? Was schätzt ihr am anderen?
Jan nervt an Magda, dass sie manchmal die Dinge zu ernst sieht.
Magda nervt an Jan, dass er manchmal die Dinge zu locker sieht.
Jan mag an Magda, dass sie den Überblick im Chaos behält.
Magda mag an Jan, dass er der Kitt ist, der die Familie zusammenhält und ausgesprochen witzig ist.

Was plant ihr für die Zukunft?
Wir möchten etwas aufbauen, das nachhaltig unser Familienleben und unser Umfeld bereichert.

Michaela (60) und Georg (61) Corman

Foto: Musikschule dreiklang

Was macht ihr zusammen als Paar?
Als wir uns kennenlernten, waren wir Arzthelferin und Klavierspieler. Ein paar Jährchen später ist einiges an Gemeinsamkeiten entstanden: Vier Kinder, Hund und Katze, diverse Programme und Musikgruppen, eine Wohnung in Pempelfort, eine Musikschule in Oberbilk, ein Bauernhof in der Eifel.

Wie habt ihr euch kennengelernt?
Wir haben uns 1984 kennengelernt: Michaela nahm Klavierunterricht bei Georg, dann haben wir lieber geheiratet.

Wie lange arbeitet ihr schon zusammen? Wie kam es dazu?
Seitdem wir unsere Lebensführung und Planung ab 1985 zusammengeschmissen haben, gab es neben der gemeinsamen Familie durchaus getrennte Projekte wie Michaelas Studium der Sozialpädagogik oder Georgs Musikerkarriere u.a. mit Salsa Picante. 2005 gründeten wir dann eine eigene, private Musikschule, den „drei-klang“ in Oberbilk, um dort frei von institutionellen Zwängen Menschen den Zugang zur Musik zu ermöglichen. Hier können wir mit unseren Schülern selbstbestimmte Unterrichtswege beschreiten.

In welchen Situationen seid ihr als Paar schon an eure Grenzen gekommen?
Bei Buchführung, Steuererklärung und Versicherungsfragen.

Was nervt euch? Was schätzt ihr am anderen?
M: Erbsenzählen und Korinthenkacken können nerven – sind aber leider manchmal notwendig.
G: Ideenreichtum und Kommunikationsfreude haben dann ihre Schattenseiten, wenn man nicht mehr weiß, mit wem man was vereinbart hat.

Was plant ihr für die Zukunft?
Alt werden und neugierig bleiben. Ein kompletter Ruhestand wird hoffentlich erst recht spät erreicht.

Elisabeth Hoppe (36) und Martin Engelbach (50)

Foto: Theater Oberhausen

Was macht ihr zusammen als Paar?
Wir sind Schauspielerin und Musiker beim Theater Oberhausen.

Wie habt ihr euch kennengelernt?
E: Wir haben 2009 gemeinsam an einem Theaterstück geprobt. Martin wurde mir als musikalischer Leiter vorgestellt. Richtig kennengelernt haben wir uns dann erst einige Produktionen später.
M: Richtig aufmerksam geworden bin ich auf Elisabeth in der Produktion „Das doppelte Lottchen“ 2010. Da haben wir viel Musik zusammen gemacht.

Wie lange arbeitet ihr schon zusammen?
Seit 2009 haben wir in verschiedenen Theater-Produktionen zusammengearbeitet, wir arbeiten also nicht ständig zusammen, sondern projektbezogen.

Wie kam es dazu?
Durch Zufall. Wir waren am gleichen Theater engagiert.

In welchen Situationen seid ihr als Paar schon an eure Grenzen gekommen?
Da wir innerhalb der Arbeit unterschiedliche Aufgaben haben, hat jeder seinen eigenen Freiraum, insofern gibt es selten Anlass zum Konflikt.

Was nervt euch? Was schätzt ihr am anderen?
E: Martin ist jemand, der ungern Nein sagt. Er macht unglaublich viel. Ich glaube, wenn ich nicht seine Freundin wäre, würde ich das bewundern, aber so nervt mich das manchmal.
Es ist immer schön, mit Martin zusammenzuarbeiten — selbst in den stressigsten Proben hat er immer einen guten Witz auf den Lippen.
M: Elisabeth hat immer das Ganze im Auge. Das Schöne an der Zusammenarbeit ist, dass wir abends über unsere Arbeit quatschen können.

Was plant ihr für die Zukunft?
Viele weitere gemeinsame Stücke.