coolibri verkuppelt: Wenn aus einer Kleinanzeige Liebe wird

Haben ihr Glück gefunden: Friedl und Ruth | Foto: privat

416 Zeichen, die das Leben verändern – Friedl (51) und Ruth (50) haben sich durch eine Kleinanzeige im coolibri kennen und lieben gelernt. Nach gescheiterten Beziehungen wollten es der gebürtige Bayer und die Frau aus Niedersachsen im Sommer 2015 noch einmal wissen. Dabei war es für Ruth keine Liebe auf den allerersten Blick.

„Ich suche die Frau, die Mut und Vertrauen besitzt, die ersten Schritte gemeinsam zu gehen: Sich kennen zu lernen, sich näher zu kommen. Ob Liebe daraus wird?“ hatte in der Anzeige gestanden. Der schlichte Ton der Worte hatte Ruth gleich gut gefallen. „Ab einem gewissen Alter ist man realistisch und kann mit der kitschigen Romantikschiene nicht mehr so viel anfangen“, sagt sie. Ruth hatte zu diesem Zeitpunkt schon eine Ehe hinter sich und war nach langer Zeit wieder auf Partnersuche. Als sie die sympathischen Zeilen sah, fasste sie sich kurzerhand ein Herz und schrieb dem Unbekannten eine E-Mail. Einige Nachrichten gingen hin und her. „Man muss dazu sagen, Friedl kann sehr gut schreiben“, schwärmt die 50-Jährige.

Recht schnell schickten sie sich auch Fotos, telefonierten und vereinbarten ein erstes Treffen. Ruth schlug den Stimbergpark in Oer-Erkenschwick als Treffpunkt vor, weil sie dort in der Nähe wohnte und auch weil sie ein wenig testen wollte, ob Friedl bereit war, die Mühen auf sich zu nehmen und die Strecke von Bochum zu ihr zu fahren. Da es ein heißer Sommertag war, nahmen beide ihre Schwimmsachen mit.

Eine Verabredung, die kein Ende nimmt

„Mein erster Gedanke war: überhaupt nicht mein Typ, sehr groß, schlank, fast schlaksig“, erzählt Ruth, „ich muss heute noch lachen, wenn ich daran denke, wie Friedl auf mich zukam. Er sah aus wie ein Riese, der gerade einen Berg erklimmen will.“ Der fast zwei Meter große Friedl war hingegen von der kurzhaarigen Frau in dem schicken Sommerkleid sofort angetan. „Eine Frau im Kleid, das sieht man ja heutzutage auch nicht mehr so oft“, erinnert er sich. Beide gingen spazieren, unterhielten sich, tranken gemeinsam einen Kaffee. Die Chemie stimmte. Also beschlossen sie, auch noch im angrenzenden Freibad schwimmen zu gehen. Selbst danach war die Verabredung noch nicht vorbei: Abends fuhren sie nach Recklinghausen zum Italiener. „Ich habe gleich gemerkt, da sitzt mir ein höflicher Mann mit guten Umgangsformen gegenüber“, erinnert sich Ruth. In den folgenden Wochen beschnupperten sie sich ausgiebig weiter und stellten dabei fest, dass es sehr gut passte.

Mittlerweile leben Friedl und Ruth zusammen mit Ruths 17-jährigem Sohn im Kreis Recklinghausen. Beide sind beruflich ziemlich eingespannt, sie als Diätberaterin und er als Betriebsleiter. Deshalb genießen sie die gemeinsame Zeit umso mehr. Am Wochenende wandern sie gerne draußen in der Natur, gehen ins Theater oder kochen zusammen. Für Friedl war der Zusammenzug eine ganz schöne Umstellung. Bevor er Ruth kennenlernte, hatte er allein gewohnt und nun lebt nicht nur die Partnerin, sondern auch gleich noch ein junger Mann mit im Haushalt. „Dass Friedl das gemacht hat, da ziehe ich jetzt noch meinen Hut vor – das ist Liebe“, sagt Ruth. Lina Niermann