35 Jahre Beratung: Rosa Strippe feiert Jubiläum

Andrea Mielek und Markus Chmielorz mit der Festschrift | Foto: Rosa Strippe

Wie sag ich es meinen Eltern? Wo sind die anderen? Wie lebe ich damit, von der vermeintlichen „Norm“ abzuweichen? Für Hilfe bei Fragen wie diesen steht in Bochum der Verein Rosa Strippe bereit, der seit 35 Jahren eine psychosoziale Beratungsstelle für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*Menschen betreibt.

Das volle Beratungsspektrum musste die Rosa Strippe in ihren 35 Jahren allerdings erst entfalten. „Angefangen hat sie als Selbsthilfeinitiative von Schwulen für Schwule“, erklärt der Diplom-Pädagoge und systemische Familienberater Markus Chmielorz, der seit 20 Jahren Leiter der Beratungsstelle ist. „Drei Menschen teilen sich hier 2,4 Stellen“, sagt er. „2014 hatten wir 600 Beratungssuchende mit etwa 1600 Beratungskontakten. Wer Hilfe sucht, kann so oft kommen wie nötig – und so wenig wie möglich.“In 35 Jahren Selbsthilfe- und Beratungsarbeit hat sich zwar einiges verändert. Die Gesellschaft ist offener geworden, Vorurteile wurden abgebaut. Doch viele Probleme bestehen auch fort. „Das Coming-out ist heute nicht mehr der Hauptanlass unserer Beratung“, sagt Markus Chmielorz. „Er hat sich eher zu Fragen verschoben, die auch klassische Beratungsstellen bearbeiten. Immer mehr Menschen stellen sich mit psychischen Belastungen vor.

Projekte gemeinsam mit Schulen

“Ein schwieriges Umfeld für den offenen Umgang mit Homo- Bi- oder Transsexualität ist nach wie vor die Schule. Das drückt sich nicht nur darin aus, dass 40 Prozent der Anrufer in der Rosa Strippe Jugendliche unter 27 Jahren sind. Viele haben erlebt, dass ihnen „Schwuchtel“ als Schimpfwort entgegenschlägt. „Auch Lehrerinnen und Lehrer überlegen es sich zweimal, ob sie sich outen“, kann Markus Chmielorz aus seiner Erfahrung sagen. Projekte wie „Schlau – Schwul Lesbisch Bi Trans* Aufklärung“ oder „Schule der Vielfalt“, die die Rosa Strippe heute mit über 60 Schulen durchführt, sind deshalb eminent wichtig – und das Interesse auf beiden Seiten ist groß. Neue Angebote sind eine Beratung für sogenannte Regenbogenfamilien – also zum Beispiel lesbische Paare mit Kindern – oder Senlima, das sich an Flüchtlinge richtet.

Ein Dauerbrenner ist das Café Freiraum, ein geschützter Ort – „wie es ihn heute in jeder größeren Stadt gibt“, hebt Markus Chmielorz positiv hervor. Dass andere Formen der Sexualität heute trotz fortbestehender Probleme gesellschaftlich akzeptierter sind, macht er auch daran fest, dass es in zum Beispiel in Bochum seit Jahren keine Szenekneipe mehr für Schwule gibt.