Islam-Ausstellung in Düsseldorf: CDU kritisiert OB Geisel, Gemeinde reagiert

Die Ahmadiyya-Muslim-Jamaat-Gemeindemitglieder standen für den Dialog zur Verfügung. | Foto: Ahmadiyya Muslim Jamaat

Eine Islam-Ausstellung, die seit Anfang Februar im Düsseldorfer Rathaus zu sehen ist, erregt noch immer die Gemüter. CDU-Fraktionsvorsitzender Rüdiger Gutt schoss in einem offenen Brief scharf gegen Düsseldorfs OB Thomas Geisel. So bekam auch der Aussteller, die Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat, eine volle Breitseite ab. Die hat reagiert und hält dem CDU-Politiker den Spiegel vor. Auch der OB hat reagiert.

„Eine Reise durch die islamische Zeit“ heißt die Wander-Ausstellung, mit der die Ahmadiyya Muslim Jamaat den Islam in seiner Gesamtheit in den Blick nehmen möchte. Das geschieht auch durch Flyer und Broschüren. Einige Texte ermunterten die CDU-Ratsfraktion zu ihrer Kritik an OB Geisel: „Uns drängt sich der Verdacht auf, dass sie als Hausherr die Texte im Vorfeld inhaltlich nicht hinreichend haben prüfen lassen“, lässt Gutt in seinem offenen Brief verlautbaren. Schließlich würden sich in den Broschüren „höchst problematische Aussagen zur Gleichberechtigung von Musliminnen, zu ihrem gewünschten Verhalten in der Ehe und zu Kleidungsvorschriften“ finden lassen.

Die CDU zitiert in ihrem Brief Textstellen, die propagieren, dass Männer unter bestimmten Umständen mehrere Ehefrauen haben dürften, Frauen aber nur einen Ehemann haben sollen. Für Missmut sorgte auch die Textpassage, in der erklärt wurde, dass Frauen von einem Erbe weniger gebührt als ihren Ehemännern oder dass sie Kopftuch tragen sollten, um „ihre Schönheit“ zu bedecken und zu zeigen, „dass sie nicht flirten will und keine sexuellen Beziehungen zu fremden Männern haben möchte“. „Zieht man beispielsweise in der letztgenannten Einlassung zu Schleier und Kopftuch den Umkehrschluss, dann hieße das, dass eine (muslimische) Frau, die kein Kopftuch trägt, fremde Männer öffentlich zum Sex einlädt“, schlussfolgert die CDU messerscharf in ihrem offenen Brief. Sie fordert, dass ein „umsichtiger Dialog mit den Machern der Ausstellung“ hätte stattfinden müssen.

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat auf ihrer Wanderausstellung | Foto: Ahmadiyya Muslim Jamaat

Mit ihrer Forderung rannte die CDU bei der Ahmadiyya Muslim Jamaat offene Türen ein. „Als transparente, offene und dialogbereite Gemeinde mit gut integrierten, gebildeten Mitgliedern vermissten wir die Kritiker am Ausstellungsstand“, erklärt die Gemeinde in einem offenen Brief an Rüdiger Gutt. „Gern hätte jedes Mitglied der Fraktion sich auf eine ergebnisoffene Diskussion über die Rolle der Frau und das Frauenbild im Islam während der Ausstellungstage einlassen dürfen“, so die Gemeinde weiter. Schließlich seien auch täglich sechs bis sieben muslimische Frauen bei der Ausstellung gewesen und hätten für den Dialog zur Verfügung gestanden.

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat kritisiert ihrerseits den Brief der CDU als eine mediale Effekthascherei für parteipolitische Zwecke und erklärt, dass der Islam die „bedingungslose Gleichwertigkeit von Mann und Frau“ fordern würde. „Die aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate beziehen sich auf fein austarierte, moralische Grenzen in Bezug auf Keuschheit und Scham, die für beide Geschlechter gleichermaßen gelten, sodass wir die Kritik in der einseitigen Lesart zurückweisen.“

Über Kritik verwundert

Darüber hinaus wundert sich die islamische Gemeinde über die Kritik der CDU: „Die Gemeindemitglieder verwundert die Kritik sehr, denn die CDU machte sich bis zuletzt im Lichte von Bürgertum und Konservatismus für den finanziellen Anreiz einer häuslichen Betreuung von Kleinkindern durch Frauen stark, Stichwort Herdprämie. Aus den gleichen Reihen werden Forderungen wie die Frauenquote abgelehnt, während im wirtschaftlichen Umfeld Frauen in Deutschland nach wie vor deutliche Unterschiede beim Gehalt hinnehmen müssen, da Ihnen die politische Stimme fehlt.“ Trotzdem schlägt die Gemeinde der CDU vor, in einen offenen Dialog zu treten und sich gegenseitig auszutauschen.

Auch die Stadt Düsseldorf und der OB beziehen Stellung. Kerstin Jäckel-Engstfeld, Leiterin des Amts für Kommunikation erklärt, dass Ausstellungen im Rathaus im Vorfeld von anderen Behörden und einem „Ansprechpartner für interkulturelle Angelegenheiten im Polizeipräsidium“ geprüft werden. Bedenken zur Schau „Eine Reise durch die islamische Zeit" hätte es nicht gegeben. „Es war für Besucherinnen und Besucher zudem jederzeit möglich, im Rahmen der Ausstellung, den Dialog mit den Veranstaltern zu suchen“, erklärt Jäckel-Engstfeld.

OB bezieht Stellung

Auch OB Geisel verteidigt die Ausstellung und die Ahmadiyya Muslim Jamaat: „Mir sind, auch durch ihr bürgerschaftliches Engagement, viele Akteure bekannt und ich habe nicht den Eindruck, dass es sich um Fundamentalisten handelt. Ihr Frauen- und Familienbild, das ich nicht teile, ist äußerst konservativ – aber wir würden ja auch päpstliche Enzykliken ausstellen."

Die CDU indes denkt nicht daran, von ihrer Kritik abzuweichen. Die Ratsfraktion rund um Gutt wird von Düsseldorfs CDU-Chef Thomas Jarzombek bestärkt: „Oberbürgermeister Geisel hat als Hausherr im Rathaus eine Sorgfaltspflicht, zu prüfen, was dort im Einzelnen an Inhalten ausgestellt wird. Das hat er an dieser Stelle offenbar nicht getan.“ Auch Gutt bleibt bei seiner Kritik und geht den OB weiter an: „Hier geht es darum, ob das Rathaus fundamentalistischem Ideengut gleich welcher Urheberschaft eine öffentliche Plattform bieten darf.“ Den Dialog mit der islamischen Gemeinde sucht die CDU scheinbar aber auch weiterhin nicht. Sebastian Ritscher