Schauspielhaus-Intendant Manfred Weber muss gehen

Ein bisschen was von Derrick: Günther Beelitz in seiner ersten Amtszeit am Schauspielhaus | Lore Bernbach

"Zwei Tage vor der Insolvenz"

Das Düsseldorfer Schauspielhaus kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Eine drohende Insolvenz konnte gerade noch abgewendet werden, ein hohes Defizit bleibt jedoch. Die Konsequenz daraus: Intendant Manfred Weber muss gehen und auch in der Verwaltung wird es einige, personelle Veränderungen geben.

Erst vier Tage ist es her, dass sich die Mitarbeiter des Hauses in einem offenen Brief an die Medien wandten. Tenor in Kürze: „Es gibt keine künstlerische Krise.“ Das mag ja sein, dafür scheint sich die finanzielle Situation des Hauses allerdings noch schwieriger darzustehen, als bisher angenommen. Und so mussten Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers und NRW-Kulturministerin Ute Schäfer die über 300 Mitarbeiter des Schauspielhauses heute im Rahmen einer Belegschaftsversammlung über allerlei Unangenehmes informieren. Da ist zum einen die Tatsache, dass das Haus vor drei Monaten „zwei Tage vor der Insolvenz“ stand, wie es Elbers etwas zugespitzt formulierte. Heißt: Das Theater besaß keine ausreichende Liquidität mehr, um die Gehälter der Mitarbeiter zu zahlen. Stadt und Land mussten in die Bresche springen und das Defizit von rund 5,4 Millionen ausgleichen.

Und das scheint noch nicht alles zu sein. Bereits seit Mai vergangenen Jahres untersuchen von den Gesellschaftern beauftragte Wirtschaftsprüfer die finanzielle Situation des Theaters. Mit dem Ende dieser Untersuchungen, so war heute zu hören, habe man ursprünglich schon zu einem früheren Zeitpunkt gerechnet. Im Laufe der Zeit ergaben sich aber „immer neue Probleme, immer neue Fragen“ (Schäfer). Nun endlich liegt das Ergebnis der Untersuchungen vor. Elbers und Schäfer zumindest. Ganz wollten sie aber die Katze beim heutigen Pressegespräch im Kleinen Haus noch nicht aus dem Sack lassen. Aber, so Schäfer, „wir müssen davon ausgehen, dass wir es für die Spielzeiten 2012/13 und 2013/14 erneut mit Defiziten von erheblichem Ausmaß zu tun haben“. Das hat die Geschäftsführung im Aufsichtsrat bereits eingeräumt. Und dafür muss nun Intendant Manfred Weber seinen Kopf hinhalten. Mit ihm, der seit 2001 für das Haus tätig war und bis zur Übernahme der Intendanz als solider Wirtschafter galt, wurde eine Trennung vereinbart. „Einvernehmlich“; wie es gebetsmühlenartig hieß. Im Bereich Rechnungswesen und Controlling müsse das Haus komplett neu aufgestellt werden.

Den Karren aus dem Dreck ziehen soll nun eine Doppelspitze, bestehend aus Günther Beelitz und Alexander von Maravić. Ersterer, Jahrgang 1939, war zwischen 1976 und 1986 schon einmal Intendant am Gründgens-Platz, zuletzt arbeitete er als freier Regisseur u. a. in Dortmund, Köln und Düsseldorf. Von Maravić war in der Vergangenheit u. a. als Direktor des Schauspiel Köln, des Schauspielhauses Bochum und des Berliner Ensembles tätig. Das Ende ihres Engagements in Düsseldorf steht noch vor ihrem Antritt am 1. März fest: 2016/17, so der Masterplan der Gesellschafter, soll nach nunmehr zwei Interimslösungen – endlich – ein neuer Intendant gefunden sein. Bis dahin hofft man, dass Beelitz und von Maravić die wirtschaftliche Lage des Hauses stabilisieren können. Nur dann könne der Intendant in spe „kraftvoll durchstarten“, wie OB Elbers formulierte. In der momentanen Situation, da war er sich mit der Ministerin Ute Schäfer einig, werde man niemanden für den Posten finden.

Die Intendantensuche geht also in eine neue Runde. Und klar ist schon jetzt: Es dürfte nicht einfach werden. Aber, wer weiß, vielleicht wird ja Gustaf Gründgens wiederbelebt? Mit den aktuellen Produktionen des Hauses scheinen jedenfalls weder Schäfer noch Elbers vertraut zu sein. Als ein Medienvertreter nachfragte, in welcher Kulisse das Pressegespräch denn stattfinde, machte sich auf dem Podium Ratlosigkeit breit. Aus dem Publikum wurde dann der Name des Stücks souffliert: „Die Zofen“.

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