Victor Hugo wirft in Dinslaken das Handtuch

| Foto: Victor Hugo

Alternative Kneipenkultur unerwünscht

„Wir wollten eine Plattform für Kunst und Kultur bieten, wir wollten Spaß haben und das mit euch gemeinsam! Das hatten wir auch! Nur zeichnet sich im Moment neben dem Druck durch das Ordnungsamt zusätzlich deutlich ab, dass, wahrscheinlich auch durch die fehlenden Veranstaltungen, weniger Gäste kommen und uns einfach Einnahmen fehlen.“

Mit diesen Worten haben die Betreiber des Victor Hugo am heutigen Sonntag das Aus ihrer Bar in der Dinslakener Innenstadt bekannt gegeben. Am 30. April verliert der 80 000 Einwohner-Ort am Niederrhein damit einer der wenigen Anlaufpunkte für eine alternative Café- und Kneipenkultur.


Anwohnerbeschwerden sabotierten praktisch vom Beginn im Herbst 2011 den Wunsch, jenseits von Volkshochschule, Bibliothek und Stadthalle ein unabhängiges Kleinkunst- und Kulturprogramm anbieten zu können.

Jetzt ziehen die vier verbliebenen Betreiber Andi, Marc, Mike und Tim gezwungenermaßen die Reißleine. Gerade die letzten Wochen hätten ihnen deutlich gemacht, „dass das Hugo ohne Veranstaltungen, ohne laut sein zu dürfen und ohne frei zu sein aus Angst vor rechtlichen Schritten, nicht mehr unserer ursprünglichen Idee entspricht.“

Für Dinslaken ist das Aus der Bar ein Desaster. Nicht, weil Tag für Tag hunderte von Gäste in die mit viel Liebe zum Detail gestaltete und als Hobby betriebene Kneipe strömten. Das war auch gar nicht der Anspruch. Aber das Hugo war ein Argument, die Stadt nach der Schule nicht fluchtartig zu verlassen und erst mit der Geburt des ersten Kindes wieder zurückzukehren. Von diesen Argumenten hat Dinslaken seit Jahrzehnten nicht sehr viele. Zwischen Konzerten im ND-Jugendzentrum und Vorträgen der Marke „Der vorgeschichtliche Einbaum aus dem Lippedeich bei Gartrop-Bühl“ (am 5. März im Dachstudio der VHS) klafft eine altersbedingte Lücke.

Und so lesen sich auch die Facebook-Kommentare auf das Aus: „Mit eurem Verschwinden geht die junge Kultur Dinslakens den Bach runter!“, „Jetzt ist die Innenstadt bald zu lebendig wie ein Seniorenheim!“ – Immerhin, die Macher des Hugo schließen mit erhobenen Haupt:  „Lasst uns die nächsten Monate zusammen genießen, feiern und mit guten Cocktails begießen! Wir freuen uns auf euch, danken euch für die tolle Zeit und werden die letzten Monate zusammen rocken!“