Victor Hugo: Der Letzte macht das Licht aus!

Forum für Kunst und Kultur

Eine Handvoll Freunde war es satt, für Konzerte und Lesungen zwangsläufig in die Nachbarstädte fahren zu müssen. Deshalb eröffneten sie im Herbst 2011 in der Dinslakener Innenstadt die Kunst- und Kulturkneipe Victor Hugo.

Doch in zwei Monaten findet der Versuch, ein altersgerechtes Programm für Menschen zwischen Schulabschluss und Elternschaft anzubieten, sein ungewolltes Ende. Michael Blatt sprach mit Mitbetreiber Mike Lawniczak über die Gründe, sich vom Freizeitprojekt Victor Hugo zu verabschieden.

Warum schließt ihr das Hugo Ende April?

Da sich Anwohner durch uns gestört fühlten, haben wir sehr strikte Auflagen zum Lärmschutz bekommen, die es uns quasi unmöglich machten, Veranstaltungen wie Lesungen, Akustikkonzerte etc. durchzuführen. Das widerspricht unserem eigentlichen Konzept, und uns werden dadurch in Zukunft Einnahmen fehlen, um die laufenden Kosten zu decken. Uns wurde auch eine Verlängerung der Sperrstunde angedroht, falls die Beschwerden nicht aufhören. Unter diesem Druck wollten wir den Laden nicht weiterführen.

Gab es in Reihen von Rathaus und Verwaltung Initiativen zur Vermittlung?

Die Politik hat sich leider erst für unseren Laden interessiert, nachdem wir die Schließung bekanntgegeben haben. Dass wir eineinhalb Jahre ein sozialer Treffpunkt für junge Leute in der verkümmerten Altstadt waren und ein Forum für Kunst und Kultur geboten haben, hat anscheinend keiner im Rathaus mitbekommen.

Was bedeutet das Aus des Victor Hugo für eine 80 000-Einwohner-Stadt wie Dinslaken?

Es haben in den letzten zehn Jahren so viele großartige, individuelle Kneipen und Clubs in Dinslaken dichtgemacht. Die Flucht der jungen Menschen aus Dinslaken wird sich weiter fortsetzen. Der Letzte macht das Licht aus!

Welche Aktivitäten plant ihr noch bis zur Schließung?

In den letzten zwei Monaten werden wir versuchen, möglichst viel auf die Beine zu stellen und uns dann nach einer wilden „Tanz in den Mai“-Feier mit erhobenem Haupt verabschieden.

Habt ihr schon Ideen für die Zeit danach?

Wir werden auch nach dem Ende des Hugo weiterhin versuchen, in Dinslaken was zu bewegen, aber unsere Energie in Projekte stecken, die nicht mit so einem hohen finanziellen Risiko verbunden sind, wie mit einem eigenen Laden. Es gab eine „Pre-Hugo-Zeit" in der wir Lesungen und Konzerte in runtergerockten Küchen, Wohnungen und Scheunen veranstaltet haben, und so wird es auch eine „Post-Hugo-Zeit“ geben. Ideen haben wir genug.

facebook.com/cafevictorhugo

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