Tausend Stücke Tausendfüßler

| Foto: Johann H. Addicks, veröffentlicht unter Creative Commons BY-SA 3.0

Einmal Brücke zum Mitnehmen bitte

An diesem Bauwerk scheiden sich die Geister. Elegant und innovativ oder hässlich und plump – der Tausendfüßler hat mindestens so viele Gegner wie Anhänger.

Das zeigte sich nicht nur bei den Diskussionen um den Abriss, sondern bereits während der Planungsphase in den 1960er Jahren. Immer wieder gab es Debatten um die Autohochstraße, die zwischen 1961 und 1962 im Zuge der Umgestaltung der Düsseldorfer Innenstadt errichtet wurde. Höhepunkt dieser Kontroversen war eine Demonstration von 10 000 Menschen, die sich vor dem Rathaus versammelten, um dagegen zu protestieren, dass ein Teil des Hofgarten-Weihers für die Verkehrsführung zugeschüttet werden sollte. Die Proteste hatten Erfolg und die Umbaumaßnahmen wurden so abgeändert, dass der Teich zum größten Teil unversehrt blieb.

Als Symbol für die vom Wiederaufbau geprägte Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Tausendfüßler im Jahr 1991 in die Denkmalliste der Stadt eingetragen. Genau deshalb wehrten sich jüngst – fast fünfzig Jahre nach dem Bau – wieder zahlreiche Bürger. Diesmal allerdings gegen den Abriss, denn der Tausendfüßler ist, auch wenn er von manchen als unästhetisch empfunden wird, ein bedeutendes Denkmal, welches den Umbruch und die Modernisierung der Nachkriegszeit widerspiegelt. Gemeinsam mit dem Schauspielhaus und dem Dreischeiben-Hochhaus bildet er ein architektonisches Ensemble, das viele Architekturliebhaber erhalten wollten.

Sang- und klangvoller Abschied

Doch es kommt bekanntermaßen anders. Ab dem 25. Februar wird die Hochstraße gesperrt und nicht mehr für Autofahrer zugänglich sein. Stück für Stück wird die Konstruktion in den folgenden Wochen abgetragen und durch einen Autotunnel ersetzt. Anfang Januar wurde der erste Abschnitt bereits in Betrieb genommen. Als Erster durfte Oberbürgermeister Dirk Elbers mit seiner Dienstlimousine durch den Tunnel rollen. Anschließend verriet er den rund hundert Gästen, dass der Tausendfüßler keinesfalls sang- und klanglos verschwindet, sondern gebührend verabschiedet werden soll.

Am 24.2. kann sowohl der Tausendfüßler als auch der neue Autotunnel von Fußgängern begangen werden. Der Zugang dazu befindet sich am Martin-Luther-Platz. Wer entsprechendes Werkzeug mitnimmt kann sich als Erinnerung kleine Stücke der Straße – zumindest die ohne Asbest – mitnehmen. Am Corneliusplatz kann man sich außerdem anschauen, wie die Gestaltung des Areals geplant ist.

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