Düsseldorfer Clubszene: Umbruch oder Einbruch?

„Groove A Libre“ im RotKompot | Foto: Felix Vollmer

Das Ende aller (Feier-)Tage

Im Januar stellte die Webseite betakanal ihren Newsletterservice mit alternativen Ausgehtipps für die Landeshauptstadt ein und verstummte. Im Nachhinein wirkt die plötzliche Stille wie ein böses Omen. Denn seitdem machen schlechte Nachrichten die Runde: Der Altstadtclub Pretty Vacant hat nach sieben Jahren bereits Ende Januar die Segel gestrichen und das RotKompot in Flingern schließt ebenfalls für immer seine Türen. Verliert das Düsseldorfer Nachtleben seine Vielfalt?

An der längsten Theke der Welt herrscht Umbruchstimmung: Clubbetreiber Alex Brassel zog sich aus dem Pretty Vacant zurück, um sich fortan nur noch seiner zweiten Wirkungsstätte, The Tube auf der Kurzen Straße, zu widmen. Den Hausschlüssel gibt er an die Macher der Paderborner Diskothek Cube weiter (coolibri berichtet), die mit Gitarrenmusik jenseits des Mainstreams für einen Hauch von Subkultur in der Universitätsstadt sorgten. Der Erwartungsdruck auf den Ostwestfalen ist hoch: Das „Pretty“ galt als eines der Wohnzimmer der Musikszene, über dessen Besucher das Porträt von Keith Moon wachte und in dessen Keller Konzerte internationaler Größen und lokaler Bands für unvergessene Abende sorgten. Lokale inmitten des Touristenmagneten Altstadt zu finden, die ein hochwertiges Musikprogramm bieten, das Akzente setzt und den Künstlern der Stadt eine Bühne bietet, wird zunehmend schwerer. Während Aushängeschilder zeitgenössischer und elektronischer Tanzmusik wie der Salon des Amateurs den Luxus städtischer Förderung genießen, scheint für viele andere nur die dauernde Gratwanderung zwischen popkulturellem Anspruch und Rentabilität in Form massentauglicher Partys zu Mainstream-Hits als Ausweg zu bleiben.

Allet Schickimicki?

Bunte Klubkultur im Schickimicki

Daniel Vollmer und Kai Ketels nahmen die Herausforderung an und eröffneten 2012 in der Neustraße – genauer: in den Räumen des ehemaligen „Dschungel“ – die Clubkneipe Schickimicki. Das einstige Biotop für Punkrocker hat sich seitdem zum Liebling bunt gemischter Nachtschwärmer und Treffpunkt der Musikszene gemausert. „Im ersten halben Jahr haben wir sicherlich einen sehr guten Start hingelegt, aber jetzt heißt es, das Niveau auch zu halten“, meint Kai. Als wichtigste Zutaten des Erfolgsrezepts nennt Daniel den Spaß an der Freude und Selbstironie: „Dadurch kommt es auch bei unseren Gästen zu einer gewissen Lockerheit. Wir richten uns nicht an eine spezielle Szene, sondern versuchen, verschiedene Szenen anzusprechen und zusammenzuführen.“ Trotz der überschaubaren Größe von siebzig Quadratmetern werden im Schickimicki auch in Zukunft Akustik- und Hip-Hop-Konzerte stattfinden. Und auch sonst hat man an der Neustraße ein Ohr für die lokale Musikszene, wie ein besonderer „Feldtest-Service“ belegt: „Wir bieten Bands an, uns ihre Demos, Alben etc. zukommen zu lassen. Wenn es passt, werden die ins Musikprogramm aufgenommen“, versichert Daniel.

Goodbye RotKompot

In Flingern-Süd zeigt die Subkultur derweil Auflösungserscheinungen. Hier schließt das RotKompot, nachdem der Pachtvertrag nicht verlängert wurde. Der ostalgisch eingerichtete Club in der Pinienstraße war in der Vergangenheit Außenstation des „Open Source Festivals“ und beherbergte Partyreihen, die durch hohe musikalische Vielfalt überzeugten. „Das RotKompot hatte Ecken und Kanten und war nie glattpoliert – das war das Schöne“, schwärmt DJ Oliver van Lin, der hier mit der Veranstaltung „Groove A Libre“ gastierte. Ende des Monats wird er gemeinsam mit anderen Soundsystems die Abschiedsparty im RotKompot bestreiten. Sie trägt den traurigen Namen „The End Of The Days“. Was kommt nach dem Chill-Out? Für Oliver ist die Antwort klar: „Die ‚Groove A Libre’ wird es so nicht mehr geben. Vielleicht geht es in einem neuen Club weiter, aber den sehe ich bisher noch nicht in Düsseldorf.“ Ähnlich ergeht es DJ Penelope, die im RotKompot mit dem „Royal Beat Club“ Aufbauarbeit für die Dubstep-Szene leistete. „Ich suche mir einfach neue Locations und mache weiter“, verspricht sie. Trotzdem: Bevor diese Lücke im Düsseldorfer Nachtleben geschlossen ist, wird wohl einige Zeit vergehen. Denn Räumlichkeiten für alternative Veranstaltungen sind in der Landeshauptstadt inzwischen leider rarer gesät als Kölsch-Kneipen.

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