Der Rauch verbindet die Clubgänger nicht mehr

Rauchfrei und Spaß dabei? | Foto: Arkadiusz Goniwiecha

Ausgeraucht = ausgefeiert?

Am Eingang einfach bis zur Kasse durchgehen, an der Bar jederzeit ein Bier bekommen, vor der Toilette nicht mehr Schlange stehen und vor allem als Nichtraucher frei durchatmen können. Klingt doch wunderbar, oder? Eben nicht! Kein Gast hat Bock, im leeren Club zu tanzen, und vor allem, kein Partyveranstalter wird bei diesem Szenario noch eine ernsthafte Geschäftsgrundlage haben. Ein Kommentar von Michael Blatt.

Gleich von drei Seiten werden Clubbetreiber aktuell in die Mangel genommen. Angefangen mit der Vergnügungssteuer, von der sich klamme Kommunen seit einiger Zeit Mehreinnahmen ausgerechnet von Seiten derjenigen versprechen, die einen nicht geringen Teil zum Flair ihrer Stadt beitragen. In Bochum etwa greift die Stadt etwa ein Viertel der Einnahmen ab. Zudem drohen zwei weitere Totengräber, das Nachtleben in der Region endgültig in Ruhe und Frieden zu betten. Denn am 1. Mai tritt in NRW das von der Landesregierung verschärfte Nichtraucherschutzgesetz in Kraft, das den Griff zum Glimmstängel in geschlossenen öffentlichen Räumen rigoros untersagt. Wer da nicht über ein anwohnerfernes Außenareal verfügt, kann seine Gäste bald an einer Hand abzählen.

Wenn er denn seinen Club nicht bereits vorher geschlossen hat, weil Tariferhöhungen der GEMA das Fass der Finanzierbarkeit endgültig geleert haben. Die von der Verwertungsgesellschaft geplante und von Veranstaltern heftigst kritisierte Vereinheitlichung der Tarifstrukturen ist zwar auf Anfang nächsten Jahres verschoben, doch stattdessen werden alle Läden bereits jetzt in zwei Stufen zu höheren Abgaben verpflichtet.

Sicherlich sind geschlossene Clubs weder das Ziel von Stadt und Land noch das der GEMA, doch wenn weiter von gleich mehreren Seiten Forderungen auf die Betreiber einprasseln, werden die Party-Angebote spürbar zurückgehen. Potenzielle Nachtschwärmer bleiben bei erhöhtem Eintritt häufiger Zuhause und trinken bei Anhebung der Getränkepreise mindestens zwei Bier weniger am Abend. Und wenn in einer Gruppe nur zwei Raucher sind, meiden gleich drei weitere gemäß Rudelverhalten die tabakfreie Zone.

Andreas Rossmann hat seine Reportagen-Sammlung zum Rückgang der Montanindustrie im Ruhrgebiet mit dem poetischen Titel „Der Rauch verbindet die Städte nicht mehr“ betitelt. Wenn sich an den designierten Maßregelungen und Abgabeverordnungen für Diskotheken nichts Grundlegendes ändert, heißt es in nicht allzu ferner Zukunft: „Der Rauch verbindet die Clubgänger nicht mehr“.

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Viel Rauch um den Rauch

Am 1. Mai tritt die Reform des Nichtraucherschutzgesetzes in NRW in Kraft. Ganz konkret heißt das: Keine Raucherräume mehr in Clubs, Kneipen und Gaststätten. Auch Kinderspielplätze sind fortan tabu. Geraucht werden darf dann nur noch in privaten Räumen und bei privaten Veranstaltungen. Wer gegen die Regeln verstößt, muss Bußgelder bis zu 2 500 Euro zahlen. Nele Posthausen hat sich bei Kneipen- und [mehr...]


Beim Box-Papst, Vulkanstr. 27
Kepler-Eck, Keplerstr. 18
En de Kull, Oberbilker Allee 32
Sonnenschänke bei Sylvia, Sonnenstr. 36

Der Mensch ist ein Gesellschaftstier!

Nach langem Hin und Her ist es ab dem 1. Mai so weit: Das Nichtraucherschutz-Gesetz tritt in Kraft und verbannt Raucher aller Bundesländer einheitlich zum Qualmen vor die Tür. Schluss mit Raucherclubs und (B)Rauchtum also – auch für Gaststätten. Während die DEHOGA ein finsteres Gesicht aufsetzt, bangt auch das Rheinland um seine Eckkneipen. Grund genug für coolibri, mal einen Blick hinter die [mehr...]


Kommentare

  1. von Kurt 01.02.13 (16:38 Uhr)

    Du sprichst mir aus der Seele. Das Angebot an kleinkulturellen Veranstaltungen geht zurück und bald gibt es nur noch stumpfe Großraumdiskotheken. Ob das im Interesse der Städte ist?

    Ich hoffe der ein oder andere Verantwortliche liest diesen Artikel!

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