Le Havre: Drama im Märchengewand

Eine trist dreinschauende Hafenstadt in der Normandie, ein gescheiterter Künstler, der als Schuhputzer mühselig sein tägliches Brot verdient, ein illegal eingewanderter Junge aus Afrika, ein grimmiger Kommissar, dazu eine Prise Solidarität und Optimismus. Aus diesen Zutaten zaubert Aki Kaurismäki seinen neuesten Film, der wieder mal beweist, dass ein hervorragender Film auch ganz ohne Action auskommt.

Der finnische Lakoniker und Melancholiker benötigt zum Fesseln des Zuschauers nämlich lediglich die Dramatik der kleinen Dinge und der „kleinen Leute“, und einen Hauch von scharfem sarkastischem Humor: Als Marcel Marx bei einem Mittagspäuschen von der Schuhpflege am Pier zufällig auf den jungen Flüchtling Idrissa trifft, beschließt er, diesem bei seiner Flucht nach London zu helfen. Das Vorhaben ist nicht risikofrei, denn Kommissar Monet lauert an jeder Ecke. Als dann noch Marx’ Ehefrau Arletty tödlich erkrankt, scheint der unglückliche Ausgang in zweierlei Hinsicht perfekt zu sein. Doch nicht, wenn es nach Kaurismäki geht: Die scheinbare Tragödie schwingt ein doppeltes Happy End ein.

Staubttrockene Dialoge und unterschwelliger Witz treffen auf theatralisches grau-blaues Lichtspiel. Typisch Kaurismäki.

kt

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