Energie-Beratung: Hausbesuch

| Tani Capitain

Wohnen verursacht bundesweit 20 Prozent des Kohlendioxidausstoßes. Das haben wir mal irgendwo aufgeschnappt und selbst einige Glühbirnen durch kalkiges Energiesparlicht ausgetauscht. Doch wie macht man wirklich ernst – und treibt so auch die Nebenkosten in den klammen Keller? Tani Capitain machte den Selbstversuch und arbeitete zuhause einige praktische Hinweise der Verbraucherzentrale mit dem BAFA-akkreditierten Energieberater Till-Henning Mohme (energiediaet.de) ab.

Heizenergie

Es fängt gut an. Die beim Discounter erstandenen, programmierbaren Thermostatventile für unter 10 Euro stellen Energieberater Mohme beim Hausbesuch zufrieden: „Diese Geräte sind nach Wunsch und Präsenz einzustellen. Außerdem schalten sie sich beim Lüften automatisch aus, so dass keine unnötige Heizenergie verbraucht wird.“ Auch die Lebensqualität bleibt oben. Es kann bei 22 Grad gefrühstückt werden, dafür wird kaum geheizt, wenn niemand daheim ist. Der Einbau ist kinderleicht. Wichtiger Tipp vom Energieberater: „Das alte Thermostat gut aufbewahren und bei Umzug wieder anbringen.“

Wer heizt und dabei sein Fenster auf Kipp stehen lässt, wärmt in die Tonne. Besser drei oder vier Mal Stoßlüften mit weit geöffnetem Fenster – und zwar quer durch die Hütte. Vorteil: „Die Wände bleiben warm, was Energie spart, und die frische kühle Luft kann wieder Feuchtigkeit aufnehmen.“ Die wir übrigens selbst produzieren, sogar beim Schlafen und Fernsehen – Pi mal Daumen drei Liter pro Person und Tag.

Mieter sollten sich laut Mohme „wenn möglich einen bedarfsorientierten (im Gegensatz zum verbrauchsorientierten, Anm. der Red.) Energieausweis zeigen lassen“, der objektiv zeigt, „wie viel Energie nötig ist, um konstant 19 Grad zu erbringen“. Unabhängig vom Verbrauch der Vormieter.

(Warm-)Wasserverbrauch

Eine Sparbrause (ab circa 20 Euro) mindert rund 50 Prozent der Wasserzufuhr bei gleicher Duschdauer. Till-Henning Mohme ist skeptisch: „Wenn weniger rauskommt, duschen Sie vielleicht länger.“ Tropfende Wasserhähne dagegen solle man unbedingt reparieren. Ein richtig guter Tipp für faule Journalisten ist: „Das Tellervorwaschen beim Spülmaschine-Einräumen mit heißem Wasser hat einen enormen Stromverbrauch. Elektrische 5-Liter-Warmwasserspeicher unter der Spüle laufen mit 2 000 Watt, das entspricht 20 Deckenflutern. Kurzes Abspülen mit kaltem Wasser reicht.“ Wenn überhaupt.

Stromkosten

Fies ist der Kühlschrank-Check: Gar nicht gut ist das total vereiste Eisfach: „Eis verbraucht Volumen, der Eispanzer muss überbrückt werden.“ Okay, vor dem nächsten Urlaub sollte das Gerät sowieso abgetaut werden.

Beim Neugerätekauf lohnt sich der Blick auf die Seite ecotopten.de. Gefrierschrank, Wäschetrockner oder Fernseher halten oft 15 Jahre, so dass der Energiebedarf ein wichtiger Kostenfaktor wird. Im Büro lohnt sich eine Master-Slave-Steckerleiste ab 25 Euro. Wird z. B. ein Laptop als Master eingestöpselt, bekommen Peripheriegeräte wie Drucker und Schreibtischlampe nur dann Saft, wenn das Gerät hochgefahren wird. Sonst nicht. Wird nur der Akku geladen, dann sind alle anderen Standby-Geräte automatisch vom Strom abgeschnitten.

Es gibt diverse Ökostrom-Anbieter im Internet (z. B. unter ok-power.de), die auch preislich mit den herkömmlichen mithalten können. Ein Wechsel ist in Minuten gemacht, der Autor spart ab sofort gut zehn Prozent jährliche Ausgaben.

Till-Henning Mohme berät normalerweise beim Bau von Häusern oder beim Umbau von Altbauten in energetische Effizienzhäuser. Dabei bestimmt er den Status Quo, spielt mehrere Varianten energiesparender Maßnahmen durch und gibt wichtige Tipps zu niedrigen Krediten und Zuschüssen. Grundsätzlich gilt: „Energiekosten wird man nie los, und die Energiepreis-Steigerung der letzten 30 Jahre lag bei circa fünf Prozent im Jahr.“

Wer sich vorsichtig an das Thema herantasten möchte, ist bei der Verbraucherzentrale gut aufgehoben. Der halbstündige Besuch kostet fünf, ein 90-minütiger Ortstermin 60 Euro. Auch die sind schnell wieder drinnen.

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