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E-Mobility. Das Zauberwort des neuen Jahrhunderts meint die saubere und sichere Fortbewegung mit Solarmobilen, Strom-Autos und anderen elektrischen Fahrzeugen. Große Unternehmen und private Bastler arbeiten bereits daran, die große Energiewende in der Mobilität herbeizuführen. coolibri testete einen E-Roller, der derzeit vom Energie-Anbieter RWE Effizienz GmbH vertrieben wird.
Optisch unterscheidet sich das Gefährt kaum von ganz normalen benzingetriebenen Rollern – modernes Design und eine stromlinienförmige Verkleidung (leider komplett aus Plastik), ein komfortabler Sitz für zwei Personen, Vorder- und Hinter-Bremse und eine Tacho-Anzeige mit Akku-Ladestand, Kilometerstand, Geschwindigkeit und Uhrzeit in der Mitte des Lenkers. Auch die Knöpfe befinden sich an gewohnter Stelle: Licht, Blinker, Starter. Der Roller verfügt außerdem über einen Economy-Schalter, der stromsparendes Fahren ermöglichen soll. Minuspunkt beim ersten Augenschein: Es fehlt ein Helmfach. Unter dem Sitz, wo bei „Benzinern“ der Helm oder kleineres Gepäck verstaut wird, liegt beim E-Roller das Lademodul mit den zwei Stromkabeln: eines speziell für öffentliche Ladesäulen und ein normales für den Haushaltsanschluss.
Die erste Herausforderung folgt bereits beim Starten: Schlüssel rein, Zündung an, den Starter-Knopf einmal hin und her und – nichts passiert. Läuft er jetzt oder nicht? Startgeräusche oder Motorbrummen erwartet man vergebens, das Ding tut keinen Mucks. Die Antwort liefert schließlich ein zaghaftes Ziehen am „Gashebel“, woraufhin der Roller lautlos und wie von Geisterhand losfährt. Gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie auch ganz reizvoll.
Also auf ins Getümmel, pünktlich zur Rush-Hour auf der Herner Straße in Bochum. Die Beschleunigung ist sehr zufriedenstellend, seine Höchstgeschwindigkeit hat der Roller in wenigen Sekunden erreicht. Auch Anstiege meistert das Gefährt ohne Probleme. Was allerdings den Fahrspaß etwas einschränkt, ist die Tatsache, dass der Roller eine genau definierte Maximalgeschwindigkeit hat – im Praxistest lag sie bei 48 Km/h – die er peinlich genau einhält. Wo man aus dem Benziner – bergab und mit Rückenwind – noch ein paar Km/h herauskitzeln kann, macht der E-Roller gnadenlos dicht. Wird man zu schnell, setzt die Motorbremse des Elektromotors ein, die der Beschleunigung über die geregelte Höchstgeschwindigkeit hinaus einen Riegel vorschiebt. Da will der richtige Fahrspaß nicht aufkommen, wenn man dann mal freie Fahrt hat.
Was ebenfalls bereits bei den ersten Metern auffällt ist, dass man viel aufmerksamer im Straßenverkehr sein muss. Passanten hören einen nicht und reagieren dementsprechend erst spät bis gar nicht. Vorausschauendes Fahren und Achtsamkeit sind hier ein Muss – zumindest solange, bis Elektrofahrzeuge serienmäßig mit künstlichem Sound geliefert werden.
Die versprochenen 100 Kilometer Reichweite schafft man vermutlich nur unter optimalen Bedingungen – im Test hatte der Akku nach knapp 40 Kilometern etwa die Hälfte seiner Kapazität verloren. Bei einem Zwischenstopp offenbarte sich aber auch gleich ein Vorteil: Einmal das Kabel raus, an die heimische Steckdose angeschlossen, und nach weniger als zwei Stunden war der Akku wieder voll. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass man über eine Garage oder einen sonstigen, durch Dritte nicht erreichbaren Stromanschluss verfügt. Mit einer Stadtwohnung dürfte es schwierig sein, den Roller unbeaufsichtigt laden zu lassen – schließlich ist ein frei heraushängendes Stromkabel eine Einladung zum Stromklau.
Insgesamt unterscheidet sich der E-Roller in den wesentlichen Fahr-Eigenschaften nicht sehr vom klassischen Benziner. Pluspunkte sammelt er beim Verbrauch (70 Cent pro hundert Kilometer sind unschlagbar) und natürlich bei der Umweltbilanz. Ohne Lärm und Emissionen unterwegs zu sein, macht Spaß und ein reines Gewissen.
Die gedeckelte Geschwindigkeit ist ein Wermutstropfen für den Fahrspaß. Wer mal einen alten, knatternden Scooter besessen hat, weiß, welchen Spaß es macht, der Möhre noch mal zwei, drei Km/h mehr zu entlocken. Aber die Regulierung der Höchstgeschwindigkeit betrifft alle Elektromobile und entspricht ja in gewisser Weise auch der heutigen Sicherheitsgesellschaft.
Dennoch ist der S 2.4 ein feines Gefährt und bringt sowohl als extravagantes Spielzeug als auch als zuverlässiges Transportmittel im urbanen Dschungel jede Menge Spaß.
Der hat aber auch einen stolzen Preis: 5 500 Euro für Roller, Ladekabel und ein Stromkontingent über 1 000 Kwh bei RWE sind kein Pappenstil, aber für Elektromobile heute nicht besonders teuer, denn es handelt sich noch immer um eine Pioniertechnik.
Sven Halen
Der Govecs S 2.4 wurde jüngst als „European E-Scooter Of The Year“ ausgezeichnet und wurde in Deutschland entwickelt und in Europa produziert. Die Spitzengeschwindigkeit liegt laut Hersteller bei den gesetzlich zulässigen 45 Km/h, bei dem Modell S 2.4+ liegt sie bei 60 Km/h. Der Motor hat eine Kapazität von 3 Kwh, und der Akku macht mindestens 1 000 Ladezyklen mit. Bei voller Ladung beträgt die vom Hersteller angegebene maximale Reichweite rund 100 Kilometer. Danach muss die Lithium-Polymer-Batterie wieder für vier bis fünf Stunden an die Steckdose. Der S 2.4 ist übrigens der erste E-Roller, der nicht nur an den bundesweit rund 700 öffentlichen Ladestationen auftanken kann, sondern auch ganz unkompliziert mit Hausstrom aufgeladen wird. Die Verbrauchskosten liegen laut RWE Effizienz GmbH bei etwa 70 Cent pro 100 Kilometer.
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