Dem Henselowsky Boschmann sein Herbstprogramm

| Illustration: Michael Hüter

Der kleine Verlag Henselowsky Boschmann aus Bottrop veröffentlicht seit 1982 weitestgehend unabhängig von großen Trends, dafür mit viel Einsatz, unter dem Motto „vonne Ruhr“ Literatur aus dem und über das Ruhrgebiet. Nun stehen die Herbstveröffentlichungen an. Im Interview mit Philip Stratmann erzählt Herausgeber Werner Boschmann von Bottrop, Literatur und den Nöten, denen ein kleiner Verlag so ausgesetzt ist.

Wann erscheint denn im Verlag Henselowsky Boschmann die erste RUHR.2010-Replik?

Niemals, weil ich mit der ganzen Kiste nichts am Hut hatte und auch nicht haben werde. Da soll jeder denken, was er will, aber mein Ding war es nicht. Ich war mit dem Fahrrad bei zwei Sachen. Einmal bei der A40. Da bin ich nach Essen-Borbeck gefahren, aber nicht drauf gekommen – war aber trotzdem nett. Außerdem war ich bei einer Sache auf einer Bottroper Halde. Ansonsten ist das an meinem Popo vorbei gegangen.

Als Ruhrgebietsverlag haben Sie nicht davon profitiert?

Nein, 2010 war ein ganz schlechtes Jahr. Da kamen die ganzen Platzhirsche mit Veröffentlichungen zum Ruhrgebiet. Die Leute haben sich dann die Rosinen rausgepickt. Mir war ziemlich klar, dass viele an den Topf ran wollen, aber das ist ja auch in Ordnung. Jetzt läuft alles wieder normal.

Gibt es nach 2010 eine größere Resonanz von außerhalb des Ruhrgebiets?

Was ich mitkriege, sind Internetanfragen, meist von weggezogenen Ruhris mit ganz viel Heimweh. Ich habe zum Beispiel eine treue Kundin in Kanada, die ursprünglich aus Dortmund kommt. Sie braucht überhaupt nichts zu bestellen, ich schicke ihr einfach jedes Jahr die Kiste mit Neuerscheinungen.

Sie pflegen ihr regionales Profil vor allem auch durch die Sprache. Ernst gemeint oder Augenzwinkern?

Also, ich liebe das Ruhrpottdeutsch. Ich könnte mir weder vorstellen, nicht in Bottrop, geschweige denn nicht im Ruhrgebiet zu leben. Aber das mit dem Augenzwinkern ist auch richtig. Man muss den Dialekt raus hängen lassen. Die Leute von außerhalb finden ihn außerdem toll. Die Leute, die das Ruhrgebiet verlassen haben und zu denen ich noch Kontakt habe, sprechen auch noch so. Selbst Auswärtige imitieren ihn mittlerweile.

Braucht es eine besondere Leidenschaft, um so einen Verlag zu führen?

Ich mach es zumindest nur mit Leuten, mit denen ich persönlich gut kann. Es ist ein bisschen wie eine Ehe, ich versuche, lange mit den Autoren zusammen zu arbeiten. Nicht alle sind Freunde, aber durchweg gute Bekannte. Ich kann die Bücher dann ganz anders anbieten und mach mich richtig lang, die Bücher zu verkaufen. Zu diesen Gesprächen geh ich auch nicht im Anzug, sondern so wie ich in Bottrop auch rum laufe. Bei den kleineren Buchhandlungen, aber auch bei den großen Ketten wie der Mayerschen und Thalia läuft viel über den persönlichen Kontakt. Und wenn der Buchhandel im Ruhrgebiet den Boschmann nicht ab und an etwas weiter nach vorn stellen würde, hätte ich keine Chance.

Ist die Platzierung in großen Buchhandlungen schwieriger als in kleinen privat geführten?

Bei den kleineren Buchhandlungen geht das viel direkter. Bei den großen ist die Struktur komplizierter, und meine Ansprechpartner wechseln häufiger. Insgesamt kämpfe ich um jede Buchhandlung, damit dort die Bücher meines Verlages stehen. Wenn irgendwo ein Ansprechpartner wechselt, kriege ich weiche Knie. Wenn irgendwo ein Warenwirtschaftssystem umgestellt wird, kann ich schlecht schlafen, weil ich Angst habe, dass ich als Kleiner nicht mehr berücksichtigt werde. Ich bin darauf angewiesen, dass die Bücher meines Verlages in den Buchhandlungen sichtbar sind, weil viele Titel wie „Max und Moritz im Kohlenpott“ oder das „Lexikon der Ruhrgebietssprache“ Mitnahmetitel sind. Kopfschmerzen bereitet es mir, dass Buchhandlungen immer weniger Platz für Bücher haben und dafür „Nonbooks“ platzieren, also Nummernschilder, Spiele, Schlüsselanhänger und so. Wenn die Regional-Abteilung Ruhrgebiet plötzlich nur noch anderthalb Meter hat und ich 60 Zentimeter davon bekomme, habe ich mit den 70 lieferbaren Titeln meines Verlages ein dickes Problem.

Gibt es einen Ort, wo es sich besonders gut lesen lässt?

Klar, am Rhein-Herne-Kanal. Ich sitze gern an der Brücke gegenüber vom Nordsternpark und sehe immer alles von Bottrop aus: von da aus die rechte Uferseite. Da sind zwei Bänke und da lese ich immer.

vonneruhr.de

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