Sylverhoven Deliziös: Liebe geht durch den Magen

| Anke Hunscha Photographie

Sie sind das Dreamteam der Düsseldorfer Foodie-Szene – Ulli Sylvester und Peter Inhoven. Sie autodidaktische Köchin und Betreiberin eines Catering-Unternehmens, er der wohl kreativste Metzgermeister und „Wurstpapst“ der Stadt. Seit knapp zwei Jahren sind sie miteinander verheiratet und seit Kurzem auch geschäftlich liiert. Grund genug, die beiden etwas näher vorzustellen. Berit Kriegs hat das Doppel besucht.

Nicht das Schicksal führte Ulli Sylvester und Peter Inhoven zusammen, sondern der Ehemann von Sylvesters Schwester, von Beruf Produktionsleiter der Wurstküche in Inhovens Metzgerei. „Mein Schwager hat uns verkuppelt“, erzählt Sylvester und dass sie „Metzger anfangs nicht so prickelnd“ fand, was rasch ins Gegenteil umschlug: Im Herbst 2009 läuteten die Hochzeitsglocken. Die „zweite Vermählung“ fand in diesem Frühjahr statt – mit der Eröffnung des gemeinsamen Ladens „Sylverhoven Deliziös“, der beide Handwerke gleichberechtigt verknüpft. Eingeweckte Metzgerspezialitäten gibt es hier zu kaufen und Spezereien aus Frau Sylvesters Küche, die eigentlich Grafikdesign studiert, „aber immer nebenher gekocht“ hat. Eine amtliche Ausbildung hat sie nie absolviert, nach ihrem Berufsbild einige Zeit gesucht. „Anfangs ging es mir nur ums Geld verdienen, und Kochen war eben das Einzige, was ich konnte.“ Als sie Mitte der 1980er ihre erste Festanstellung in der Marktwirtschaft hatte, wurde aus dem Nebenjob Beruf wie Berufung. Ulli Sylvester war Mitbegründerin der Brocanterie, kochte später für die Alte Metzgerei und diverse andere Gastronomien, zog ihr Catering-Unternehmen hoch und beliefert heute mit 16 Angestellten neben Privat- und Firmenkunden täglich rund 1 600 Kinder in Schulen und Tageseinrichtungen.

Bratwurst unplugged

Peter Inhoven hingegen wurde sein Werdegang quasi in die Wiege gelegt, abonniert auf den Standort Düsseldorf: Seit 1998 leitet er den von den Großeltern 60 Jahre zuvor gegründeten Betrieb, hat ein dichtes Netzwerk zu Kollegen, Gastronomen und Weinhändlern gesponnen und sich auf Reisen zu Innovationen inspirieren lassen, „statt im täglichen Handwerk nur stoisch die gleichen Sachen zu produzieren“. Ferner sorgte die Gattin für Horizonterweiterung in Sachen Partyservice bzw. Catering. Seinen Auszubildenden gibt Inhoven Folgendes mit auf den Weg: „Der Fleischerberuf ist nur das Sprungbrett in den gesamten Ernährungssektor.“

Transparenz bei der Herstellung von hochwertigen Lebensmitteln oder „Handwerk begreifbar machen“ ist dem umtriebigen Metzgermeister ein wichtiges Anliegen. Mit „Bratwurst live“ hat Inhoven eine Bühne ersonnen, auf der er sein Metier demonstrieren kann und unmittelbare Resonanz vom Publikum erfährt. Auf Events sowie in Kindergärten und Schulen ist er mit seiner mobilen Wurstproduktion, einer Maschine „unplugged und portabel“, unterwegs und stellt vor Ort seine berühmten Bratwürste her, die anschließend auf dem Grill landen. Warum ausgerechnet Bratwurst? „Die Bratwurst ist das simpelste und zugleich ehrlichste Produkt. In einer halben Stunde kann ich das Ausgangsmaterial zu einem leckeren Handwerksprodukt verarbeiten. Man kann es sehen, riechen, man kann mitmachen und hinterher probieren. Das ist toll.“

Asia vs. Politbüro

Inhoven gilt nicht umsonst stadtweit als „Kultmetzger“; Restaurants, die etwas auf sich halten, führen die Würste der Werstener Fleischerei auf ihrer Speisekarte. Prägnant ist nicht nur der Geschmack der Bratwürste, sondern auch ihre avantgardistische Namensgebung. Sie heißen „Shanghai Tiger“ oder „Politbüro“, „die Transsylvanische“ („ich wollte immer mal eine Blutwurst auf dem Grill“) und als logische Konsequenz „Le Fleur“ mit echten Blüten: „Das Engelchen, um das Yin- und Yang-Verhältnis wieder auszugleichen.“ Darauf muss man erstmal kommen. „Das sind Ideen, die mir durch den Kopf schießen, die setze ich um, ohne nachzudenken“, sagt Peter Inhoven. Die Politbüro entspringt einem Tatort, der in der DDR spielte, wo es keine Südfrüchte gab, „deswegen ist die Politbüro mit Nicht-Südfrüchten, Rote Bete, Gurke, Apfel, Zwiebel“. Shanghai Tiger (Rindfleisch, Teriyaki, Wasabi, Ingwer) verdankt sich Beobachtungen auf der Immermannstraße: „Da musste mal so ’ne Asiawurst her.“

Stillstand ist ein Fremdwort für den Düsseldorfer Wurstpapst, der bereits weitere Projekte in der Pipeline hat; der zukünftige Sylverhoven-Onlineshop ist nur eines von vielen. Und natürlich tüftelt Peter Inhoven nach wie vor an coolen Bratwurstrezepturen. Demnächst gibt es eine neue Wurst, „extralang und mit ganz vielen Extras drin“. Und die heißt wie? „Superman.“

sylverhoven.com

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