Pro Bier um halb vier

Zur Eindämmung von Gewalt rund um Fußballspiele forderte Hessens Innenminister Boris Rhein zuletzt ein Alkoholverbot in Stadien. Diesen Vorschlag kommentiert Oli Kruschinski, Geschäftsführer beim Supporters Club des FC Schalke 04 und Chefredakteur beim „Sprachrohr“ des Schalker Fan-Club-Verband. 

Man hätte die Uhr danach stellen können. Kaum hatten Anhänger der Frankfurter Eintracht ihrem Ärger über den Abstieg in die 2. Bundesliga – zugegeben, auf wenig schöne Art und Weise – Luft verschafft, war sie auch schon da. Die reflexartige Forderung nach Verboten. In diesem Falle, mal wieder, nach einem allgemeinen Alkoholverbot in Stadien und öffentlichen Beförderungsmitteln. 

Die Forderung des hessischen Innenministers ist nicht neu, dafür ebenso durchsichtig – und soll letztlich mal wieder nur von den eigentlichen Problemen ablenken. Denn es gibt doch bereits seit vielen Jahren in den meisten Bundesliga-Stadien lediglich alkoholfreies bzw. alkoholreduziertes Bier, die Stadionordnungen verbieten ein Betreten des Stadions im stark alkoholisierten Zustand. Und wer sich, wo und warum auch immer, prügeln will, der trinkt sowieso nichts. Ein direkter Kausalzusammenhang zwischen „Randale“ und dem Verzehr von Bier im Stadion ist weder erkennbar noch empirisch belegbar. Wer trinken will, trinkt. Vor dem Spiel, während des Spieles, nach dem Spiel. Na und? Wer weiß, dass er im Stadion nichts trinken kann, der trinkt vorher. Vielleicht noch eher, vielleicht noch mehr, vielleicht auch zu viel. Das Problem ist daher weniger der Genuss und Konsum des Bieres an sich, sondern sein maßloser Missbrauch. Und da muss angesetzt werden. 

Es ist und bleibt vor allem ein Problem der Vereine, ein Problem unserer ganzen Gesellschaft. Für die Umsetzung der gegebenen Regeln und Gesetze sind die Veranstalter verantwortlich. Sprich: Wer „blitzeblau“ vor dem Stadion steht, kann wieder nach Hause gehen. Punkt. Konsens! Vor allem aber müssen die Verantwortlichen – in Politik und Verein – endlich einmal begreifen, dass man Fangemeinden und Fangruppen aufgrund ihrer lebenslangen Treue zu einem Club nicht nur als ein auf Langfristigkeit ausgelegter Wirtschaftsfaktor, den man stetig „melken“ kann, betrachten darf, sondern als Pflanze, die man ab und an auch mal gießen muss. Sprich: Würden die Vereine, als auch die öffentliche Hand, endlich einmal mehr Geld für vernünftige Fanbetreuung und solide, auf Nachhaltigkeit ausgelegte Sozial- bzw. Fanprojektsarbeit in die Hand nehmen, wahrscheinlich würden die meisten „Probleme“ von ganz alleine verschwinden.

Cartoon von Oli Kruschinski

Kommentare

  1. von Glatzen-Peter 29.07.11 (21:05 Uhr)

    Es wird zuviel gesoffen, hört doch auf mit der Scheiße....

  2. von Jürgen 27.07.11 (10:48 Uhr)

    1904% Zustimmung! Der anmaßende Regulierungswahn hat längst den Sport erreicht...

  3. von M. Engels 27.07.11 (8:06 Uhr)

    Das kann man alles so stehen lassen. Du trifft den Nagel auf den Kopf.Alles schreit nach Verboten, aber keiner will für Prävenzionsmaßnahmen irgendetwas bezahlen.

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