Mutti: Man kocht deutsch

Drei Mal schickte Mutti uns ohne Abendbrot zu Bett. Zuerst suchten wir an falscher Stelle. Also Obacht, das Restaurant liegt ein wenig versteckt links von der familienzugehörigen East Village Eatery. Dann wurde uns eine Baustelle vor Ort zum Verhängnis, beim dritten Mal der Stromausfall. Entsprechend hungrig kehrten wir endlich ein. In verfeinert-rustikaler Wirtshausatmosphäre mit blaugrauen Wänden, solidem Mobiliar bis hin zum alten Küchenschrank, charmant-brutalen Oma-Lampenschirmen alter Schule und Besteck aus zünftigen Blechdosen ließen wir uns voller Vorfreude auf Hausmannskost nieder.

Aus aktuellem Anlass kämpften wir mit einer bis auf die Kräutergärten ausgedehnten Gemüsephobie, sonst hätten wir von der Frankfurter Grünen Soße mit Bratkartoffeln auf der Tageskarte genascht. Unter den verlockenden Alternativen fanden wir hausgemachten Kartoffelsalat, Strammen Max, Reibe- oder Apfelpfannekuchen. Doch auch die Currywurst aus Edelmetzger Peter Inhovens Fleischmanufaktur mit knusprigen Pommes an fein abgestimmter fruchtig-würziger Soße (5,70) schmeckte vorzüglich. Mit Entzücken registrierten wir temperamentvolles Schnitzelklopfen aus der Küche. Krustig und blasig paniert kam das derart geplättete gute Stück in köstlicher Manier auf den Teller (8,20). Schade, dass die beiliegenden Bratkartoffeln an vornehmer Blässe litten. Ein wenig mehr Feuer unterm Hintern hätte ihnen gut getan. Wer sich mit Muttis Qualitäten labelt, hängt halt die Latte hoch.

Streng wachte indes aus der halbrunden Sitzecke Mutti als Logo aus der Blümchentapete blickend über die Maxime des Hauses: „Einfach. Lecker. Essen“. Sie trägt Dauerwelle, schwingt eine Teigwalze und hat ganz schön viel Holz vor der Hütte. Aber auch das Dessert aus Apfelkompott auf Krokant mit frisch geschlagener Sahne, ein süßes „Verschleiertes Bauernmädchen“ (5,50), hat gewiss ihr Wohlwollen gefunden.

Regina Matthes

Kommentar hinzufügen

* Pflichtfeld