Babasi: Grüner Anstrich

| Christof Wolff

Oberkassel ist zweifelsohne anders als andere landeshauptstädtischen Stadtteile. Im linksrheinischen Quartier lebt das Düsseldorf-Klischee. An einem ganz normalen Mittwoch sind die Damen gekleidet wie anderswo nur sonntags. Hohe Absätze, wohin man blickt. Und bei Saitta wird auch schon wieder Champagner geschlürft. Gibt es einen unpassenderen Ort, um eine Döner-Bude aufzumachen? Wohl kaum. Nun ist das Babasi – zumindest nach dem Verständnis seines Betreiber-Quartetts – aber auch keine ganz normale Döner-Bude, wie man sie rund um Hauptbahnhof und Worringer Platz findet.

In dem Mitte April eröffneten „Döner Diner“ verzichtet man auf Konservierungs- und Farbstoffe ebenso wie auf Geschmacksverstärker sowie Aromen. Das Kebap wird in drei Varianten angeboten, fleischlos, mit Huhn oder Kalb – und schlägt mit je 5 Euro zu Buche. Trotz des happig anmutenden Preises bestellen wir zwei der gefüllten Taschen – eine mit Huhn, die andere vegetarisch. Letztere kommt im Roggen-Kebapbrot daher, die Füllung ein Pinienkern-Ratatouille nebst Tomaten-Thymian-Sugo, Salat und mehreren Saucen. Schön würzig und durchaus schmackhaft, aber schwierig zu verzehren. Da tropft es auf Tisch, Boden und leider auch Hose der Testesserin. Bei der Hühnchen-Variante des Begleiters können auch die diversen Saucen nicht kaschieren, dass das Fleisch ziemlich trocken ist. Definitiv besser mundet da schon der Nudelrisotto-Salat (3,50), in dem Pistazien, Sultaninen, getrocknete Tomaten und schwarze Oliven eine gelungene Liaison eingehen. Leider ist er – wie auch die Yoghurts und viele Getränke – in Plastik verpackt.

Mit dem grünen Gewissen scheint es also nicht ganz so weit her zu sein wie die grün gestrichenen Terrassen-Tische weismachen wollen. Da passt es fast ins Bild, dass man das Fleisch von der FVZ Westfood bezieht, einer Tochter der Firma Westfleisch. Letztere gehört zu den fünf größten fleischverarbeitenden Unternehmen in Europa. Aber vielleicht merkt das in Oberkassel ja keiner …

Alexandra Wehrmann

Kommentare

  1. von Oberkassel-Prolet 30.06.11 (18:10 Uhr)

    Wie kann es sein, dass eine Restaurantkritik zur persönlichen Abrechnung der Autorin mit einem kompletten Stadtteil verkommt?

    Übrigens: Dass ein Kebap schwierig zu verzehren sein kann weiß man in der Regel eigentlich avorher. Oder würde die Autorin auch zum Chinesen gehen und sich dann in einem Artikel über die Unhandlichkeit der Essstäbchen aufregen? Kann man machen, spricht aber nicht für einen.

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