Traumzeit Festival: Musikalischer Schmelztiegel

| Traumzeit Festival

Traumgleich bis surreal mutet das Gelände an mit seinen in den Himmel ragenden Schornsteinen, riesigen Stahlkonstrukten, Türmen und Hochöfen. Der Landschaftspark Nord ist ein ganz besonderer Ort, der eine unglaubliche Ausstrahlungskraft besitzt. Wo früher in Öfen rot glühendes Stahl produziert wurde, da stoßen die Besucher heute auf die faszinierenden Lichtinstallationen des englischen Künstlers Jonathan Park.

Was also böte eine bessere Kulisse für das Traumzeit Festival als die Kraftzentrale, die Gießhalle, die Gebläsehalle, die Pumpenhalle und das Gasometer. Wo einst Stahl geschmolzen wurde, verschmelzen vom 1.–3. Juli am gleichen Ort Musik und experimentelle Visionen der hochkarätigen Künstler.

Seit 1997 findet das Festival der besonderen Art in Duisburg statt. Nach RUHR.2010 wollen die Veranstalter in diesem Jahr noch eine Schippe drauf legen. Dabei ist man dem erfolgreichen Konzept treu geblieben: Das Traumzeit Festival steht für Wandel und Grenzüberschreitung. Licht- und Videoinstallationen erwecken die Musik zum Leben und ermöglichen eine dreitägige Erlebnisreise zwischen Jazz, Pop, Rock, Electro und World-Music.

Zu den Zugpferden gehört in diesem Jahr der kanadische Electro-Musiker Daniel Snaith, besser bekannt als Caribou. Er bereichert das Festival mit einem Sound, der in keine Schublade passen will. Mit seinem letztjährigen Album SWIM heimste Snaith viel Lob ein. Als ein wahres Multitalent ist Ólafur Arnalds bekannt: Egal, ob am Piano, an der Gitarre oder mit dem Banjo, der isländische Allrounder versteht es, grenzüberschreitende Projekte in die Tat umzusetzen. Am zweiten Festivaltag geht es ums Bauchgefühl. Die österreichische Beatboxing-Band Bauchklang erzeugt ohne Instrumente und nur mit ihren Stimmen einen facettenreichen Sound aus Dub, Reggae, Hip Hop und Drum&Bass. Tag Drei wartet mit dem Schweizer Stefan Rusconi und seinem Trio auf. Für das gelungene Kunststück, die Rockmusik der New Yorker Band Sonic Youth auf dem klassischen Jazz-Piano hörbar zu machen, wird Rusconi kurz vor dem Festival mit dem Echo Jazz Award ausgezeichnet. Zu den weiteren Programm-Highlights zählen altbewährte Formationen wie Mogwai, Bill Evans & Randy Brecker Soulbop featuring Medeski, Martin & Wood, der 26-jährige Jungstar Esperanza Spalding mit seiner Chamber Music Society und die Mülheimer Band Bohren & der Club of Gore.

Absolutes Novum des Traumzeit Festivals ist der diesjährige Themenschwerpunkt mit dem südostasiatischen Myanmar (Burma). Das Land wird von der regierenden Junta weitestgehend abgeschottet, nur wenig von seiner Kultur und seiner Musik dringt nach Außen. Umso spannender dürfte deshalb der dritte Festivaltag werden, der mit Workshops und gleich mehreren Konzerten burmesischer Künstler dem kulturellen Austausch Tür & Tor öffnet. Es bleibt ausreichend Platz für Experimente, denn die Künstler aus Fernost scheuen sich nicht, ihre traditionelle Musik mit den Klängen westlicher Bands zu verpaaren und Einzigartiges zu schaffen.

Ebenfalls neu ist die Clubnacht „Traumtanz“ in der Gebläsehalle am zweiten Festivaltag. Ab 22 Uhr verwandelt sich die Gebläsehalle in eine Partylocation. Auf insgesamt drei Floors gibt es Tanz- und Live-Musik in Form von Elektro, Funk, Techno, Latin, Balkan Beats, Jazz und Indie. Präsentiert wird die Clubnacht von Traumzeit und den Duisburger Szenelokalen Goldengrün, Djäzz, babSU und Steinbruch, in denen auch vor und nach dem Festival getreu dem Motto gefeiert werden darf. Live und in Farbe sind des Weiteren namhafte Künstler wie DeVotchKa, Daniel Kahn & The Painted Bird und The Weakerthans präsent. Letztgenannte kanadische Formation um den charismatischen Ex-Propagandhi John K. Samson besticht durch Pop-Perlen a la „Left & Leaving“ und „Civil Twilight“, die sich wunderbar im Festival-Ambiente entfalten.

Traumzeit-Karten sind generell als Festivalpass oder Tageskarte erhältlich. Wer die Veranstaltung ausschließlich Open-Air erleben möchte, hat die Möglichkeit, ein Spezial-Ticket für die Außenbühnen zu kaufen.

Jessica Narloch

traumzeit-festival.de