Tausendundein Gewürz: Kandu

| Christof Wolff

Sind Sie größer als 1,75 Meter? Dann bitte Vorsicht, damit Sie sich an der niedrigen Decke mit den tropfsteinhöhlenartigen Zacken nicht den Kopf stoßen. Vermutlich war hier vor Urzeiten mal eine Pizzeria beheimatet – so stellte man sich in den 80ern italienische Gemütlichkeit vor. Pizza ist längst passé, nun wird persisch gekocht. Fleisch, Reis, Grilltomate, so kennt man das Standardrepertoire beim Perser, aber das ist längst nicht alles.

Zum Auftakt gibt es dünnes Fladenbrot, Joghurt, frische Minzblätter, Petersilie und rohe Zwiebel – alles zusammen in den Mund geschoben ergibt eine tolle Mischung. Waren da Zwiebelstückchen im Joghurt? Nein, „die kleine Schwester vom Knoblauch, aus dem Iran“, erklärt die freundliche Bedienung, „stinkt auch nicht“. Der Salat „Schirazi“ aus Tomaten, Gurken und Zwiebeln kriegt seinen Kick durch Limettensaft und „viele Kräuter“, die auch dem Gartengemüse „Torschi Lite“ (Aubergine und Zucchini) innewohnen. Beide Vorspeisen (à 3,40 Euro) ergänzen prima die zeitgleich servierten Hauptgerichte: am Spieß gegrilltes, aromastarkes Lammfilet, Reis, Grilltomate (13,90) sowie „Ghormeh Sabsi“, gekochtes Lamm mit roten Bohnen in Kräutersauce (9,90).

Die schmeckt zunächst etwas fad, bis das rote Pulver aus dem Gewürzstreuer zum Einsatz kommt, das eine leicht säuerliche Komponente beisteuert und die Sache weit nach vorne bringt. Sumagh heißt dieses Zaubermittel, falls Sie zuhause mal persisch kochen möchten. Aber vielleicht holen Sie sich die original Impressionen erst mal bei den Profis.

Berit Kriegs

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