Strick-Guerilla: Stricken in der Grauzone

| Strick & Liesel

Graffiti. Guerilla. Protest. Mitten in Deutschland – Klingt nach Polizeieinsatz und dem Ende des Abendlandes durch Radikale. Doch die „Strick-Guerilla“, auch als „yarn bombing“, „guerilla knitting“ oder eben „knitting graffiti“ bekannt, zerstört nicht oder ruft gar zum Untergrundkampf auf. Sie protestiert strickend! Paul Tschierske sprach mit Strick (26) aus Düsseldorf und Liesel (25) aus Duisburg.

„Erst waren wir auf Demos aktiv und haben uns dann zusammengeschlossen. In einer Zeitschrift war zu lesen, dass Atomausstieg Handarbeit sei, daraufhin griffen wir zu Strick- bzw. Häkelnadel.“ Geboren war das Künstlerduo „Strick & Liesel“, das bereits von der globalen Bewegung wusste. „Klar, wir wussten davon, und dadurch hat sich dann auch alles ergeben.“ Noch sind zwar keine gemeinsamen Aktionen geplant, aber „wir sind über Facebook mit der Szene vernetzt und in Kontakt“.

Passend wäre wohl der „Yarn Bombing Day“ am 11. Juni. Aber was ist das eigentlich? „Dies ist ein Zusammentreffen von verschiedenen Strick-Guerilla-Gruppen. Na ja, und wie der Name schon sagt, es ist eben ‚Yarn Bombing Day’.“ Ob sie selbst Aktionen planen, beantworten die beiden mit einem kräftigen: „Ja, vermutlich, vielleicht. Es soll ja eine Überraschung sein. Im Übrigen kann sich jeder auf unserer Facebook-Seite informieren.“

Die Reaktionen auf ihre Arbeiten sind „generell recht positiv“. Dass Passanten Strick & Liesel beim Anbringen „erwischen“, ist eher unwahrscheinlich. „Wir machen das im Dunkeln und werden deshalb selten beobachtet. Und wenn dann sind die Leute etwas irritiert.“

Im Gegensatz zu „richtigem“ Graffiti, wo Künstler wegen angeblichen Vandalismus teilweise jahrelang in den Knast müssen, kann der Gesetzgeber niemandem vorwerfen, etwas Gestricktes an einem Laternenpfahl anzubringen. Oder hatten die beiden schon mal Ärger mit den Behörden? „Nein, hatten wir nicht. Wir bewegen uns in einer rechtlichen Grauzone, weil wir ja wirklich nichts kaputt machen.“

Wer zurückdenkt an Stricken, Protest und Politik, wird sich zweifellos an die ersten Parteitage der Grünen erinnern. Die sind aber kein kreatives Vorbild für Strick & Liesel: „Ehrlich gesagt wurden wir dadurch überhaupt nicht inspiriert. Zumal damals das Stricken nicht mit einer politischen Aussage verbunden war, man hat einfach auf Parteitagen gestrickt.“ Da könnte sich doch glatt einer der Urgrünen auf die Wolle getreten fühlen.

Das aktuelle Projekt von Strick & Liesel heißt „Fluffy throw up“. Die Erklärung dazu: „Fluffy (flauschig) steht für die Wolle und throw up bedeutet in der Graffiti-Szene ein schnelles Tag an die Wand zu werfen.“ Und außerdem ist es im Englischen die höfliche Form für „sich übergeben“. Eine gewollte Doppeldeutigkeit? „Klar, die Doppeldeutigkeit ist auf jeden Fall beabsichtigt. Man sagt ja auch einfach ‚lass mich mal über etwas auskotzen’, und wir wollen unsere Meinung kundtun.“

Einfach mal seine Meinung auskotzen. Genial!

Strick & Liesel-Facebook-Fanpage:

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