In der Crone: Ich denke oft an Piroschka

| Christof Wolff

Im historischen und auf Hochglanz polierten Stadtkern Ratingens weist uns ein vertikal in der Luft baumelndes Krönchen den Weg. Wir sind angekommen. Heute Abend werden wir in der Tat einen in der Crone haben. Sanft säuseln landestypische Weisen und ein wenig Euro-Trash aus den Boxen. Das Inventar ist bodenständig schlicht, Ölschinken hängen an den Wänden, eine Geige liegt malerisch auf der Vitrine. Die Küche verheißt „königliche Menüs zum bürgerlichen Preis“.

Im malerischen Gemäuer, das seinen Namen bereits seit 1613 trägt, werden ungarische Spezialitäten und ein paar internationale Klassiker wie Rumpsteak (16,90), Cordon Bleu oder Rotbarschfilet vom Rost (13,90) gebrutzelt. Doch wir sind hier, um die kulinarische Weite der Puszta und sie umgebender Regionen zu erkunden. Dazu gehören Klassiker wie das Paprikahuhn mit Nockerln und Schmand (8,90) oder auch ein Szegediner Gulasch (12,90). Letzterer wird dann auch zügig dampfend und in reichhaltiger Menge vom aufmerksamen Service gebracht. Das Fleisch in zarten Stücken liegt traditionell auf einem Bett aus saftigem Sauerkraut und wird mit Kartoffeln aufgetragen, die offenbar ein tristes Vorleben im Glas fristeten. Schade, denn sonst gab es an diesem Hauptgericht nichts zu meckern. Auch das Schweinegeschnetzelte Brassóer Art (12,90) war wie ein echtes Winteressen als üppiger Eintopf mit gewürfelten kross angebratenen Kartoffelecken und viel Paprika nebst hausgemachtem Krautsalat zum genussvollen Verzehr geeignet.

Nur noch quer passte da der süße Palatschinken mit nach Wunsch gefüllten Innereien aus Quark, Marmelade oder dem von uns georderten Vanilleeis (4,90). Schade, dass die Temperaturen eine Stippvisite auf der Terrasse mit Blick aufs direkt gegenüberliegende Minoritenkloster noch nicht zuließen.

Regina Matthes

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