Wir sind Halden

| Stadt Herten/Pressestelle

Wer keine Berge hat, der macht sich welche: Im Revier und drum herum findet man diverse Relikte aus dem Steinkohlebergbau. Nicht nur Kunstobjekte und tolle Aussicht locken auf die Halden, auch Outdoor-Freaks finden hier wahre Höhe-Punkte.

Die Halden Hoppenbruch und Hoheward zwischen Herten und Recklinghausen bilden die größte Haldenlandschaft im Revier. Während erstere durch das Horizontobservatorium und die Sonnenuhr mit Obelisk als Wahrzeichen der Region dient und ab und an auch schon mal ein Gleitschirmflieger hier seine Runden zieht, hat sich die direkt angrenzende Halde Hoppenbruch zum Mekka für Mountainbiker aus der ganzen Region entwickelt. Vor drei Jahren wurde hier der „Vest Cup“ ausgetragen, denn das Terrain bietet selbst für Profis eine anspruchsvolle Cross Country und Freeride Rundstrecke: 3,5 Kilometer auf 130 Höhenmetern gilt es hier zu handlen. Übrigens, eine Truppe abgefahrener Biker trifft sich hier jeden Mittwoch um 18 Uhr am Windrad. Laut deren Website sind neue Mitfahrer gerne willkommen, wenn sie denn keine rasierten Beine haben … 

haldenbiker.de

Auch wenn Harald Schmidt einmal meinte, Nordic Walking sei nur „was für postklimakterische Besserverdienergattinnen“, die Stöckel-Fraktion ist immer mehr im Anmarsch. Kein Wunder, denn Walken bietet auch eingerosteten Schreibtischtätern einen Adrenalin-Kick, und die alte Ausrede aller Knie-Geschädigten („Sport? Darfichnich!“) gilt hier schon mal gar nicht. Ein ideales Laufgebiet ist der neue Walking Park auf der Halde Kissinger Höhe, einer Abraumhalde des Bergwerks Ost in Hamm-Herringen: 17 Kilometer vorbildlich ausgeschilderte Rundwege mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad (Steigung: 4 % bis 16 %) erfreuen die Anfänger unter den Armschwingern ebenso wie trainierte Laufprofis. Wer erst die richtige Technik erlernen will, schließt sich einem „Basic Instructor“ an, der jeden Montag um 18 Uhr die Laufkundschaft über’n Berg führt (Treffpunkt: Parkplatz Zechenweg). Obacht: Hunde sind hier anzuleinen, und Radler müssen sogar ganz „draußen bleiben“. Ein Faltblatt zum Download gibt’s auf 

hamm.de

Auch am ansonsten recht platten Niederrhein erheben sich ungeahnte Sportmöglichkeiten: Die Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn, gut sichtbar bereits auf der A57 auf der Höhe des Kreuzes Kamp-Lintfort, ist der Trainingsort der Fliegerfreunde Niederrhein. Auf der Kuppe der ehemaligen Bergehalde des Bergwerks Niederberg starten die Gleitschirmflieger und landen auf einer 150 x 150 m großen Fläche am Fuß der Halde. Die Flieger können hier nicht nur den Berg- und Rückwärtsstart und das Handling des Schirms am Boden praktizieren, sondern finden auch ideale Bedingungen für das Soaren, sprich sie fliegen im Aufwindband am Hang hin und her. Beliebt ist die 102 Meter hohe Halde auch bei Modellfliegern, Drachenfliegern, Reitern, Nordic-Walking- und Wanderfreunden, die hier 13 Kilometer Wegstrecke vorfinden. Und auch wer nur einen schnöden Spaziergang vorhat, kann hier was erleben: Auf 359 des Abends illuminierten Stufen gelangt man die „Himmelstreppe“ hinauf, wobei der Weg nach dem ersten Treppenteil über einen Steg durch einen Schilfgürtel führt. Oben erwartet einen das Hallenhaus, Landmarke aus Stahl und Symbol für Strukturwandel an Rhein und Ruhr – und natürlich ein super Panoramablick auf den Niederrhein und das benachbarte Ruhrgebiet. 

fliegerfreunde-ruhrgebiet.de

Im Bergischen Land liegt nix auf Halde. Dafür haben die Kytesurfer und Drachenflieger mit dem ehemaligen Truppenübungsplatz Scharpennacken im Norden von Ronsdorf ein ideales Areal gefunden. Für Mathias Meyer, der mit „Aufwind“ in Wuppertal einen der größten Drachenläden im Umland betreibt, ist die größte Wiese im Bergischen die Top-Location für den Sport: „Wenn es Wind gibt, dann da oben. Schließlich ist das hier einer der höchsten Punkte. Außerdem ist es hier landschaftlich auch total schön.“ Auch in Verbindung mit Mountainboards sieht man die Drachen-Fans hier über die unbebauten Weiten gleiten, ab und an sichtet man auch die dreirädrigen Buggys, obwohl, wie Meyer weiß, „es dafür hier eigentlich zu hügelig ist“. Bei gutem Wetter tummeln sich hier 30 bis 40 Drachen, und auch für Modellflieger ist das Waldstück ein beliebter Treff. Damit Sport und Naturschutz in diesem Landschaftsschutzgebiet sich nicht in die Quere kommen, hat sich übrigens das Projekt „Wuppertaler Naturerbe Scharpennacken“ gegründet und bietet auf seiner Website viele Infos zur Region:

scharpennacken.de

aufwind-wuppertal.de

Übrigens, schon mal zum Vormerken: Auch die Wuppertaler Mountainbiker können sich demnächst ganz legal austoben, wenn die MTB-Strecke Kothener Busch Ende des Jahres eröffnet wird. Momentan rollen hier noch die Bagger, aber schon bald sollen die Wuppertaler Offroader vom Buschland (nähe Polizeisportplatz Lichtscheid) circa 1,3 Kilometer bis zum Springer Bach durch den Wald bergab donnern und dabei verschiedene Sprünge und Anliegerkurven in Angriff nehmen können – und das ohne Angst vor Kollisionen und Diskussionen mit aufgebrachten Spaziergängern oder gar Polizeistreifen.

waka

Buchtipp

Wolfgang Berke: Über alle Berge. Der definitive Haldenführer Ruhrgebiet (Klartext Verlag, 160 S., 13,95)

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