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Die Eröffnung der Dorfstube schlug ein wie eine Bombe: Tout Düsseldorf pilgerte Anfang des Jahres ins Linksrheinische. Mit drei Wochen Vorlauf gelang uns eine Reservierung. Warum? Christian Bareiss heißt das Zugpferd, Spross der berühmten Gastronomenfamilie aus Baiersbronn, der den Schwarzwald an den Rhein geholt hat.
Damit hat er den „Oberkasseler Hof“ zwar nach neun Jahren Leerstand vor dem endgültigen Verfall gerettet, von dem wunderschönen Altbau blieb allerdings nur die Fassade erhalten: Boden, Wände, Decken, Tische, Stühle – überall Holz, verteilt auf diverse Stüberl, die bis auf den letzten Zentimeter dekoriert sind mit Uhren, Kacheln und badischem Zierrat. Publikum? Ein Mittvierziger senkt den Altersdurchschnitt dramatisch. Das Personal ist zahlreich, sagt „Grüß Gott“, trägt Tracht und serviert zu Quark, Schmalz und Radieschen daumendicke Scheiben vom „Dorfstuben-Brot“. Auf der Speisekarte stehen Spezialitäten wie Vesperplatte, Wurstsalat, Maultaschen oder Zwiebelrostbraten. Schön würzig schmeckt die cremige Kartoffelsuppe mit Speck und Schwarzwälder Schinken, ist aber mit 7,50 Euro fürs Tässchen stolz bepreist.
Generell gilt: Günstig ist anders (auch die Weinkurse sind nicht von Pappe), was erklären mag, dass die „Älbler Leise“ häufig geordert werden, sind sie mit 13,60 Euro doch das mit Abstand preiswerteste Hauptgericht. Dieses ist nichts anderes als ein Linseneintopf mit Bockwürstchen und handgeschabten, buttertriefenden Spätzle im Extraschälchen. Das Hirschragout mit Preiselbeersößle und Semmelknödel (19,80 Euro) schmeckt gut, aber nicht überraschend anders: Heile Welt. So soll es sein.
Berit Kriegs
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