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Dieses Zitat ist mitnichten die Wunschäußerung eines Politikers, sondern ganz im Gegenteil von einem, der aus dem Innersten heraus spricht. Vor dreißig Jahren brachte Michael Brischke das Kabarett in Wuppertal auf Trab.
Schaut man im Internet nach „Kabarett aus Wuppertal“, verweisen die Ergebnisse auf Kabarettveranstaltungen „in“ Wuppertal. Das ist nicht das gleiche. Irgendwo dazwischen aber stolpert man über die Website des Kabarettungsdienstes – und ist quasi mittendrin, im Kabarett aus Wuppertal.
Namen und Nachrichten
Die lange, lange Liste namhafter Kabarettisten beinhaltet im Grunde keinen Wuppertaler. Setzt man ein „Schüler“ vors „Kabarett“ ist man indes direkt in bundesligistischen Dimensionen. „Schülerkabarett in dieser Form, in dem die Schüler alles selbst schreiben und erarbeiten, ist heute einmalig“, sagt einer, der es wissen muss. Michael Brischke saß schon als junger Bursche mit Hildebrandt und Hüsch am Kamin – über seinen Klassenlehrer Ernst König, der die Kettwichte in Essen-Kettwig mitbegründet hatte, kam der 1952 Geborene auf den Kabarett-Geschmack. Als junger Lehrer gründete er 1981 am Wuppertaler Gymnasium Kothen schließlich die erste Schülerkabaretttruppe: Die Kothener Putzkolonne. Ein denkwürdiges Jahr, folgten bis heute nicht weniger als 32 Programme plus Gastspielvarianten und Jubiläumsprogramme. Fast alle Plakate hängen im Original und gerahmt im Haus der Brischkes. Zeitdokumente der besonderen Art.
Gesunde Grundlagen
Vielen Themen begegneten die Schüler im Laufe der Jahrzehnte. Vieles knöpften sie sich vor, meist auf erstaunlich hohem Niveau. „Wir haben mit bewährten Methoden gearbeitet“, sagt Michael Brischke, der auch Kollegen schult. „Es gibt ein klar strukturiertes Schema zur Erstellung von Kabarettnummern.“ Das ist sicher auch insofern hilfreich, als dass die Schüler das Programm ja neben den schulischen Anforderungen stemmen und jedes Jahr von Februar bis zum Sommer ein Programm entsteht. „Kabarett ist verderbliche Ware“, weiß Michael Brischke, der zwölf Jahre am Gymnasium Kothen und seitdem am Johannes-Rau-Gymnasium mit den Schülern arbeitet – dort entstand auch der Kabarettungsdienst. Schnell sind Themen aus Politik und Gesellschaft Schnee von gestern, manchmal, wenn man einen richtig guten Riecher hat, ist man der Zeit aber sogar voraus. „Wenn man souverän etwas unterstellt und das bestätigt sich in der Folge, hat man natürlich einen Volltreffer gelandet.“
Heikle Themen
Nachhaltige Eindrücke sammelte die Truppe um den Religions- und Sportlehrer Brischke zum Beispiel in den Zeiten der deutschen Wiedervereinigung. Gerade auch bei den Gastspielen in Ostdeutschland. „Wir hatten ja keine Ahnung, wie wir in den neuen Bundesländern ankommen würden. Unsere Befürchtung, dass man uns arrogant finden könnte, war zum Glück unbegründet. Im Gegenteil haben sich viele nach der Aufführung sogar persönlich bedankt.“ Aber auch Erfahrungen wie in Schwerin, als vor der Tür Neonazis warteten, machten die jugendlichen Kabarettisten, die in der Regel zwischen 15 und 18 Jahren alt sind. „Selten war man so nah an politischem Geschehen.“ Eindringliche Momente lieferte auch die Nummer „Hinterm 7. Berg“, eine anhand des Märchens „Schneewittchen“ erzählte Nummer zum Thema Fremdenhass und Rechtsextremismus – auf die Bühne gebracht nach dem Brandanschlag in Solingen, bei dem fünf Menschen türkischer Herkunft starben.
Rück- und Vorschauen
Das immer wieder Faszinierende an seiner Arbeit sei, dass immer neue Jugendliche immer neue Blicke auf die Dinge haben, so der Kabarett-Liebhaber, der Selbstschreiber wie Volker Pispers und Dieter Nuhr zu schätzen weiß. „Jugendliche sind zwar heute anders, aber sie sind nicht automatisch unpolitisch“, resümiert Michael Brischke, der in 30 Jahren Schülerkabarett viele kommen und gehen sah. Ein Ehemaligentreffen in Kombination mit einem Kabarett-Festival wird es im Juni zum Dreßigjährigen im Barmer Haus der Jugend geben. Und neue Programme der verschiedenen Schülerkabaretttruppen Wuppertals sind ab Herbst so sicher wie die Vorlagen aus Politik und Gesellschaft.
Jörg Degenkolb
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