Es geht um Solidarität - Spendenabend für Japan

Die Düsseldorfer Fotografen Katja Stuke und Oliver Sieber haben einen engen Bezug zu Japan. 2006 lebten sie im Rahmen eines Stipendiums für drei Monate in Osaka, arbeiteten und stellten vor Ort aus. Seitdem sind sie häufiger in dem ostasiatischen Land, beschäftigen sich mit der Kultur des Landes und pflegen Freundschaften. Um den durch Erdbeben und Tsunami betroffenen Menschen zu helfen, hat das Fotografen-Doppel nun einen „Japan-Spenden-Abend“ organisiert. Dieser findet am 29.3. im Jacobihaus des Düsseldorfer Malkastens statt. Dort werden Werke von rund 100 teilweise namhaften Künstlern verlost. Der Clou: Jedes Los gewinnt. coolibri sprach mit der Mitinitiatorin Katja Stuke.


Wann und wie wurde die Idee zum Japan-Spenden-Abend im Malkasten geboren?


Eigentlich sofort, als die Nachricht kam. Und erst recht, als wir erfuhren, dass Lieko Shiga betroffen ist. Wir hatten es irgendwie befürchtet, da wir ja ungefähr wussten, wo sie lebt... Und dann hat Michiko Shida hier aus Düsseldorf bei facebook gepostet, dass sie auch etwas veranstalten möchte und wir haben uns direkt getroffen.

Lieko Shiga ist eine junge japanische Fotokünstlerin, die im Mai bei der von euch kuratierten Ausstellung „Antifoto“ im Düsseldorfer Kunstraum vertreten sein wird. Hattet ihr nach dem Unglück bereits Kontakt mit ihr? Wie ist ihre momentane Situation?


Wir haben telefoniert, im Moment kann man ja vom Telekom-Festnetz aus kostenlos nach Japan telefonieren. Lieko klang gefasst, sagte aber, dass es immer noch wie in einem bösen Traum wäre. Sie haben schon angefangen, ihr Dorf aufzuräumen, wiederaufzubauen. Es liegt in der Nähe des Flughafens von Sendai und ist total zerstört. 60 Menschen sind gestorben, 35 werden noch vermisst. Im Hintergrund hörte man während des Telefonats auch Leute rufen, es klang ziemlich geschäftig. Liekos ganzes Studio ist zerstört und auch einige Arbeiten sind unwiederbringlich verloren. Sie hat aber dennoch zugesagt, dass sie im Mai nach Düsseldorf kommen will.

Zurück zu der von euch organisierten Aktion im Malkasten. Wie ist der Rücklauf von Künstler-Seite? Wie viele Künstler werden sich beteiligen?


Wir haben mittlerweile über 100 Zusagen. Das ging unglaublich schnell, da Künstler, die wir gefragt haben, die Mail direkt weiterleiteten und so weiter. Dabei sind deutsche und japanische Künstler aber auch viele andere internationale Künstler hier aus Düsseldorf und Köln. Mit dabei sind unter anderem Frank Bauer, Ulrike Brückner, Suse Wiegand, Maki Umehara, Elmar Hermann, Mischa Kuball, Kao Okada, Ulrike Heidenreich und Kiyo Matsumoto, Sven Vieweg, Laas Abendroth, Petra Warrass, Kathrin Ahlt, Judith Samen, Makus Karstieß, Jun-ho Park, Kate Waters, Hüseyin Karakaya, Birgit Jensen, Stefan Löffelhardt, Tobias Hantmann, Shigeru Takato, Josef Schulz, Nina Poppe, Frederik Lezmi, Boris Becker – und Oliver und ich natürlich auch.

Können sich noch Künstler bei euch melden?


Das lässt sich momentan schwer einschätzen. Wir haben eigentlich schon so viele Arbeiten, haben aber auch schon viele Vorbestellungen für Lose. Natürlich soll jeder, der möchte, mitmachen können. Letztlich geht es hier auch um Solidarität.

Was für Arbeiten sind im Verlosungstopf?


Wir haben Fotografien, Siebdrucke, kleine Zeichnungen, aber auch kleine Objekte. An dem Abend, an dem normalerweise Max Hoffs, der uns auch unterstützt, die „JBs Bar“ im Jacobihaus des Malkasten betreibt, wird es dann neben der Kunst auch noch Getränke und einige japanische Speisen geben, die wir gespendet bekommen.

Was passiert mit dem Geld, das an dem Abend zusammen kommt?


Wir hatten hin und her überlegt und haben jetzt über eine befreundete Kuratorin in Tokyo von einer Initiative gehört, die ausdrücklich für kulturelle Projekte Spenden sammelt. Sie schreiben "We decided to collect contributions for the purpose of the revival of cultural institutions, the dispatching of artists, the conducting of workshops for the children who suffered, the opening of theatre plays, dances, and performances in the stricken areas." Die dazugehörige Website www.japanartdonation.org soll im Laufe der Woche online gehen, dann kann man sich dort genauer informieren.

Euer Aufenthalt in Japan liegt mittlerweile fünf Jahre zurück. Wie ist euer Bezug zu Land und Leuten heute?


Wir sind immer wieder gerne in Osaka, weil wir dort einige Freunde haben, es aber einfach auch eine tolle Stadt ist, mit einer tollen Subkultur/Musikszene, kleinen Hotels und Läden, interessanten Projekten und Künstlergruppen. Die Mischung zwischen Moderne und Tradition sowohl in der Kultur als auch im alltäglichen Leben interessiert uns. Jedes Mal sehen wir etwas Neues, jedes Mal ist es doch wieder anders, jedes Mal lernen wir auch wieder neue Aspekte kennen... Wir wollen auf jeden Fall wieder nach Japan reisen, noch mehr sehen, auch mal andere Städte und Dörfer kennenlernen. Aber auch Tokyo steht immer auf dem Programm und vielleicht bald auch das Dorf von Lieko Shiga; das Dorf und die Dorfgemeinschaft ist in ihrer Arbeit elementarer Bestandteil.

Japan-Spenden-Abend: 29.3., 19-23:30 Uhr

Jacobihaus/Malkasten, Düsseldorf

Eintritt: wahlweise 10, 20 oder 30 Euro (Sozialtarif: 2 Euro)

Lose können unter stuke.sieber@boehmkobayashi.de vorbestellt werden.


Antifoto: 20.5. bis 3.7. Kunstraum, Düsseldorf, www.antifoto.de