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Als Punk in die Wissenschaft, dann raus aus der Wissenschaft und rein ins Drehbuchschreiben, parallel noch einen erdigen Roman über seine Heimat Gladbeck geschrieben und mit der Punkband Rockwohl Degowski eine Platte veröffentlicht: René Schiering ist umtriebig und ausgesprochen facettenreich.
„Punk und Wissenschaft ist vielleicht nicht alltäglich, aber wenn ich darüber nachdenke nicht abwegig. Was macht man als Punk, wenn man nicht in Hartz4 enden will? Da sind Kultur und Wissenschaft die nahe liegenden Dinge, weil man in beiden Fällen wenig mit Autoritäten und viel mit DIY zu tun hat. Ich dachte außerdem immer, dass Studenten es geil finden, wenn die mal einen lockeren, punkigen Dozenten haben. Aber da kann man sich auch vertun.“

Neben der Wissenschaft auch mal einen knackigen Punkrocksong zu schreiben, mache dem Essener hingegen keine Schwierigkeiten. Ganz im Gegenteil: Es habe es auch etwas Befreiendes. „Für mich ist es eine Herausforderung, einen Text herunter zu brechen und es macht Spaß, mal frisch von der Leber weg zu schreiben.“ Auf ihrem Debütalbum RUHRPOTT-KÖTER liefern Rockwohl Degowski entsprechend 14 ungeschliffene Songs in bester Punkrockmanier ab. Erschienen ist die Platte auf Hulk Räckorz in Voerde quasi in Eigenregie, weil dessen Betreiber Fratz gleichzeitig die Drums bei Rockwohl Degowski schlägt. Obwohl René im Wikipedia-Beitrag zu „Ruhrdeutsch“ gleich 3x zitiert wird, ist das in den Texten der Band überhaupt kein Thema: „Das Ruhrdeutsch haben die Lokalmatadore, Eisenpimmel und die Kassierer stark besetzt. Wenn wir das auch machen würden, kommen wir schnell in deren Fahrwasser. Das wirkt dann oft wie Comedy und das möchten wir nicht.“

Renés Debütroman, in dem ein junger Mann nach Studium und Promotion zurück in seine Heimat Gladbeck kommt, heißt ebenfalls „Ruhrpott Köter“. Während er sich während seines Studiums verändert hat, ist in Gladbeck alles wie immer geblieben. Der Roman beginnt entsprechend nachdenklich, wird dann aber zu einer schwer unterhaltsamen Zechtour durch das nächtliche Gladbeck und Bottrop. Trotz einer ähnlichen Biographie von Autor und Protagonist, ist der Roman nicht autobiographisch. „Ich wollte einen Poproman machen, der in keiner hippen Scheißstadt wie Köln oder Berlin spielt. Da war ich schnell bei meiner Heimatstadt Gladbeck und bin für das halbe Jahr zum Schreiben auch dahin gezogen.“
Der Wissenschaft hat René in beruflicher Hinsicht den Rücken gekehrt. Heute arbeitet er als Storyliner fürs Fernsehen.
Philip Stratmann
Schiering, René: Ruhrpott-Köter, Henselowsky Boschmann, Bottrop 2011, 144 S., 9,90 Euro www.ruhrig.de
Rockwohl Degowski: RUHRPOTT-KÖTER (Hulk Räckorz/Edel) www.rockwohldegowski.de
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