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Die Kritik an den Betreibern der großen Proberaumkomplexe Düsseldorfs scheint dieser Tage unaufhörlich zu wachsen. Viele Bands klagen über Schimmel in völlig überteuerten Räumen – auch in der Hans Peter Zimmer Stiftung. Das einstmals als CON-SUM bekannte Fabrikgelände ist Heimat vieler Bands und möchte einen offenen Ort schaffen, einen Raum zum Leben, Austauschen und Experimentieren. Ein Kunstzentrum, dessen Künstler bisweilen äußerst unzufrieden sind.
Wolfgang Schäfer ist Vorstand der Stiftung und stellte sich den Vorwürfen im Gespräch mit coolibri-Autor Benjamin Doum.
Ganze 67 Proberäume bietet die Hans Peter Zimmer Stiftung auf dem Gelände des ehemaligen CON-SUM. Ich nehme an, dass die alle vermietet sind?!
Einige wenige sind hin und wieder frei. Aber meist nicht sehr lang. Die Räume sind also vermietet, auch wenn wir vielleicht eine gewisse Fluktuation haben.
Wie erklärt sich die?
Oft zieht man um, weil es eben recht teuer ist – auch hier bei uns. Oder weil man vom Platz her einen besseren, größeren Raum gefunden hat.
Wie teuer sind die Räume denn?
Ich denke schon, dass wir nicht billig sind. Aber die Proberäume berechnet man halt auch in einer Sondersituation. Zwischen acht und zehn Euro kostet der Quadratmeter. Doch letztendlich, wenn man einen größeren Raum mietet und fähig ist, mit einer anderen Band zu kooperieren, kann man sich durchaus einen Raum für 180 Euro zu acht Musikern leisten.
Und was bekommt ein Mieter für sein Geld?
Es sind relativ nackte Räume, die in der Größe variieren. Es geht los bei 12 Quadratmetern, wir haben aber auch Räume mit bis zu 30 oder 40 Quadratmetern. Letztendlich ist es so ähnlich wie bei einer Wohnung, man hat nur einfach kein eigenes Bad oder sonst irgendetwas. Tageslicht gibt es auch nicht. Es sind Kellerräume, manchmal sogar zwei Etagen unter der Erde, aber sie haben eine Lüftung und erfüllen den Sicherheitsstandard.
Viele Musiker klagen aber auch über Feuchtigkeit in den Räumen.
Also feucht sollten unsere Räume nicht sein. Da müsste man dann vielleicht irgendwann einmal entscheiden, einen solchen Raum aus der Vermietung zu nehmen. Oder unter der Bedingung zu vermieten, dass jemand das auch in Kauf nimmt.
Vergünstigt?
Ja, dann vielleicht auch vergünstigt. Oder man reflektiert gemeinsam was man tun kann – zumindest an Innenisolierung. Aber so ist das mit Kellern in älteren Häusern. Die Fabrik ist 110 Jahre alt. Da kann das schon mal vorkommen.
Sind denn bereits Sanierungen vorgenommen worden?
Ja, selbstverständlich. 2009 haben wir begonnen, aufgrund notwendiger Maßnahmen, die von der Bauaufsicht gestellt wurden, die Brandschutzsituation zu optimieren. Letztendlich ist es für einen Vermieter sehr schwierig diesen Richtlinien gerecht zu werden. Aber wir haben schon mindestens 350.000 Euro in diese Sanierungen fließen lassen.
Eine stolze Summe. Sind noch weitere Maßnahmen geplant?
Mir wird immer gesagt, die Sanitäranlagen seien so schlecht und auch nicht frauengerecht. Es gibt aber auch immer wieder Bands und männliche Musiker, die gerade das als ihren Punk empfinden, nicht alles sauber zu halten. Doch die Sanitäranlagen werden wir ganz sicher noch verbessern. Aber wir sind natürlich auch beschränkt. Alles kostet Aufwand und Geld.
Wie stehst du denn zu der Idee, städtische Konkurrenzräume zu schaffen, um den horrenden Mietpreisen entgegen zu wirken? Darin steckt ja auch Kritik an der Stiftung.
Im Grunde ist es doch wie im wirklichen Leben. Künstlerischer Druck entsteht aus persönlicher Not. Ob das nun in der bildenden Kunst, der Musik oder der darstellenden Kunst ist. Das heißt, wenn man Musik machen will, kann man sie irgendwie machen. Ob man sich nun als ganz junge Band, die vielleicht gerade noch im Abitur oder der Lehre ist, gleich diese 150 oder 180 Euro für einen Proberaum leisten kann, kann ich nicht beurteilen und hat sicherlich auch mit elterlichen Bedingungen zu tun. Aber letztendlich führt das dazu, dass man dafür Geld aufbringt. Wenn man nun verlangt, wie es auch beim Hearing während der „New Düsseldorf Pop“ zu hören war, dass man das alles quasi vorgesetzt bekommt, diesen Raum, ohne eigene Geldmittel aufzubringen, dann frage ich mich, ob das überhaupt das richtige Verständnis davon ist, Kunst machen zu wollen. Kunst muss man einfach machen, weil es eine innere Notwendigkeit ist.
Und wie ist das Selbstverständnis der Hans Peter Zimmer Stiftung?
Also ich möchte hier gerne einen Ort schaffen, wo die verschiedenen Künste miteinander existieren und wo man sich auch treffen kann. Es soll ein Ort des Austauschs werden.
Daher auch der „Musiker für Musiker“-Contest? Worum geht es da?
Es ist ein wichtiger Versuch, die Situation aufzureißen zwischen den Benutzern der Kellerräume und denen der oberen Stockwerke, die meist aus der bildenden Kunst stammen. Wir möchten sie zusammenführen. Es soll zunächst einmal aber dazu dienen, dass eine Kommunikation unter den Musikern entstehen kann. Wir hatten das zuvor auch schon bei einem gemeinsamen Grillen versucht, sodass die Leute aus ihren Räumen mal rauskommen und sich kennenlernen können. Es ist aber schon auch eine Wettbewerbssituation, denn der Gewinner dieses Abends erhält ein Mietpreissponsoring für ein halbes Jahr.
Und wie ist das angenommen worden?
Leider sind nur 15 Bewerbungen für den Contest eingegangen. Das war schon überraschend. Aber wir haben hier halt auch viele ältere Musiker und Coverbands, die das ganze eher aus Spaß und weniger mit professionellen Ambitionen betreiben. Andere wiederum waren einfach der Meinung, sie seien noch nicht soweit oder sie konnten terminlich nicht. Einer war bereits ausgezogen (lacht).
Wird es kleine Förderungen dieser Art auch in Zukunft geben?
Ja, wir werden im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder so einen Contest machen.
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