Proberäume – Stabil Elite im Interview

Es ist das Jahr von Stabil Elite. Ihre „Gold“-EP erntete Kritikerlob von allen Seiten, der Titeltrack war offizielle Hymne der diesjährigen c/o pop und ihr „Sound of Young Düsseldorf“ macht sie nicht nur zum musikalischen Aushängeschild der Landeshauptstadt, sondern auch zum Träger des diesjährigen Förderpreises.

coolibri-Autor Benjamin Doum traf mit Lucas Croon und Martin Sonnensberger zwei Drittel der Band im Keller des Familienrestaurants der Croons. Dort proben sie, dort nehmen sie auf. Ideal also für ein Gespräch über die heiß diskutierte Proberaumsituation Düsseldorfs.

Hier probt ihr also?

LC: Eigentlich ist das bei uns so, dass wir gar nicht proben. Wir können das einfach alles schon (lacht). Nein, uns geht es mehr darum, dass wir eine Räumlichkeit haben, um Sachen aufzunehmen und zu produzieren. Wir brauchen keinen Raum, in dem wir mit Schlagzeug zwei, drei Stunden üben, sondern arbeiten halt ein bisschen anders.

Dann ist dies also euer Studio?

LC: Ja. Früher waren wir aber auch im Schlachthof.

MS: Unsere ersten zwei Proberäume hatten wir dort.

LC: Genau. Aber dort ist es wahnsinnig teuer, gammelig und schimmelig.

Live tretet ihr doch aber mit Drummer auf. Irgendwie müsst ihr ja dann doch mal zusammen proben.

LC: Wir nutzen Skype und proben dann über Internet Meeting.

Jetzt laber mal nicht!

LC: (lacht)

MS: Naja, wir können hier ja durchaus proben. Dann schieben wir das Equipment beiseite und schaffen ein wenig Platz. Meist haben wir die Drums vorher programmiert oder haben zumindest eine Vorstellung davon, wie sie sein sollen und erarbeiten uns das dann zusammen mit dem Schlagzeuger, sodass er es später live umsetzen kann.

Seit wann seid ihr denn in privaten Räumen?

MS: Schon fast zwei Jahre, oder?

LC: Nein, etwas über ein Jahr. Ich höre mich aber trotzdem immer nach größeren Räumen um, weil es hier schon eng werden kann.

Und dafür würdet ihr auch in Kauf nehmen, erneut Miete zu zahlen?

LC: Wenn es sich lohnt und das ein toller Raum ist, auf jeden Fall. Wir haben hier zwar auch ein bisschen Tageslicht, wie du siehst…

MS: Das hatten wir früher nicht.

Ich habe noch keine Band mit diesem Luxus getroffen.

LC: Aber wir hätten gern etwas mit Skyline. (Beide lachen) Nein Quatsch. Etwas größer mit frischer Luft wäre aber schön.

MS: Und mit Platz für das Schlagzeug.

LC: Am liebsten auch mit Gesangskabine und Aufnahmeraum natürlich. Aber so etwas ergibt sich hoffentlich nach und nach. Das hier ist ja auch eine Steigerung zu dem, was wir vorher hatten. Eine kontinuierliche Steigerung wäre wirklich schön. Wir wollen jedenfalls nie zurück in so ein…

Schimmelding?

LC: Ja, und in so ein Haus mit zig anderen Bands.

Habt ihr euren Raum je mit einer anderen Band teilen müssen?

LC: Das nicht, aber wir hatten Nachbarn und unser Raum nur Rigipswände. Die waren zwar doppelt, aber du hast sie dennoch gehört. So lassen sich vor allem mit dem Mikro keine Aufnahmen machen. Außerdem kam durch den Stromkreislauf, wie auch immer, Sound der anderen aus unseren Boxen.

MS: Das war eine Zigeunerband, die manchmal mit bis zu 20 Leuten da war. Manchmal haben die sogar betrunken in den Flur gepisst. Dennoch hatten wir eigentlich immer ziemliches Glück auch. Der Raum war zwar schlecht, aber viele andere müssen sich ihren teilen oder haben gar keinen.

Es ist lustig, dass du das sagst. Jede Band, mit der ich sprach, sagte mir: „Naja, wir hatten halt Glück.“

MS: Wobei Glück dann schon relativ ist. Wir hatten halt auch ganz viele Mäuse, die in unserem Moog, also dem Synthesizer, gewohnt haben.

Das klingt zwar witzig, aber das Teil ist sauteuer, nicht wahr?!

MS: Ja, und es war voller Mäusekacke. Überall war Mäusekacke.

LC: Und der Raum war ein Drittel kleiner als dieser und hat trotzdem 220 Euro im Monat gekostet – und das ohne vernünftige Sanitäranlagen.

Es gab gar kein Klo?

MS: Doch schon, im Schlachthof selbst.

LC: Aber da willst du echt kein Geschäft machen. Das ist einfach zu eklig.

Aber euer jetziger Raum existiert doch schon lange. Wieso kamt ihr so spät auf die Idee, euch hier einzunisten?

LC: Mein Vater hat es uns irgendwann angeboten. Das Restaurant war früher mal eine Backstube und in diesem Raum standen die ganzen Öfen. Danach diente er über 30 oder 40 Jahre lang als Lager. Wir haben dann alles ausgeräumt und einen Teppich verlegt.

MS: Einen Resteteppich.

LC: Genau. Und schon war dieser Raum besser als der im Schlachthof.

Und der Lautstärkepegel? Ihr seid ja schließlich mit Fenster direkt unter dem Restaurant.

LC: Das geht eigentlich. Klar, wenn wir nach 19 Uhr hier noch Schlagzeug spielen, hören die das schon da oben. Aber eine Beschwerde ist selten. Im letzten halben Jahr hatten wir allerdings viele Nachtschichten bis vier, fünf oder auch sechs Uhr morgens und über dem Restaurant wohnt ein Polizist. Mit dem verstehe ich mich glücklicherweise ganz gut und der erzählt dann, dass er sich Ohropax in die Ohren stopft.

MS: Statt sich zu beschweren, stopft der sich lieber die Ohren zu.

LC: Der denkt sich halt, dass wir noch arbeiten müssen. Das ist echt klasse, weil er auch anders reagieren könnte. Ich glaube, wenn da jemand anderes wohnen würde, wäre das vielleicht auch anders.

Ich möchte euch übrigens zum verdienten Gewinn des Förderpreises der Stadt gratulieren. Nun musstet ihr euch dafür ja nicht aktiv einer Konkurrenz stellen, aber wie steht ihr denn zu Band Contests generell?

LC: Wir machen grundsätzlich keine Contests.

Habt ihr auch nie getan, oder?

LC: Nein. Das steht uns einfach nicht.

MS: Es war einfach nie in unseren Köpfen, dieses ‚Juhu wir sind eine Band und freuen uns. Wir schlagen sie alle!’ (parodiert die üblichen Jubelgesten)

LC: Das stand einfach nie zur Debatte. Das kommt überhaupt nicht in Frage.

Der Grund, warum ich danach frage, ist die sogenannte „Bandprofessionalisierung“, die sicherlich auch mit Wink in Richtung Stadt entwickelt wurde. Zum einen als Beweis, dass, wenn man einer Band nur richtig unter die Arme greift, sie es auch über die Grenzen der Stadt hinaus schaffen kann. Zum anderen, um Düsseldorf auch für Produzenten, Labels und Agenturen attraktiver zu machen.

LC: Mag sein, ja.

Ihr habt es geschafft, seid aber unter dem Slogan „Sound of Young Düsseldorf“ beim Berliner Label Italic Records gelandet. Einfach weil es Düsseldorf an Ähnlichem fehlt oder weil die Heimatverbundenheit gar nicht so weit reicht?

LC: Wir sind da ganz offen und schauen, wer das beste Angebot macht. Es ist nicht so, dass wir um jeden Preis unsere Wurzeln in Düsseldorf schlagen wollen. Aber, dass wir aus Düsseldorf kommen, ist ja in Ordnung. Wenn man die Tradition der Stadt betrachtet, ist unser Sound ja auch durchaus repräsentativ.

MS: Und es ist ja nun einmal unser momentaner Standort.

LC: Man muss dazu sagen, dass dieses „Sound of Young Düsseldorf“ nicht von uns kam, sondern eine Marketingidee des Labels war. Das ist aber okay für uns, wir kokettieren gerne damit.

Zum Beispiel beim altstadtherbst kulturfestival?

LC: Ach stimmt, du hast die Kritik geschrieben, nicht wahr?! Das war wirklich schön, mal eine zu lesen von jemandem, der auch wirklich da war. (lacht)

Wir schweifen zwar etwas vom eigentlichen Thema ab, aber wie weit seid ihr denn mit den Albumaufnahmen?

LC: Wie sind fertig.

Steht ein Release-Termin?

LC: Das Album erscheint erst im März.

MS: Echt?

LC: Es wird erst Anfang November gemischt und gemastert in Berlin. Und drei Monate Vorlaufzeit braucht das Label halt, aber dann kommt es im März raus. Wir freuen uns total darauf. Das letzte halbe Jahr war echt arbeitsintensiv.

Und die „Gold“-EP ist schon so lange draußen und hochgelobt. Da steigt doch sicherlich auch der Druck?

LC: Ja, es muss jetzt einfach was nachkommen und wir wollen auch neue Sachen machen. Diese Last ist nun weg und wir können Neues ausprobieren. Das ist total toll.

Dann genießt es. Danke für eure Zeit und viel Erfolg weiterhin.

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