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Miguel Passarge ist verantwortlich für die musikalische Programmgestaltung des Düsseldorfer Kulturzentrums zakk und macht außerdem mit der Band Red Desert auch selber Musik. Passarge hat somit auf zweierlei Art mit der momentan vieldiskutierten Proberaumsituation Düsseldorfs zu tun und wünscht sich noch weit mehr für die Musikszene der Landeshauptstadt als die Sanierung bestehender und Schaffung neuer Räume. coolibri-Autor Benjamin Doum hakte nach.
Erkläre doch bitte kurz deine Position in dieser ganzen Proberaumdiskussion?
In bin in diesem Themenkomplex im Grunde zwei Personen. Auf der einen Seite bin ich selbst Musiker. Auf der anderen Seite wird das zakk von der Stadt gefördert und wir sind eine Art strategischer Partner. Ich sehe mich auch als Vermittler. So haben wir im Auftrag der Stadt eine Proberaumumfrage gestartet, an der sich ungefähr 70 Bands beteiligt hatten. Das war vor zwei Jahren. Und mit der Motivation, Amt und Musiker zusammenzubringen, ist ja auch das Hearing bei der „New Düsseldorf Pop“ entstanden.
Wie ist denn die Stimmung seit dem Hearing und was ist seither geschehen?
Mein Wissensstand ist der, dass beschlossen wurde, eine bestimmte Anzahl an Proberäumen im Werstener Bunker renovieren zu lassen. Die Räume sind bereits da, aber im jetzigen Zustand noch nicht zu vermieten. Die Anzahl der Räume habe ich aber leider nicht im Kopf.
Ist der Werstener Bunker denn eine annehmbare Lösung oder sollte noch mehr geschehen?
Ich habe überhaupt erst im aktiven Austausch mit dem Kulturamt von diesem Werstener Bunker erfahren. Ich wusste von dem schlichtweg nichts. Es gibt keine Ausschreibung und es gibt keine Informationen dazu auf der Internetseite der Stadt Düsseldorf. Den gibt es nicht im Internet. Ich habe ihn zumindest nicht gefunden. Und das ist im Bereich der bildenden Kunst zum Beispiel ganz anders. Aber inzwischen, das muss man sagen, ist tatsächlich etwas geschehen. Das Kulturamt hat eine Proberaumrecherche in Auftrag gegeben, die nun das zakk und die Open Source GmbH in die Hand nehmen werden. Es soll möglichst detailliert der Ist-Zustand der Proberäume in Düsseldorf recherchiert werden. Der Musikszene werden die Ergebnisse dann in einer Art Leitfaden mitgeteilt, wo Räume existieren und in welchem Zustand diese sind, inklusive Ansprechpartner und Vermieteradressen. Der Aufbau einer Website mit weiteren Details inklusive Fotos der Räume und einem „Proberaummelder“ über zu vermietende Räumlichkeiten wird als weiterer Schritt ins Auge gefasst.
Wie sind denn deine persönlichen Erfahrungen mit den Proberäumen der Stadt?
Ich habe mir einige Proberäume in Düsseldorf angeschaut und da ist nichts dabei gewesen, wo ich als Musiker spielen möchte. Das will man einfach nicht zwei Etagen unter der Erde bei Schimmel und Modergeruch machen. Daher probe ich jetzt mit der Band in Krefeld und allein für mich in privaten Räumen. In letzteren natürlich nur akustisch. Wir zahlen in Krefeld 130 Euro inklusive Nebenkosten für einen tollen, großen und hellen Raum mit zwei Fenstern und sogar einem Waschbecken. Und dazu befindet er sich zentral in Bahnhofsnähe. Es sind ungefähr 25 Quadratmeter, so dass man locker als Band dort proben kann. Wir müssen uns den auch nicht teilen, weil wir uns das glücklicherweise leisten können. Das ist ein Niveau, für das man in Düsseldorf das Dreifache zahlen müsste. Abgesehen davon müsste man so einen Raum hier erst einmal finden. Man muss sich aber nichts vormachen, wir leben halt in der Landeshauptstadt und hier sind die Mieten teurer.
Obwohl die Räumlichkeiten deutlich schlechter sind…
Einige Räume sind wirklich unter der Menschenwürde. Einen bildenden Künstler würdest du in einen solchen Raum jedenfalls nicht schicken. Ich habe einen Proberaumbetreiber gefragt, ob er denn auch etwas Netteres mit einem Fenster hätte. Da wurde ich ausgelacht. Auf diesem Gelände damals gab es auch Künstlerateliers, die natürlich weitaus schöner waren mit Blick auf die Stadt. Doch ich wurde ausgelacht, so nach dem Motto: Du Musiker gehst mal schön in den Keller.
Komm wieder, wenn du malen kannst?!
So ungefähr. Es ist natürlich falsch, über einen Kamm zu scheren, doch ich bin zum Beispiel jemand, der nicht mehr in einem Bunker proben wird. Das mache ich einfach nicht mehr. Das Equipment geht kaputt in feuchten Räumen. Und in Proberaumkomplexen unter der Erde, im Dunkeln, da wird natürlich auch viel schneller mal eine Tür aufgebrochen. Ich bekomme immer wieder Mails, in denen es heißt, der Proberaum sei aufgebrochen worden und die Leute fragen: ‚Wer hat unser Equipment gesehen?’ (lacht). Die Sicherheit ist selbstverständlich auch ein wichtiges Thema. So ein Proberaum hat verschiedene Aspekte: Feuchtigkeit, Schimmel, Sicherheit, mit wie vielen muss man ihn teilen, um sich den leisten zu können, etc. Aber als jemand, der so ein wenig die Vogelperspektive einnimmt, will ich mich persönlich gar nicht allzu sehr an der Proberaumsituation aufreiben. Es gibt noch viel Wichtigeres für Düsseldorfs Musikszene.
Was meinst du?
Die Lösung der Proberaumsituation gehört zu den kleinen Dingen, die Musiker sofort spüren. Natürlich ist das toll, wenn eine Band einen schönen und bezahlbaren Proberaum und ein paar Gigs hat. Aber selbst die Bands, die ich in den letzten zehn Jahren erlebt habe, die Proberäume und sogar sehr viele Gigs hatten, haben es nicht geschafft über die Stadtgrenzen hinaus nennenswerte Erfolge zu feiern. Wenn du den schönsten Proberaum hast, die schönsten Songs und viele Gigs, hast du es als Band aus der Landeshauptstadt trotzdem sehr schwer, weil das professionelle Umfeld nicht vorhanden ist.
Mit den Proberäumen endet der Handlungsbedarf also noch lange nicht?
Der Proberaum ist ein ganz wichtiger Mosaikstein des ganzen, was du dir als Musiker bastelst. Denn ohne Proberaum kannst du natürlich nicht loslegen. Aber ich erlebe immer wieder, dass die Musiker letztendlich doch alle einen finden. Mehr schlecht als recht zwar, doch man schlängelt sich so durch. Ob nun im klassischen Proberaumkomplex, im Gemeindezentrum oder im Keller von Oma. Ob man nun zufrieden ist, ist eine andere Frage, aber man kommt an einen Raum. Das ist zumindest meine Erfahrung. Es ist tatsächlich eher das Problem, was danach kommt. Wir hatten in den letzten Jahren immer wieder hoffnungsvolle und ambitionierte Musiker und Bands, die es dennoch nicht geschafft haben, über die Stadtgrenze hinaus bekannter zu werden. Bei dem Talent, das ich in den letzten Jahren gesehen hab, ist das eigentlich ein unhaltbarer Zustand, dass es in Düsseldorf, im Gegensatz zu vielen anderen Städten, einfach keine Struktur gibt, um Musiker zu promoten und voranzubringen. Wir sind ja nicht Provinz, sondern Landeshauptstadt, eine große Stadt, eine reiche Stadt. Das ist für mich ein Punkt, da sollte man sich an anderen Städten wie Köln, Hamburg, Mannheim oder Berlin orientieren und das Potential erkennen – sowohl künstlerisch als auch wirtschaftlich. Popmusik kann zum Wirtschaftsfaktor werden. Die Toten Hosen, Westernhagen, Kraftwerk, das sind halt auch Wirtschaftsfaktoren.
Doch Bands wie Mouse On Mars verlassen Düsseldorf, weil sie das Umfeld als nicht geeignet erachten. Man sieht also, dass etwas nicht stimmt?
Es gibt nur noch eine Booking Agentur, SSC Concerts, die ja auch das „New Fall Festival“ veranstaltet, aber kaum Düsseldorfer Bands unter Vertrag hat. Weird World haben mich vor gut einem Jahr angerufen und gefragt, ob wir im zakk freie Büroräume hätten. Haben wir aber nicht und sie sind letztendlich nach Köln gegangen. Ich will damit nur sagen, dass das Problem nicht nur bei den Proberäumen herrscht und viele grundsätzlich Interessierte letztendlich ins Kreativzentrum nach Köln wandern, das wohlgemerkt von der Stadt subventioniert ist. Ich sehe da in Düsseldorf einfach großen Handlungsbedarf. Es geht eben auch um die Profilierung der Bands. Auch, oder gerade die, die sich durchgebissen haben, sollten gefördert werden, um den nächsten Schritt machen zu können. Aus meiner Perspektive ist das stadtpolitisch beinahe wichtiger als die totale Breite zu fördern. Aber darüber lässt sich natürlich streiten.
Sicher rührt daher auch die Idee zur „Bandprofessionalisierung“. Aber reichen die 10.000 Euro überhaupt für eine nachhaltige Förderung?
Je nachdem wie du es siehst, ist das natürlich ein kleiner oder ein großer Betrag. Aber du kannst etwas damit machen. Du kannst zumindest einen kleinen Anstoß geben. Entweder für eine Produktion oder eine Tour oder sogar beides. Es gibt im Musikbereich ja auch keine Preise von der Stange. Die eine Tour ist teurer als die nächste – aus verschiedenen Gründen. Das muss am Einzelfall festgemacht werden. CD-Produktionen natürlich genauso. Individualförderung heißt ja auch, man muss sich anschauen, an welchem Punkt die Band eigentlich steht. Hat sie vielleicht gerade schon eine CD gemacht, dann muss man natürlich nichts mehr in die Produktion stecken und kann sich auf andere Aktivitäten konzentrieren. Die Band kann auch sagen, wovon sie träumt. Wenn wir es für sinnvoll erachten, lässt es sich vielleicht auch ermöglichen. Aber es stimmt schon, der Rahmen ist begrenzt. Nichtsdestotrotz ist es ein Anfang. Mehr Geld hätte auch uns gefallen, aber du nimmst, was du bekommen kannst und schaust halt aufs Neue, was man damit machen kann.
Aber zurück zu fehlenden Strukturen. Wie stehen denn die Chancen für ein musikalisches Zentrum in Düsseldorf?
Ich habe mein Konzept abgegeben, aber letztendlich ist das ja ein größeres Projekt mit höherem finanziellem Aufwand. Wir leben in einer reichen, schuldenfreien Stadt, die so etwas machen könnte, wenn sie denn wollte. Man muss sich ja nur anschauen, wie viel Geld in welche Bereiche fließt. Für eine Arena sind viele hundert Millionen Euro kein Problem, nur die Musik ist kein Schwerpunktthema. Aber jeder, der vom Fach ist, findet so ein Zentrum natürlich sinnvoll und gut. Es würde ja auch nichts kaputt machen. Die Idee ist ja auch, die Kleinen zu sammeln. Die vorhandenen Strukturen zusammenzuführen, sodass Synergie-Effekte entstehen. Meiner Ansicht nach müssen Strukturen wachsen, um das ganze musikalische Umfeld zu professionalisieren. Und in einem zweiten Schritt profitieren die Musiker natürlich davon, dass ihnen ein Stück weit auch Arbeit abgenommen wird. In anderen Städten funktioniert es doch auch. Es gibt nur keine funktionierende Szene, ohne dass es ein Umfeld gibt. Es ist zwar nur eine These, aber meiner Ansicht nach gibt es keine Band in der Rockgeschichte, die ohne ein starkes Management bekannt wurde. Aber in Düsseldorf gibt es keine Managements, schlicht und ergreifend weil sie hier das Umfeld nicht sehen. Ein Management braucht Partner, eine Booking Agentur, ein Label und auch mal Sponsoren. Letztendlich ist das ein Problem, das nicht einfach in ein oder zwei Jahren gelöst ist. Das ist etwas Perspektivisches. Aber das würde ich der Landeshauptstadt wünschen.
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