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Die von vielen Düsseldorfer Musikern als katastrophal empfundene Proberaumsituation wirft vermehrt die Frage nach städtischen Fördermitteln auf. Kann und sollte die Stadt eingreifen? Was kann sie überhaupt tun?
Clara Deilmann ist für Bündnis 90/Die Grünen als Ratsfrau in Düsseldorf tätig. Sie ist zudem Vorsitzende des Musikbeirats und als solche sehr am Dialog zwischen Musikszene und Verwaltung interessiert. Im Gespräch mit coolibri-Autor Benjamin Doum erzählt sie von Problemen, Möglichkeiten, aber auch konkreten Plänen für die nähere Zukunft.
Ich würde gern mit dem Hearing während der „New Düsseldorf Pop“ beginnen. Vielleicht erzählst du kurz, wie es dazu kam?!
Als wir vom Beirat den Musikforderungskatalog während des ESC überreicht bekommen haben, sagten wir uns, dass man etwas machen sollte, wo man sich kennenlernen und Positionen abgleichen kann. Wo die Leute mal zu Wort kommen können. Was passt ihnen, was passt ihnen nicht? Es war schon immer ein Problem, dass Kulturverwaltung und Musikszene so wenig miteinander zu tun haben. Letztendlich sollte sich dieses Treffen dann um die Proberaumsituation drehen, weil wir dahingehend auch zuvor schon eine Umfrage gemacht hatten. Die Ergebnisse sind interpretierbar, würde ich sagen. Es sieht nicht alles top aus, das konnte man schon herauslesen, aber es haben sich leider auch viel weniger beteiligt als ich finde, dass sich hätten beteiligen sollen. Aber viele scheinen es auch einfach nicht mitbekommen zu haben. Das verdeutlicht ja das Problem, an dem man arbeiten muss, dass der Kontakt hergestellt wird. Und dieses Hearing diente dazu. Es sind ja auch sehr viele Leute dagewesen. Das fand ich super.
Es gab hitzige Diskussionen…
…und ein großes Ziel.
Aber auch Ergebnisse?
Die Veranstaltung war sinnvoll, schon allein weil man nun wusste mit wem man es zu tun hat. Ich betone ja auch immer, dass man mich durchaus ansprechen kann und das haben auch einige getan. Ein Ansprechpartner ist wichtig. Und für die Verwaltung war es wichtig zu sehen, dass unheimlich viele Leute das Thema Musik interessiert und die Proberaumsituation eine gewisse Dringlichkeit besitzt. Man hat verstanden, dass man in dem Bereich etwas tun muss. Schlussendlich ist es beinahe schade, dass es sich halt nur um Proberäume drehte, und andere Bedürfnisse gar nicht artikuliert worden sind.
Kannst du Beispiele nennen?
Die Musikszene dieser Stadt ist ja nicht schlecht und auch nicht klein, sie wird nur nicht so sichtbar. Da hätte mir schon gefallen, wenn aus dem Publikum weitere Vorschläge gekommen wären, was man in diesem Bereich noch machen könnte. Die Proberaumsituation ist für viele akut, das verstehe ich, aber es gibt durchaus noch andere Dinge, die man tun könnte, um die Musikszene weiter zu fördern. Aber auch deswegen haben wir ja vereinbart, dass wir wieder ein Hearing machen werden. Natürlich werden wir dann auch sagen, was im Bereich der Proberäume passiert ist, aber ich fände es schön, wenn man die Diskussion um andere Themen erweitern könnte.
Wie begegnet der Beirat denn dem Vorwurf der Stagnation seitens der Szene? Immerhin lassen Ergebnisse noch auf sich warten.
Wir sind sehr aktiv und haben zum Beispiel den Werstener Bunker besucht. Wir wollten ja schon lange eine Proberaumrecherche in Auftrag geben und konnten das nun auch durchsetzen. Die Frage ist, wo haben wir Räume? Unter der Maßgabe, Potentiale aufzuzeigen, gerade im Bereich städtischer Gebäude. Denn da haben wir natürlich Zugriff, dort könnte zusätzlich etwas entstehen.
Schon mal über Proberaum-Container nachgedacht? Die können sehr flexibel auf Brachflächen aufgebaut werden.
Der Vorschlag ist interessant und sicherlich auch Bestandteil der Recherche. Aber wichtiger ist zunächst, den Ist-Zustand zu erfahren. Erst dann ist abzusehen, welcher Bedarf überhaupt herrscht. Im Musikbereich hat die Verwaltung weniger Überblick als in den anderen Kunstsparten. Mir ist sehr daran gelegen das aufzuheben. Aber nochmal: Es passiert etwas. Und nach so vielen Jahren mit schlechten Proberäumen, sollte ein bisschen Geduld drin sein.
Welche Summen stehen denn zur Verfügung?
Nach den Ergebnissen der Proberaumumfrage haben wir aus dem Haushaltstopf für Atelierumbau, in den bilden Künsten wird nämlich noch gefördert, 40.000 Euro bekommen. Dieses Geld haben wir sozusagen umgewidmet, um die Proberumsituation zu verbessern. Damit finanzieren wir nicht nur eine fortlaufende Proberaumrecherche, sondern auch die konkrete Schaffung neuer Räume. Auf dem Plan steht derzeit zum Beispiel der erwähnte Werstener Bunker, ein städtischer Raum. Dort lassen sich neue Proberäume schaffen. Es sind zwar nicht die schönsten, denn Fenster fehlen auch dort. Aber sie sind gepflegt und Schimmel gibt es dort auch nicht. Zudem wohnt ein Ansprechpartner direkt nebenan. Dort wird sich gekümmert und ich finde die Atmosphäre gut. Allerdings sehe ich dort auch noch einige Probleme.
Welche wären das?
Der Bunker müsste zum Beispiel öffentlich breiter beworben werden. Oder sagen wir mal, der Zugriff müsste ein anderer werden. Da sind wir aber auch im Gespräch. Vor allem aber hat es dort riesige Probleme mit dem Umbau gegeben, aus unterschiedlichen Gründen, die man gar nicht mehr alle wiederholen oder aufklären kann. Deswegen ist es eine etwas schwierige Nummer, dort jetzt was Neues zu machen, weil teilweise erst alte Sünden aufgehoben werden müssen. So stellt sich bei der Lüftungsanlage momentan die Frage, wie man es schafft, dass sich der Schall nicht überträgt. Zudem gilt es natürlich die Kosten im Auge zu behalten. Es sind aber momentan eher kleinere Sachen, die noch geregelt werden müssen. Je nachdem wie schwierig sich die Sache mit der Lüftungsanlage gestaltet, kann es auch ganz schnell gehen, dass die Räume dort nutzbar sind.
Wie wichtig neue Räume sind, zeigt sich ja auch daran, dass sich bereits jetzt teilweise bis zu drei oder vier Bands einen Raum teilen müssen.
Ich finde es nicht schlimm, wenn sich Bands einen Proberaum teilen. Es funktioniert oft sehr gut und ist einfach preisgünstiger. Der generelle Mangel an Räumen in Düsseldorf ist natürlich für jeden, der kreativ tätig ist und nicht irrsinnig viel Geld ausgeben kann, ein riesiges Problem. Die Frage ist, wie organisiert man so etwas? Man hat ganz einfach eine Flächenkonkurrenz. Und deswegen ist das Teilen eine gute Sache.
Und wie begegnest du den Vorwürfen, man fördere zu sehr auf individueller Basis?
In den letzten Jahren ist einfach wenig außerhalb der Klassik passiert, sodass eine Förderung wie aktuell beispielsweise die „Bandprofessionalisierung“ nun natürlich viel stärker wahrgenommen wird. Wir haben im Musikbeirat immer sehr wenige Bewerbungen für Fördergelder gehabt, für das, was dem klassischen U-Musikbereich zuzuordnen ist. Das fand ich immer sehr schade. Wir haben 190.000 Euro im Musikbeirat, wovon ja schon allein 100.000 Euro für die Kirchenmusik reserviert sind und der Rest auf alle anderen Musikrichtungen fällt. Und da ist noch einmal ziemlich viel von der Klassik belegt, sodass für die U-Musik nicht mehr viel übrig bleibt. Ich finde schon, dass auch wenn das nun in Richtung Individualförderung geht, jedes zusätzliche Geld, das in diesen Bereich fließt, zunächst einmal ein Fortschritt ist. Wir haben aber auch mehr Anträge für Festivals in dieser Gegend. Und sicherlich hat das auch damit zu tun, dass man stärker in die Öffentlichkeit gegangen ist, zum Beispiel mit dem Hearing. Wir sind nun einfach präsenter. Die meisten wussten vorher halt nicht, dass es diesen Beirat gibt. In der Klassik verbreitet sich so etwas eher.
Wie kam es denn zu der Idee der „Bandprofessionalisierung“? Welches Konzept steckt dahinter?
Wir haben so etwas wie eine AG Rock/Pop gegründet und haben nicht nur über die sinnvolle Nutzung der 40.000 Euro für die Proberäume diskutiert, sondern auch gefragt, wo wir als Stadt eigentlich stehen und was wir ändern können. Es gab zwei Vorschläge. Zum einen haben wir hier eine Menge guter, junger und erfolgreicher Bands, die aufgrund einer fehlenden Musikindustrie aber nie wirklich über die Grenzen der Stadt an Bekanntheit erlangen. Das ist schade und da soll die Individualförderung in diesem Professionalisierungsprogramm eine Hilfe sein. Das Geld, das dafür zu Verfügung steht, ist zwar nicht wirklich viel, aber es wird zumindest für die Bedürfnisse der jeweiligen Band hin ausgegeben.
Und der zweite Vorschlag?
Der zweite Vorschlag war der eines Musikzentrums, wie es das in Köln ja auch bereits gibt. Also zum einen die Individualförderung, zum anderen die Strukturförderung. Ersteres ging schnell, die Gelder hatten wir ja. Letzteres gestaltet sich natürlich aufwendiger. Man findet nicht mal eben ein Grundstück und errichtet ein Haus der Musik. Aber wir haben schon einmal beschlossen, als Musikbeirat das Zentrum in Köln zu begutachten. Das müsste noch einmal angeleiert werden, damit man auch eine konkrete Vorstellung hat. Aber so etwas ist ein langfristiges Projekt, das noch weitaus mehr Geld kosten wird.
Doch man verfolgt es weiterhin?
Ja, und ich finde das super. Es muss ja auch nicht zwangsweise ein Haus der Musik sein. Man könnte auch eine Art Cluster-Bildung anstreben, indem man versucht, auf einem Gelände alles anzusiedeln, was mit Musikindustrie zu tun hat. Aber ein Haltepunkt wäre natürlich wünschenswert. Das ist ein hehres Ziel und wir müssen schauen, inwieweit es sich realisieren lässt. Bislang hatte ich nicht das Gefühl, dass Musik das liebste Thema der Fraktionen ist. Das ist eher eine Nervnummer. Aber ich werde dort auch weiterhin nerven.
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