Proberäume - Adrian Pauly im Interview

| René Omenzetter, Sarah Harnisch

Adrian Pauly hat seine Bandkollegen in einem Proberaum kennengelernt. Seither hat das Trio schon so manches erlebt und sich jüngst im elterlichen Keller des Singer/Songwriters eingenistet.

Zwei Drittel der Band, Adrian und Schlagzeuger Joey Fulgenzi, stellten sich den Fragen von coolibri-Autor Benjamin Doum und sprachen über Freud und Leid als Musiker der Landeshauptstadt und die Vorzüge des Probens im Privaten.

Geht man wirklich freiwillig in den elterlichen Keller zurück?

AP: Wenn es um Kosteneinsparung geht, ist das ganz egal. Da nimmt man beinahe alles in Kauf.

JF: Wenn man weiß, dass der Vater oben drüber wohnt, ist das doch eigentlich nur positiv. Man weiß, wer im Haus ist.

AP: Man muss dazu sagen, dass mein Vater der treibende Pol war. Er hat einfach unheimlich viel gemacht, unheimlich viel besorgt. Jede freie Stunde im Grunde hier verbracht.

Sonderlich zentral ist Lohausen als aktueller Standort ja nun aber auch nicht.

JF: Ich komme aus Bochum. Ob ich nun nach Reisholz oder hierher muss, ist vollkommen egal. Und die Anbindung zum Hauptbahnhof ist super.

AP: Besser eigentlich noch als in Reisholz. Da war das mit den Bahnen schon um kurz nach Neun echt Käse.

Zentrumsnähe ist ja auch eher nebensächlich angesichts der Zustände vieler Proberäume. Wie war denn der eures früheren Raums im Drummers Institute?

AP: An und für sich eigentlich in Ordnung. Außer, dass unser Raum hochwassergefährdet war.

Gefährdet oder geflutet?

AP: Er war tatsächlich ein paar Mal unter Wasser. Das letzte Mal kurz vorm „Open Source Festival“, auf dem auch wir spielten. Proben konnten wir in der Zeit nur mit fünf Entlüftungsgeräten und oberkörperfrei.

Entschuldige, aber das klingt scheußlich!

AP: (lacht) Ja! Aber generell bestand der Raum nur aus kalten Betonwänden. Es war alles herausgerissen. Und trotz des wiederholten Wasserschadens wollte man uns die Miete für den Monat nicht erlassen. Aber wir waren nur Untermieter und kamen da schnell wieder raus.

Was meinst du mit ‚Untermieter’?

AP: Wir teilten uns den Raum mit einer anderen Band. Unser Anteil für die 26 Quadratmeter betrug dennoch 120 Euro.

Für ein Kellerverlies?

AP: Im Grunde ja. Und es war nicht mal quadratisch, sonderlich schlauchartig und verwinkelt, was nochmals Raum wegnimmt.

JF: Außerdem hatte die andere Band auch ihr Equipment darin stehen. Viel Platz blieb uns also nicht.

AP: Sofa, Kühlschrank und PlayStation haben natürlich auch Platz eingenommen.

Ich kann mir Schlimmeres vorstellen.

AP: (lacht) Es ist schon in Ordnung. Nur wir haben halt Gas gegeben und die Jungs waren eher entspannt.

Es ärgert also, wenn man es professionell angehen möchte, aber nicht so oft proben kann wie man möchte? Ganz einfach, weil da eine weitere Band den Raum für sich beansprucht?

AP: Klar! Und das Equipment kann man im schlimmsten Fall auch nicht einfach stehen lassen.

JF: Wir haben die Instrumente halt immer wieder mitgenommen oder einfach eingepackt.

Als Solokünstler hast du sicherlich lange Zeit keinen Raum benötigt. Wann habt ihr denn angefangen als Band einen zu suchen? Und wie schwierig war es einen zu bekommen?

AP: Ich habe bei „Düsseldorf ist ARTig“ teilgenommen und darüber wurde mal ein Raum angemietet für Künstler, die ein wenig experimentieren wollen. Das war auf der Münsterstraße und wohl eher illegal, weil der Vermieter keine entsprechende Versicherung abgeschlossen hatte. Genaues weiß ich darüber allerdings nicht. Über einen Freund kam ich dort jedenfalls mit der Band in Kontakt, die einen Untermieter suchte.

Wieder mal Connections?

AP: Genau so war es. Da hatten wir echt Glück.

Glück ist die häufigste Antwort, die ich auf meine Frage nach der Suche bekomme.

AP: Und es stimmt. Als junge Band ohne die richtigen Kontakte hast du es wahnsinnig schwer einen Raum zu bekommen. Du landest meist auf irgendeiner gut gefüllten Warteliste – wenn du Glück hast. Und preiswerter werden die Räume dadurch auch nicht…

…wenn selbst ein feuchter Kellerraum schon 240 Euro kostet.

AP: So ist es. Aber das Drummers Institute hat auch Vorteile. Als eine Art „Bandhaus“ gedacht, sind Studio und Musikladen ebenso im Gebäude. Von der Idee her super, allerdings läuft die Erweiterung des Komplexes dort eher schleppend.

Die Idee eines Zentrums ist gut, es sollte aber zentral gelegen sein?

AP: Ja. Mir fällt dann immer das „Knust“ in Hamburg ein. Dort sind Agenturen, Geschäfte und Veranstaltungsräume auf einem Fleck.

…oder das Musikzentrum in Köln. Sicherlich sollte das Schaffen von Proberäumen nur ein erster Schritt sein, hin zu einem auch für Label und Agenturen attraktiveren Umfeld. Wie hast du denn das Hearing während der „New Düsseldorf Pop“ erlebt?

AP: Gar nicht. Wir haben zu dem Zeitpunkt bei einem Contest in Münster gespielt und vom Preisgeld den jetzigen Raum finanziert.

Im Grunde ist es recht einhellig als positiv empfunden worden, die Vertreter der Stadt im direkten Kontakt über den katastrophalen Zustand aufzuklären. Nun ist das Empfinden aber meist so, dass seither nichts geschehen ist.

AP: Es geht ja nicht nur um Proberäume, sondern um allgemeine Förderung. Und so viel da auch falsch läuft, muss man aber sagen, dass es oft auch an Zuspruch in der Szene fehlt. Die Resonanz auf diverse Contests bzw. Förderprogramme ist ja oftmals auch nicht wirklich groß.

Ich verstehe, was du meinst, wobei ja gerade „City Beats“ auch leicht angestaubt ist und längst nicht jeder Künstler sich einem Contest aussetzen möchte. In erster Linie geht es also doch um den Mangel an Räumen und Zustand sowie Preis der vorhandenen. Aber zumindest ihr konntet das Problem ja nun lösen. Wie geht es denn weiter? Aufnahmen? Wenn ja, wo?

AP: Im November sind wir für Probeaufnahmen im Studio. Höchstwahrscheinlich im Ruhrgebiet, in der Nähe von Duisburg.

Also nicht in Düsseldorf.

AP: Das ist noch in der Schwebe. Der Produzent kommt aber aus Düsseldorf.

Aber das legt ja nahe, dass dahingehend tatsächlich etwas fehlt in dieser Stadt.

AP: Ja, das stimmt schon. Aber, und da sind wir wieder bei Fördergeldern, einen ersten Anstoß soll ja die sogenannte „Bandprofessionalisierung“ geben. In unserem Fall war der Kontakt aber wieder einmal nur Glück. Die richtigen Menschen müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort aufeinandertreffen. Bei uns war es das Weinblütenfest in Kaiserswerth und wir waren noch nicht einmal vor Ort (lacht).

JF: Aber so läuft es halt. Es lässt sich nicht alles steuern.

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