Harry wer?

| Foto: Jürgen Spiler

Es gibt vermutlich ziemlich viele stille Helden der Kunst. Kreative, die nicht zur Rampensau taugen und weitgehend unbeachtet konsequent ihr Ding durchziehen. Ein solcher war wohl Harry Fränkel, der es zwar noch nicht mal zum Wikipedia-Eintrag gebracht hat, dessen 100. Geburtstag jedoch gleich mit zwei Ausstellungen in Dortmund gefeiert wird. Und das ist auch gut so.

Zum Einstieg ein paar Eckdaten zu Harry Fränkel: 1911 wurde er als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in der Dortmunder Nordstadt geboren. Von 1928 bis 1931 besuchte er die dortige Werkkunstschule, befand sich also in bester Gesellschaft der damaligen westfälischen Künstlerelite (z. B. Emil Schumacher). Kurz drauf verhängten die Nazis ein Berufsverbot über ihn und verdonnerten ihn zur jahrelangen Zwangsarbeit (erst nach Feierabend konnte er künstlerisch arbeiten), bis die Amis ihn 1945 aus einem Lager in Kassel retteten. Nach dem Krieg machte er da weiter, wo er zuvor aufgehört hatte: im späten Expressionismus. Bald fand er zu einer eigenen Bildsprache, die Mitte der 50er Jahre erstmals im Ostwall-Museum präsentiert wurde: vier farbige Holzschnitte mit dem Titel „Die Jahreszeiten“. Ähnlich wie für Ulrich Erben war auch für Fränkel die Abkehr vom Gegenständlichen über das Abstrakte hin zum Konkreten ein Befreiungsschlag. Ihn faszinierte die Ordnung, die jedem seiner Bilder innewohnt: „Der Kern meiner Arbeit besteht darin, für die frei gewordenen bildnerischen Mittel, Farbe und Form, einen neuen Halt zu finden.“

Im Dortmunder Raum brachte es Fränkel durchaus zu bescheidenem Ruhm, er stattet beispielsweise das Opernhaus und das Südbad mit seinen Wandmalereien aus. Bis zu seinem Tod im Jahre 1970 entstanden unzählige spannungsreiche oder auch harmonische Kompositionen und farbintensive Siebdrucke, in denen er mit optischen Phänomenen und Variationen experimentiert (auch hier grüßt Josef Albers; s. o.).

Das Ostwall-Museum zeigt auf der 5. U-Etage noch bis Ende Februar Fränkels Holz- und Linolschnitte aus der Nachkriegszeit bis zum Beginn der 60er Jahre, im Anschluss seine Siebdrucke aus den Jahren 1968/69. Parallel präsentiert Dieter Fischer in seiner Galerie im Depot bis zum 21. Januar Arbeiten des zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Künstlers.

BB

Das Drama der Farben und Formen

zum 100. Geburtstag Harry Fänkels, bis 28.2. bzw. 10.6. Museum Ostwall im Dortmunder U; Di+Mi 10–18, Do+Fr 10–20, Sa+So 11–18 Uhr; museumostwall.dortmund.de

Hundert Jahre Harry Fränkel

eine Gedächtnisausstellung; bis 21.1. Galerie Dieter Fischer im Depot, Immermannstr. 29, Dortmund; Do 15–18 Uhr u. n. V. (0231-121769); galerie-dieter-fischer.de

Alle Termin Details findest du auf der Kalenderdetailseite
Laufzeit: 27.11.2011 - 10.06.2012
 

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