Anker Feine Gastwirtschaft: Hier liegen Sie richtig

| Christof Wolff

Gastwirtschaft war hier schon immer (ab 1820), fein nicht unbedingt. Das gilt erst wieder, seitdem Michael Freynik nicht mehr am Fluss kocht, sondern im Frühjahr 2010 das historische Haus in der Neusser City übernahm. Alles sehr stimmig hier: nicht zu viel Oldschool, nicht zu viel Moderne, zwanglose Atmosphäre, coole Musik. Und statt fester Karte eine Kreidetafel mit dem, was der Markt gerade so hergibt, und das geht bei Freynik gerne mal crossover.

Carciofi Tonnato zum Beispiel oder ein Risotto mit Meeresfrüchten, das mal so ganz anders schmeckt als alle anderen Frutti-di-Mare-Risotti, die wir bisher probierten: nix Vongole und TK-Krabben, sondern ein schlotziger Reis mit Miesmuscheln (in der Schale) und Coquille St. Jaques, mit Tomaten und Fenchel, kräftig, meerig, mutig gewürzt (8,90). Papageienfisch plus Banane und Wasabi-Lachs bleiben außen vor zugunsten von Wildschweinkarree (19,90) und Rib Eye vom Kalb (18,90) – beides ein butterzarter Traum von Fleisch. Das Wild serviert mit Flachbohnen, gebratener Paprika und Lyoner Kartöffelchen sowie einer hochkonzentrierten Kräuterjus; das Kalb mit Bandnudeln und etwas aromaschwachen Waldpilzen.

„Bekommt ihr noch Dessert?“, fragt der junge Servicemann (nach dem Essen geht’s auch per du). Leider nein, denn weder er noch seine Kollegin haben uns rechtzeitig verraten, dass man sich aus allen Offerten auch ein Dreigang-Menü zusammenbauen kann – für galante 29,50 Euro pro Nase. Will heißen: Hier werden wir demnächst erneut den Anker werfen.

Berit Kriegs

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