Richtungsding reliest

| Harald Gerhäußer (l.) und Jan-Paul Laarmann Foto: Sven Neidig

Mit der im November erscheinenden Ausgabe IV ist es bereits passiert: Das Literaturarchiv in Marbach sammelt die Zeitschrift für junge Gegenwartsliteratur „Richtungsding“. Ein steiler Aufstieg für eine unkommerzielle Publikation, die erst 2010 entstanden ist. Philip Stratmann hat die beiden Macher Jan-Paul Laarmann und Harald Gerhäußer vor dem anstehenden Release im Bochumer Blondies auf eine Runde Schlegel getroffen.

„Nein“ und „Nein“ entgegnen sie einstimmig: Hinter dem „Richtungsding“ steckt keine Ideologie und keine Richtung. Vielmehr erklärt Paul die „Konzeptlosigkeit zum Konzept“. „Wir sind offen noch außen, wollen aber vor allem die literarische Landschaft im Ruhrgebiet abbilden.“ Durch die Konzeptlosigkeit steht im „Richtungsding“ Lyrik neben Prosa, neben einem Essay oder neben Illustrationen.

Zu ihrem Namen kam die Zeitschrift durch einen Versprecher, als man einen alternativen Namen zum bereits in Bonn erscheinenden „Dichtungsring“ suchte. „Wir hatten den Eindruck, dass es hier ein Defizit gibt. Es gibt das ‚Schreibheft’, aber da wird niemand von uns jemals etwas veröffentlichen, dann ein paar Hobbypostillen und dazwischen mit Ausnahme von ‚Macondo’ nichts."

Richtung Salon

Im Gegensatz zu „Macondo“ erscheinen im „Richtungsding“ vor allem Texte von Autoren, die vorher nicht oder nur wenig veröffentlicht haben. Künstlerbiographien zu unterstützen sei aber nicht das erste Ziel. Paul: „Joooaaa, wir haben natürlich nichts dagegen. Wichtiger ist es, eine Plattform, ein Forum zu bieten für die vielen Schreiber, die (noch) fern von Professionalität leben und arbeiten. Es gibt keinen Salon, in dem man sich austauscht. Vielleicht ist das Richtungsding eine Art von neuer Salonidee.“ Harald: „Wir haben den Grundgedanken des Dichtungsringes übernommen: sich gegenseitig besprechen und kritisieren, um einander voran zu bringen. Es geht nicht nur um die Veröffentlichung, sondern darum, Feedback zu bekommen.“ Dieser Hinweis richtet sich ausdrücklich auch an Leser, die hinten im Heft die Mailadressen der Autoren finden.

So überrascht es überhaupt nicht, dass Paul und Harald keine Angst vor neuen Medien haben, sich online fleißig vernetzen und den Kontakt zur Community suchen. „Wir wurden schon von einem Entwickler angesprochen, der das ‚Richtungsding’ als App umsetzen wollte. Aber soweit sind wir noch nicht. Auch eine E-Bookversion fänden wir gut.“

Richtung stimmt

Die zunehmende Aufmerksamkeit gibt ihnen Recht: Zwischenzeitlich lud der ORF für ein Interview nach Wien, ein kanadisches Collegeradio bat um eine Stellungnahme zur deutschen Gegenwartsliteratur, und, nicht zuletzt, die Auflage von 500 Heften geht regelmäßig problemlos weg.

Eine besonders schöne Gelegenheit, um an ein „Richtungsding“ zu kommen, ist die Releaseparty, bei der nicht nur gelesen wird, sondern ganz demokratisch der Gewinner des Richtungsdings gewählt wird. Wer es am 3. November zur 4. Ausgabe nicht schafft: Das angenehm schlichte und gut lesbare Heft gibt’s auch auf der Homepage. Buchhandlungen können das Heft über die ISSN 2192-4082 bestellen. Oder man trifft einen der beiden mit einem Karton Hefte und einem großen Pfeil an einer Straßenecke, so zum Beispiel am 31. Oktober auf dem Campus der Ruhr-Uni oder am 2.11. auf dem Campus in Essen jeweils zwischen 10 und 14.30 Uhr. Die Hefte II und III gibts zum Studentenpreis von 5 Euro.