"Fasten auf Italienisch"

Ein perfektes Leben: Traumfrau, Traumjob, beliebt bei Freunden und Kollegen. Der Italiener Dino (Kad Merad) scheint alles zu haben – bis auf den italienischen Pass. Denn Dino heißt eigentlich Mourad Ben Saoud und ist Araber. Seine Familie in Marseille denkt, er arbeitet in Rom; sein Chef und seine Freundin denken, er hätte Familie in der ewigen Stadt, seinem angeblichen Heimatort.

Doch Dinos Versteckspiel klappt. Bis sein Vater ihn bittet, an seiner Stelle (er ist herzkrank) Ramadan zu halten. Ahnungslos willigt Mourad ein. Zwar ist er weder religiös noch hat er jemals Ramadan gehalten, aber da er seine Familie ständig anlügt, will er die Bitte seines Vaters nicht abschlagen. Für Dino ist Fasten allerdings ein echtes Problem, denn schließlich muss er es in seinem italienischen Leben geheim halten. Der vorgeblich heißblütige Südländer muss nun mehrere Regeln befolgen: keine körperlichen Kontakte oder gar Sex mit der Freundin, kein Essen und Trinken, wenn die Sonne scheint, und fünfmaliges Beten, jeden Tag. Er wird gereizter und angespannter, beim Fußball fehlt ihm die nötige Energie …

Merad brilliert in diesem humorvoll lockeren Lügenspiel zwischen Integration und Irritation, das „an einem sehr zeitgemäßen Thema kratzt, am Verständnis von Identität und Nationalität.“

Regisseur Olivier Baroux wollte eine Komödie drehen, allerdings „nicht gleich eine gesellschaftskritische“. Doch genau dies ist ihm ganz nebenbei virtuos gelungen: Er zeigt schonungslos die Schizophrenie der französischen Gesellschaft, in der ein Italiener eine Bereicherung und ein Araber eine Belastung ist. Schade nur, dass Baroux zum Schluss hin doch sehr in Richtung Hollywood-Happy-End abgleitet, der Film hätte eigentlich mehr verdient.

Paul Tschierske

F 2010. R: Olivier Baroux. D: Kad Merad, Valérie Benguigui, Roland Giraud, Philippe Lefebvre

Start: 13.1.

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