Markus Krebs: Mehr crazy als mad

| Duisburger Jung (Foto: Fabian Mauruschat)

Auf der Bühne sitzt er auf einem Barhocker, mit Mütze und Sonnenbrille im Gesicht. Oben ohne ist Comedian Markus Krebs so gut wie anonym, was dem Gewinner des RTL Comedy Grand Prix 2011 ganz recht ist. So erkennt Fabian Mauruschat den Hocker-Rocker auch erst nicht, als er ihn im Duisburger Bahnhof zum Interview treffen will. Ein Zögern, dann ein Nachfragen, und nach der Begrüßung mit Handschlag geht es zur Baguetterie gegenüber. Die Frau hinterm Tresen beglückwünscht den Lokalmatador „Ich hab’ dir die ganze Zeit die Daumen gedrückt.“ – „Ach, du warst das? Ja danke, hat geholfen.“

Wie früher im Stadion

„Der sitzt auf der Bühne und macht nix. Außer verdammt lustig sein.“ Das Zitat beschreibt seinen minimalistischen Stil, findet Markus Krebs. „Ich hab wirklich nur einen Hocker und ein Standmikrofon.“ Dazu kommt die Bühnenverkleidung: Sonnenbrille und schwarze Wollmütze mit „Ruhrpott“-Logo. Hocker und Brille sind eigentlich Hilfsmittel, fast Prothesen. „Früher hab’ ich den Hocker auf die Bühne gestellt, aus Angst nervös zu werden und die ganze Zeit mit dem Bein zu wackeln.“ Heute braucht Krebs den Hocker nicht mehr, seine Knie sind zitterfrei. Die Sonnenbrille verdeckt sein rechtes Auge. „Mit dem Auge kann ich nichts sehen. Damit sich nicht alle wundern, warum ich immer in die Ecke gucke, ziehe ich die Sonnenbrille an.“ Die Mütze krönt das Outfit. „Das sieht so panne aus, da setze ich auch noch die Mütze auf, wie früher im Stadion.“

Zärtliches „Fette Sau“

„Panne“ zu sein ist für Markus Krebs eine Lebenseinstellung „Das ist nicht negativ zu sehen. Wie im Englischen, wo crazy und mad unterschieden werden. Crazy ist eigentlich gut. Mad ist, wenn einer richtig durch ist. Ich bin mehr crazy.“ Das äußert sich in Augenblicken, wo eigentlich Schweigen angesagt ist. „Ich kann meine Schnauze nicht halten. Als wir unser Kind im Kindergarten angemeldet haben, sagt die Kindergärtnerin: ‚Meine Name ist Sabine Roth, ich fände es gut, wenn sie mich Frau Roth nennen.‘ Da sag’ ich natürlich: ‚Alles klar Sabine, machen wir.‘“ Das klingt zwar zunächst wie der alte Spruch, dass manche Komiker lieber einen Freund verlieren als auf eine Pointe verzichten, was aber nicht für Markus Krebs gilt. „Ich habe Freunde, die meinen Humor teilen. Wir hauen uns schon mal heftige Sachen um die Ohren. Da ist ‚fette Sau‘ einfach mal zärtlich gemeint.“

Buch in der Schublade

Viele Freunde von Krebs kommen wie er selbst aus der Hooliganszene, der er vor zehn Jahren den Rücken gekehrt hat. „Die treffen sich nach dem Spiel auf Wiesen, um sich zu prügeln. Heute kriege ich eine Zerrung, wenn ich eine Bifi aufreiße.“ Wenn er mit seinem Sohn ins Stadion geht, ist Sicherheit für ihn wichtiger. „Man kann einfach das Spiel genießen.“ Was als MSV-Fan nicht immer leicht ist. „Obwohl, Moment, wir haben drei Spiele nicht verloren, zwei sogar gewonnen!“ Ein Buch über seine Hooligan-Zeit liegt noch in der Schublade. Es handelt vom Weg in die Szene und wieder raus. Jetzt muss noch das Kapitel über den Weg zum Comedian dazu.

Inspiration auf der Linie 903

Angesprochen auf den Namensvetter Diether Krebs und ob dieser ein Vorbild für ihn sei, begeistert sich Markus Krebs regelrecht. „Ein Herz und eine Seele, Sketchup. Der war sehr, sehr perfekt.“ Aber etwas stimmt den Duisburger Comedian nachdenklich. „Zu gerne gelebt, hieß es über ihn. Oder zu viel gelebt. Das kommt bei mir auch schon mal vor. Da muss ich aufpassen.“ Die Inspirationsquelle für seine Gags ist der Alltag. „Du musst nur mit der 903 durch Duisburg fahren und hast ein halbes Programm.“ Seine Sorte Humor teilt er sich mit einem großen alten Witzeerzähler. „Fips Asmussen könnte behaupten, dass ich drei, vier Gags von ihm aufgreife. Aber das ist als Hommage gemeint.“ Als Krebs noch Kneipenwirt in Neudorf war, hätte er Asmussen zu gern einmal eingeladen.

Auftritt in der Möbelhalle

Kneipenwirt. Und sonst? „Busfahrer für behinderte Kinder, Kellner auf Ibiza. Einen Geschenkeartikelladen hatte ich auch mal.“ Auch arbeitslos war er. „Da muss man eben die Stadtwerke vom Pfandgeld bezahlen.“ Das hat er jetzt nicht mehr nötig, obwohl er den obligatorischen RTL-Exklusivvertrag nach der Preisverleihung ausgeschlagen hat. Das Geschäftliche überlässt er seiner Managerin, ansonsten verlässt er sich auf mündliche Absprachen. Die Karriere scheint zu laufen. „Meinen letzten Auftritt hatte ich in Kleve, da waren 80 Leute geplant. Dann kam der Comedypreis, die haben eine Möbelhalle gemietet und aus den 80 mal eben 500 gemacht.“ Dabei musste viel improvisiert werden, aber darüber freut sich der Ruhr-Comedian. „Dann ist Chaos. So etwas mag ich. Es kann alles passieren, du kannst auf alles reagieren.“

Alle lieben Markus

Auch wenn dann mal das Einlauflied hängt, „Sexy Thing“ von Hot Chocolate. „I Believe In Miracles“ ist die erste Zeile. Mit etwas Phantasie hört man „Alle lieben Markus.“ – „So kamen wir dann darauf: Der muss das für mich geschrieben haben.“ An Selbstbewusstsein mangelt es dem Neudorfer nicht. Beim Comedy Grand Prix saß ein Fanblock in Markus-Krebs-Kluft im Publikum. Frauen, Männer und Kinder mit Sonnenbrillen und Mützen. „Familie und Freunde. Ich war froh, dass die mit dabei waren. Wir hatten alle nur fünf Bändchen gekriegt für die Aftershowparty. Da kam der Duisburger Mob um die Ecke, und ich hab’ die durchgewunken.“ Der Fanblock kann jetzt öfter mitkommen, z. B. zum Auftritt beim Comedy Carl mit Moses W. am 15. Januar in der Essener Zeche Carl. Getourt wird mindestens bis Ende 2012.

markuskrebs.com