Fight Club in der Rottstrasse: Gassenhauer

| Alexander Ritter (li) und Marla Singer (Foto: Birgit Hupfeld)

Ein Stück, das den Namen Gassenhauer wirklich mal verdient: Oliver Thomas Inszenierung von "Fight Club" im Theater an der Rottstraße hat sich seit Mitte 2010 zum Publikumsrenner entwickelt. Auch bei der Wiederaufnahme am 13. Januar platzte das kleine Theater unter der Bahnbrücke wieder aus allen Nähten.

Wichtigster Unterschied: Felix Lampert hat die Rolle des Tyler Durden vom ausgeschiedenen Arne Nobel übernommen. Er löst seine Aufgabe mit Bravour und das ein oder andere mal mit Humor. Das lockert den an sich harten Stoff angenehm auf und macht den Abend auch unterhaltsam.

Dabei ist es vor allem die brisante philosophische Ebene, die die Geschichte interessant macht und die wurde für die Bühne treffend angepasst. Dass Luxus unnötiger Ballast sein kann, hört man dieser Tage öfter und Antikapitalismus ist auch trec chic. "Fight Club" thematisiert darüber hinaus die Frage, ob es eine philosophische Rechtfertigung für Moral gibt und wenn ja, wie weit diese gehen sollte. Sozialromantik und Hippietum gehen anders. "Fight Club" hat anarchische Züge. Die Reduzierung des Stückes auf knapp drei Protagonisten und ein karges Bühnenbild stellen dieses Kernthema in den Vordergrund, zumal im "Fight Club" kaum gefighted wird. Das tut dem Plot gut.

Damit wurde aus der Not eine Tugend gemacht, so dass selbst die gelegentlich hinüberbretternde Bahn oder ein jaulender Hund im Publikum kein Rottweiler!) weniger das Stück störten als vielmehr die Hinterhofkulisse unterstrichen. Nullpunkt des Theaters könnte man das mit einem Verweis auf einen anderen philosophischen Klassiker nennen. So oder so aber in jedem Fall kurzweilig und bisweilen lustig, dabei ernst und ein klein wenig befriedigend, wenn die Zentrale der Schuldenerfassungsstelle am Ende einfach mal rums macht.

Philip Stratmann

rottstr5-theater.de

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