Helga Brauneck // Eiberger Straße.

Gedicht über eine besondere Straße. In Bochum. Wo sonst?

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Foto: Ruhrpott

Ein Garten, ein uraltes Haus sollt’ es sein …
der Sommer, ein Kirschbaum! So zogen wir ein.
Die Nachbarn der Zukunft studier’n uns genau,
erklär’n ihren Namen: „Wie Käse für lau.“
Der Carlos will helfen, sägt Äste und schwitzt.
„Halt stopp!“ ruft der Erich, „bedenk’, wo Du sitzt!“
Herr H. steigt aufs Dach und zwingt Bretter in Form.
Er liebt halt die Künste und hasst jede Norm.
Das passt nicht? Von wegen. „Das wär’ doch gelacht!“
sagt Jupp, „na, dann wird es halt passend gemacht!“
Herr W. kommt mal rüber – „ein Baum fehlt hier noch!“
W i r geh’n einen kaufen. E r buddelt das Loch.
Hund Bruno, der seine Erziehung vergisst
Und Mätzchen, dem Kater, die Brocken wegfrisst,
der weiß, daß ihm nun eine Strafpredigt blüht, -
weshalb er den Briefträger gar nicht gern sieht.
Trotz Rauch und Gerüchen, mag sein, wie es will …
Es gibt soviel Gäste. Wir brauchen ’nen Grill!
Kartoffelsalat und viel Senf und viel Bier …
Wir leben in Zeiten der offenen Tür!
Der Dennis kann schaukeln, so hoch wie das Dach!
Die Mama pflanzt Blumen, der Patrick macht Krach.
Der Christopher baut sich aus Brettern ein Haus,
ein Käfer mit Punkten verzehrt eine Laus.
Libellen, die feiern am Teichrand ein Fest,
die Erdbeern erröten, die Jungen im Nest
erheben die Stimmen, sie rufen herbei
die Schwarzdrosselmutter; die kommt mit Geschrei
von oben im Sturzflug. – Die Würstchen sind gar.
Herr Karl erzählt gerne, wie’s früher mal war.
Das Starenkonsortium, es fasst den Beschluss,
dass man alle Kirschen jetzt gleich ernten muss.
Im Sonnenglast liegt sie und streckt sich die Katz
Und gähnt und betrachtet im Mausloch die Hatz.
Sie wundert sich, was dieses Mäuslein denn hat?
„Das Mehl war wohl bitter?“ vermutet sie satt.
Filippo macht Witze und Jaime, der lacht.
Das Baby hat eben ein Pfützchen gemacht,
was wieder der Oma so gar nicht gefällt.
Christinchen lernt Radfahr’n. So friedlich die Welt!
Was bleibt zu berichten: Die Lok unter Dampf –
Der VfL Bochum im Absteigerkrampf –
Die Tauben , die heimkehr’n zurück in den Schlag …
Der Abend lobt heut schon den morgigen Tag.
Ganz leise, so schleicht sich die Nacht nun heran.
Im Hause wird’s hell, denn die Sportschau fängt an.
Der Herbert im Fenster hat Träume zuhauf.
Er kann nachts nicht schlafen und passt auf uns auf.
Nur „Ane …“ weint fern noch ein türkisches Kind. –
Und wer’s mir nicht glauben will, schreib’s in den Wind:
Vergrab unterm Kirschbaum das Reisegepäck!
Wir sind hier hier zu Hause, zieh’n nie wieder weg!

Noch eins will ich sagen: Ihr „Herren“, hört zu –
Die Hunde sind nett, n i c h t ihr Schitt unterm Schuh!

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Bochum, Eiberger Straße

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Bochum, Eiberger Straße 51.430280, 7.139654 Ein Gedicht

Dein Bochum // Urban History Rewritten ist ein Kooperationsprojekt des Friedrich-Bödecker-Kreises NRW und der Literarischen Gesellschaft Bochum. Unterstützt von coolibri, dem Kulturbüro Bochum und der Rotunde Bochum.

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Streetart aus der ganzen Welt entdecken

Leider noch nicht im Projekt: StrretArt aus Bochum.

Leider noch nicht im Projekt: StrretArt aus Bochum.

Sehen und gesehen werden, das ist nicht nur das Motto der High-Society, sondern ironischerweise auch ein Schlüsselfaktor beim Sprayen, Taggen & Co. Mit seinem neusten Projekt fügt Google dem eine neue Dimension zu.

Google Street Art Project nennt sich das neue hippe Kind des Großkonzerns. Auf einer Karte können Graffiti und andere urbane Kunstformen aus der ganzen Welt entdeckt werden. Bisher beschränkt sich dieser Entdeckerspaß jedoch weitestgehend auf Metropolen wie London, Paris oder New York. Spannend ist eine derzeit über 200 Bilder umfassende Sammlung an Philippinischer Streetart. Auch in Südamerika und Nordafrika sind einige Werke verzeichnet. Deutschland ist hingegen weitestgehend ein weißer Fleck auf der StreetArt-Karte. Selbst aus Berlin sind nur zwei Bilder vermerkt, Das Ruhrgebiet, Köln oder Düsseldorf tauchen bisher gar nicht auf.

Dass liegt vor allem daran, dass das Google Street Art Project leider kein Mitmachprojekt ist, in dem jeder seine Handyshots hochladen und auf der Karte verorten kann. Stattdessen arbeitet Google im Rahmen seines Cultural Institutes mit Galerien und Museen zusammen, die ihre Sammlungen zur Verfügung stellen und auswählen. Offenkundig gibt es in NRW derzeit noch keine solcher Partnerschaften. Ein weiteres Problem dürften die strengen Urheberrechtslinien hierzulande sein: Es werden ausschließlich freigegebene Werke oder solche, bei denen das Urheberrecht bereits verjährt ist, aufgenommen.

Galerien, private Sammler, Künstler oder Museen, die gerne an dem Projekt mitarbeiten möchten, können über ein Formular Kontakt zu Google aufnehmen.

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Lisa Katarina Zimmermann // Der Lieblingsort für Fernbleibende

Der Lieblingsort in Bochum? Herz und Hirn des Bochumers selbst natürlich!

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Fotos: Tobias Drabe – Impressionen von Speed of Light im Westpark

Ein bisschen schön ist Bochum, also auch ein bisschen hässlich. Nichts besonderes im Reigen von kleineren Großstädten.

Altbau? – gibt es nicht viel, Nachkriegsbauten mahnen vor Krieg und hoffen auf Frieden (und Sanierung).

Zoo? – der von Duisburg macht mehr her, der hat Delfine, Bochums Robben hingegen ziehen keine Bötchen.

Theater? – hat eine große Zeit gehabt, glanzvoll nicht nur im äußeren Erscheinen, aber besonders und wertvoll? Auch Haußmann und Hartmann sind älter geworden.

Musik: Konzerthaus? – guckt doch über den Tellerrand liebe Bochumer, Philharmonie und Konzerthaus liegen vor euren Stadttoren.

Menschen? Ja haben wir; da gibt es 365.854 plus minus.

Einer von denen, Student, der den Nachkriegsbau nun eben mit Leben und Styroporstuck füllt. Kreuzberg muss warten.

Die Zooschülerin, die sich liebend gern um Robben kümmert, die klingen ja auch irgendwie angenehmer als Delfine.

Die Theatermalerin, hingebungsvoll für ihre Heimat und ihren Beruf, die Frickas in der Kantine sind eh die besten und Anselm nistet am Tana Schanzara Platz.

Und der Bochumer Symphoniker, der sein Orchester liebt und zu diesem Klangkörper hält, auch wenn er in einem zu groß geratenen Hörsaal spielt und in einer alten Zeche probt, immer mit der Hoffnung auf eine wahre Spielstätte mit Akustik und ohne Zugluft.

Mein Lieblingsort also? Herz und Hirn des Bochumers selbst.

Anpacken können, Solidarität mit einer Stadt und deren Bürger zeigen, auch in schwierigen Zeiten.

Stolz darauf sein können, woher man kommt und woraus man ist. Nichts schönreden müssen und auch nichts kleinreden wollen, dann ist Bochum sowieso immer mit einem, egal ob in Berlin, Hamburg oder eben auch in Düsseldorf.

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In Bochum

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In Bochum 51.481597, 7.204113 Schön sind die Menschen hier

Dein Bochum // Urban History Rewritten ist ein Kooperationsprojekt des Friedrich-Bödecker-Kreises NRW und der Literarischen Gesellschaft Bochum.

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Hannah J. Iberer // Bochum aus Sicht der Außenwelt

Bochum liebt dich!

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Foto: Heide Brusis

„Und woher kommst du?“- „Aus Bochum.“ – „Wo liegt denn das?“ – „Im Ruhrgebiet.“ – „Ah, Köln und so, gell?“
Oder: „Ah, Bochum, kenn ich, da war ich mal.“ – „Ach echt? Wann denn?“ – „Ach, ist ewig her, war da mit meiner Familie beim Starlight Express.“
Oder: „Bochum, da wird doch die weiße Wäsche beim Aufhängen grau, gell? Ha ha ha!“

Solche und ähnliche Unterhaltungen muss man führen, wenn man außerhalb seiner Heimatstadt von seiner Heimatstadt erzählt. Bochum. Gehört hat man den Namen schon mal. Man weiß auch ungefähr, wo es liegt. Im Süden, bei Bayern oder in der Nähe vom Schwarzwald, oder eben neben Köln. Dabei konnte Herbert es doch nicht deutlicher sagen: Es liegt im Westen, „tief im Westen“ sogar! Das mit Köln könnte man, rein geographisch, ja noch fast, ganz fast, akzeptieren, aber Köln liegt definitiv nicht im Ruhrgebiet und das den Leuten klarzumachen, könnte zu einer Lebensaufgabe werden.

„Ja, in Bochum war ich auch schon mal. Also, bin da mal durchgefahren. War auf der Durchreise. Naja, nicht besonders schön. Alles grau. Und die Uni, da kriegt man ja Depressionen!“
- Naja, schön ist Bochum nicht, nicht überall, nicht objektiv gesehen, nicht, was man so allgemein als „schön“ bezeichnen würde. Dennoch, Bochum ist schön auf seine Art. Bochum ist vielseitig, hat schöne Ecken. Der Stadtpark im Winter verwandelt sich ab und zu in eine Winterzauberlandschaft. Doch selten führt es einen Durchreisenden dorthin.

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Foto: Monika Heer

Wenn man Industriekultur mag, besucht man vielleicht das Ruhrgebiet. Aber doch eher Essen oder Duisburg. Diejenigen, die sich auskennen, kommen trotzdem nach Bochum, Kulturinteressierte wissen, was die Stadt zu bieten hat. Nicht nur Industriekultur.

Vielleicht ist Bochum schön, wenn man sich drauf einlässt. Wenn man eintaucht in die Stadt, in die Mentalität ihrer Bewohner.

Wer in Bochum geboren ist, groß geworden ist, ist nicht unglücklich, dort zu sein. Wer immer schon in Bochum wohnt, will selten woanders wohnen.
Einige, die trotzdem gehen, vermissen Bochum, vermissen das Bier, vermissen die Menschen, die „normalen“ Menschen, hier, wo das Herz noch zählt.

Wer nicht in Bochum geboren ist, wer ein Zugezogener ist, muss sich vielleicht dran gewöhnen. Bochum ist nicht schön. Aber Bochum ist liebenswert. Gibt Bochum eine Chance.

Bochum liebt dich.

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Fotos: Christian Reichel: Wattenscheid

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Bochum!

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Bochum! 51.476412, 7.214756 Hier, wo das Herz noch zählt!

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Thomas Konradt // Aus dem Exil

Dann endlich: die Nummernschilder mit BO

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Foto: Bettina (Alleestraße)

Aus dem Exil einer Stadt, deren heutiges Zentrum einst Zuflucht für Aussätzige und Verstoßene bot, mit denen man innerhalb der Stadtmauern nichts zu tun haben wollte, gleitet mein Wagen, Ampel für Ampel dahin.

Schlurfende Gestalten, die blindlings vorm Kühler auftauchen, als wären sie im Stadtkern ihren Gräbern entstiegen, und Rotlicht der Ampeln das nur auf mich zu warten scheint, machen die Flucht von hier so zäh und beschwerlich.

Dann endlich, dass Poltern der Reifen auf Kopfsteinpflaster und die Nummernschilder der Autos mit BO.
Jetzt fährt es sich leichter, die Ampeln auf Grün, als hätten sie mich nie vergessen.
Kein Drängeln, kein Hupen in der Blechkarawane, Entspannung belebt meinen Geist.
Bemühe mich mein Nummernschild Lügen zu strafen, denn hier ist das Fortkommen kein Kampf.
Fassaden, die an mir vorüberziehen, erzählen von Maloche, täuschen nichts vor:
„Hier sind wir, entstanden aus ehrlichem Schweiß.“
Mein Radio spielt mir den Soundtrack dazu.

Schlagende Herzen hinter verwaschenem Putz, wie Hämmer auf Stahl, doch nie überheblich. Man spürt es, man riecht es, besonders bei Nacht.
Endlich zuhause, hier wurzelt mein Sein.
Es hallt in mir wider als war ich nie weg: Riemke, Grumme, Langendreer im Bauch.
Wohlige Schauer, die niemals vergehen.
„Dat musse nich verstehn.“

Und zurück ins Exil, Bochum im Rücken, mein Bochum, gerade – ganz gerade.

Bildergalerie: Lukas Vering (Langendreer)

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Zuhause

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Zuhause 51.473077, 7.323954 Endlich wieder Nummernschilder mit BO

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