Indoor Skydiving: Die Banane im Wind

„Erlebe den Traum vom Fliegen“ – „Abheben für Jedermann“ – „Airlebnis“: Die Floskeln, mit denen die Marketingköpfe das Indoor Skydiving in Bottrop anpreisen sind beinahe unendlich. Doch ich durfte mich selbst davon überzeugen, dass sich dann doch mehr als „heiße Luft“ dahinter verbirgt …

Der modernste Windkanal der Welt steht mit einem Durchmesser von 4,3 Metern und einer Höhe von 17 Metern im beschaulichen Bottrop, direkt neben der Alpin-Skihalle. Bis zu sechs Flieger haben darin Platz. Die Einsteigertauglichkeit zeigt sich in der Tatsache, dass sogar Kinder ab vier Jahren in den gläsernen Flugtunnel dürfen.

Der Instructor lässt einen nicht im Stich, Foto: Moritz Schwertner

Zu jedem ersten Kontakt mit dem Skydiving gehört eine Einführung in die Kunst des Fliegens. Anschaulich legt sich der „Instructor“ vor versammelter Fliegermannschaft auf eine gepolsterte Liege, erklärt die Körperposition („wie eine Banane“), die Handzeichen zur Verständigung im Kanal (es gibt tatsächlich auch hier die Hang Loose-Geste, um zu sagen „Entspann dich“) und dass Lachen und Spaß haben das Wichtigste sei (was ich später dann am eigenen Leib erfahre − ich kann nicht mehr aufhören zu grinsen).

Ich fliege tatsächlich!

Nach erfolgreichem Kurzlehrgang und Verteilung der Flugutensilien, bestehend aus einem extravaganten Fluganzug, einem Helm inklusive Schutzbrille und Ohrstöpseln, überlege ich kurzzeitig vielleicht doch besser das Weite zu suchen oder zumindest dafür zu beten, dass die Nummer 35 auf meinem Flughelm meine neue Glücksnummer wird. Viel Zeit weiter darüber nachzugrübeln bleibt mir aber nicht, denn Flug-Instructor Seb macht keine halbe Sachen, und führt uns durch die Schleuse in den abgetrennten Eingangsbereich zum Windkanal.

Weiterhin damit beschäftigt Fluchtpläne auszuhecken und mich krampfhaft an das Zeichen für Abbruch zu erinnern bemerke ich erschrocken, dass es zu spät ist. Seb hat mich anvisiert, winkt mich fröhlich in den Glastunnel. Also, Augen zu und durch! Und dann ist es auch schon um mich geschehen: Ich bin verliebt in das Fliegen! Nach einem kurzem Gefühl der Hilflosigkeit beim Herumtrudeln wie ein Blatt im Wind, habe ich das Hang Loose-Prinzip verinnerlicht: Kopf in den Nacken, Arme und Beine leicht angewinkelt und Bananen-Position – ich fliege tatsächlich! Und der Seb ist ja auch noch da, um mich zwischendurch wieder einzufangen, wenn der Wind seine Spielchen zu doll mit mir spielt.

„Ich gebe es hiermit zu: ich habe geschrieen!“

Der Instructor testet bereits in den ersten zwei Minuten seine Hoch-, Flieg- und- Runterfall-Tricks mit mir als Begleitung, und ich gebe hiermit zu: ich habe geschrieen! Ob aus Angst oder Freude? Im Nachhinein bin ich mir nicht mehr sicher. Doch ich denke, es war eine Mischung aus Euphorie und Adrenalin, die eigentlich gar nicht so übel war.

Die zweimal drei Minuten, die ich mich in die Lüfte stürzen darf, sind ein echtes Highlight. Alle Ängste, Sorgen und Stoßgebete, dass mir die Luft in der Luft nicht wegbleiben möge, erweisen sich als überflüssig. Dieser Moment in dem Windkanal – eine Mischung aus: man muss an alles gleichzeitig denken und man denkt gar nicht – ist auch wirklich beinahe so unbeschreiblich, dass man versucht ist auf Floskeln zurückzugreifen.

Kaum die Schutzbrille von den Augen und den Helm abgesetzt, beschließe ich: Das muss ich öfter machen! Ich werde jetzt Skydiving-Profi – und wenn ich aufhöre mir Lebensmittel zu kaufen, um mir diesen exklusiven Wunsch zu erfüllen! Einen Tag später, und etwas weniger euphorisiert, bin ich mir immer noch sicher, dass ich dieses Erlebnis wiederholen möchte. Und noch etwas, das ich nie für möglich gehalten hätte, ist eingetreten: Ich denke über einen Fallschirmsprung nach! Der Windkanal hat mir wohl nicht nur frische Luft sondern auch neuen Wagemut um die Nase gepustet.

indoor-skydiving.com

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