Rock me, Ukulele! – Das United Kingdom Ukulele Orchestra im Savoy

Pünktlich zur Tagesschau-Zeit ertönte am letzten Freitagabend im gut besuchten Düsseldorfer Savoy eine tiefe Stimme: „Ladies and Gentlemen, please welcome: The United Kingdom Ukulele Orchestra!” Ganz davon abgesehen, dass das Wort “Ukulele” in englischer Sprache vorgetragen schon ein Lied für sich ist, wurden eventuelle Zweifel an der Vielseitigkeit der vier Saiten im Laufe des Abends ad acta gelegt.

Zwei Damen in eleganten Kleidern sowie sechs Herren, very british im Smoking, platzieren sich im Halbkreis an den mit hawaiianischen Blumenketten geschmückten Mikrophonständern. Unter ihnen: Ein lustig dreinschauender E-Kontrabassist ohne Haare alias die rhythmische Grundlage des Ganzen. Schon das erste Stück, „SABRE DANCE“, groovt. Untermalt wird die Darbietung von betont ernst dreinblickenden Gesichtern. Alan Dowson, der gemütlich und mittig ukulelt, gibt kurz darauf eine Version des Bonzo Dog Doo-Dah Band-Liedes „URBAN SPACEMAN“ zum Besten. Die Combo funktioniert also gleichermaßen mit Gesang.

Ein schlaksiger Mann steht auf und trötet in einen Gartenschlauch mit Trichter. Verwirrtes, aber vor allem belustigtes Klatschen und Johlen ist die Folge. Der nächste Kalauer wartet schon: Dowson erzählt, dass zu britischen Zensurzeiten Anzüglichkeiten nur durch die Blume gesagt werden konnten. George Formby, so der Musiker, tröstete sich während des zweiten Weltkrieges damit, den Song „WITH MY LITTLE UKULELE IN MY HAND“ zu schreiben. Wofür das Wort Ukulele hier steht, wird spätestens durch die Beschreibung der Geburt seines Sohnes klar: „My heart is filled with joy / I could see he was a boy / For he had a little ukulele in his hand.“ Entzückend, diese Art von Humor. Und es geht gerade so fort, ob vermeintliche Schallplattenhänger während der Titelmelodie des „DRITTEN MANNES“, die erst durch einen Hüpfer behoben werden, oder eine nahezu zünftige Interpretation Sarah Danes von „HEIDI“ (inklusive hochgedrahteter Zöpfe und unechter Ziege), geschlossene Begeisterung macht sich breit. An Polkaklatschern fehlt es ebenfalls nicht. Gartenschlauch-Andrew läutet eine kurze Atempause ein, indem er das erste Jazz-Stück ankündigt, jedoch nicht ohne einen weiteren Reißer: „This is a traditional, written by Glenn Miller, shortly before he was abducted by aliens.“ In abstruser Stimmung wird kollektiv „IN THE MOOD“ angehört.

Peter Baynes, ein Spieler im linken Flügel des Halbkreises, fragt, ob die Beatles und sein Deutsch Anklang fänden. Die Zuhörer klatschen Zustimmung und damit eine wirklich bemerkenswert schöne Version von „LUCY IN THE SKY WITH DIAMONDS“ herbei, dessen Ende ein mehrstimmig gesungenes „LSD“ darstellt. Es folgt ein Geständnis Lesley Cunninghams, die bis zu diesem Zeitpunkt noch mit Dutt und großgestelliger Brille aufwartet: „I am the bad influence, they call me the rock chick.“ Sagt es, entfernt Brille und strenge Frisur, und röhrt zum Beweis „Brass in Pocket“ von den Pretenders ins Mikrophon. Tony Young, ihr Sitznachbar, fügt verschmitzt hinzu, dass es sich bei dieser Frau um seine Angetraute handelt. Etwas weniger rockig, dafür musikalisch anspruchsvoll kommt „A WHITER SHADE OF G-STRING“ daher, das als Fusion von „good“ und „bad music“ Bach und Procol Harum vereint. Der junge Schotte Alan Sweeney singt, und er kann es. Die romantische Stimmung bleibt nur einen Moment bestehen, es werden Klassiker wie „STAYIN’ ALIVE“ und „LE FREAK“ ausgegraben und ein aus dem Nichts tanzender, nadelgestreifter Mann legt eine Sohle aufs Parkett, welche Detlef D! Soost wahrscheinlich die Fassung gekostet hätte. Auch in den Sitzen des Savoy wird um Luft gejapst, vor lauter Lachen. Immer wieder kommen abwegige Ideen zum Tragen, so zum Beispiel das Lied „BROCCOLI“, das Peter Baines zusammen mit musikalischen Kindern verfasste: „Broccoli, Broccoli, you got to cook it properly“. Rasend schnell wird Hit am Hit gereiht, nie langweilig, und immer mit einem brottrockenen Spruch auf den Lippen.

Fast zwei Stunden geht die mehr als unterhaltsame Show. Mit „ALWAYS LOOK ON THE BRIGHT SIDE OF LIFE“ verabschieden sich die lustigen Briten vom singenden Publikum: ein tolles „Awkestra“!

 

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