Blockflöte mit der Nase – Monsters of Liedermaching im zakk

„Stell Dich auf einen gemütlichen Sauf- und Grölabend ein“, so wurde mir die erste Begegnung mit den Monsters of Liedermaching, die anlässlich ihrer zwanzigsten Clubtour auch das zakk Düsseldorf besuchten, vorab schmackhaft gemacht. Wer zusammen mit mir am Mittwochabend die Feuertaufe gemeistert hat, weiß, dass diese Beschreibung exakt stimmt. Man täte sich aber jetzt keinen Gefallen, in Kategorien wie gut oder schlecht über den Auftritt der sechs Musiker zu urteilen. Es war eben eine Punk-Acapella-Kindergeburtstags-Schnaps-Party-Sause. Und darauf muss man sich ja auch erst mal einlassen können.

Monsters of Liedermaching, Foto: zakk

Von der ersten Sekunde an war das zu großen Teilen aus eingefleischten Fans bestehende Publikum um mich herum jedenfalls voll dabei; grölte, klatschte, sang mit, feierte und freute sich. Und sicherlich war es für die Stimmung auch förderlich, dass das Konzert, wie vorab angekündigt, komplett aufgezeichnet wurde. Denn die größtenteils aus Hamburg stammenden Musiker basteln derzeit an ihrem neuen Live-Album. Die Düsseldorfer Fans gaben also auch alles, um Fred, Pensen, Totte, Burger, Labörnski und Rüdiger ein paar gute Aufnahmen zu sichern.

Die Monsters, wie sie ihre Fans nennen und anfeuern, begrüßten das zakk mit einem „Hallo und Helau Düsseldorf!“ und starteten pünktlich um 20 Uhr mit „Kennt ihr schon?“ in den Abend, der insgesamt 32 gesungene Lieder und sieben Zugaben umfasste. Dabei gab es Mitmachlieder, wie bei „Marzipan“, dessen Publikums-Mitmach-Passagen von der Band genutzt wurden, um ihrer Hörerschaft kennenzulernen, indem sie dirigierte, wer sang („und jetzt nur die Unter-18-Jährigen!“). Sollte noch ein Rest Eis da gewesen sein, war es hiermit endgültig gebrochen und so begeisterten sich die, teils sitzenden, teils stehenden Fans durch die erste Stunde mit altbekannten Songs wie „Quizmillionär“, „Hartz IV“, „Auflaufform“, „Au Ja“, „Pure Emotion“, „Punkermädchen“ und dem Klassiker „4 Meter“. Dabei spielte Fred Timm Blockflöte mit der Nase, Pensen Glockenspiel mit geschlossenen Augen und alle sechs insgesamt ziemlich gut Gitarre. Rüdiger Bierhorst aus Berlin zeichnete sich dabei ziemlich schnell als Publikumsliebling ab, ständige Rüüüüdi-Rufe begleiteten ihn den ganzen Abend über. Zusammen mit dem Ex-Frontmann der Schröders, Jens Burger, war er für die ernsthafteren Lieder zuständig. Labörnski war für die schnellen Gesangseinlagen da, Pensen für die Texte unterhalb der Gürtellinie (mit toller Stimme vorgetragen allerdings!) und Totte für den Hauch von Punk. Danach gab es eine 15-minütige Raucherpause, die mit Monster-Rufen aus dem Publikum quittiert wurde.

Die zweite Hälfte startete mit „Schönheitschirurgie“ und der „Weltklassemelodie“, die Menge war direkt wieder am Ball und die Band teilte ihre Pauseneinsicht: Sie hatten schon tolles Material aufnehmen können und Düsseldorf macht es in jedem Fall irgendwie aufs Album. Ernst wurde es mit einem neuen Song von Burger, romantisch mit „Eine französische Kleinstadt“, lyrisch dank Totte, der der Tradition wegen in Düsseldorf immer ein Gedicht vorträgt (in diesem Fall „Ein Jüngling liebt ein Mädchen“, Heine natürlich!), zauberhaft durch Rüdis „Ich hab’ Dich lieb“, niveaulos durch „Blasenschwäche“ und fantechnisch umjubelt mit „Die Zwerge“ und „Tod in der Nordsee“. Das Publikum freute und johlte das Musikerkollektiv bis 23 Uhr zurück auf die Bühne, was diese als Dank mit einem Foto von Band und Publikum fürs CD-Booklet quittierten. Nach über drei Stunden war also Schluss mit lustig und beim Rausgehen sah man eine Menge zufriedener Gesichter am Merchandise-Stand auf die Sänger und Autogramme warten.

Regina Vollmers

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