Einig klingt der Folk – The Black Atlantic // Talking To Turtles // Long Voyage im FFT

Aller guten Dinge sind drei. Sagt man ja gern als Rechtfertigung für einen dritten Versuch. Die vorangegangenen und misslungenen Anläufe werden dabei einfach verdrängt. Nicht so im Düsseldorfer FFT. Am Sonntag versammelten sich im Foyer der Kammerspiele gleich drei ganz fantastische Bands, die, so unterschiedlich in ihrer Ausprägung, gleichsam folkig und begeisternd auftraten. Wirklich dumm, wer sich da für den Tatort im Ersten entschied.

Den Auftakt bildete Long Voyage. Das deutsch-kanadische Quartett um Sänger Nicolas Huart ist der klanggewordene Roadtrip und weckt dank Einsatz der Violine deutliche Country-Fantasien. Näher kommt man dem Tanz in diesem Theater kaum – stampfende Füße inklusive. Die applaudierenden Gäste sind von der ersten Minute an auffallend vollzählig und völlig zu Recht angetan.

Das Leipziger Duo Talking To Turtles erklomm im Anschluss die kleine Bühne. Wobei Duo nicht mehr stimmt, seit Florian Sievers und Claudia Göhler ihren im besten Sinne kauzigen Lo-Fi-Sound mit Live-Unterstützung vortragen. Und das Bandgefüge ist phänomenal. Bassist und Drummer lassen jederzeit Raum für die kleinen, schmunzelnden Momente ihrer Stücke und verleihen eine Dringlichkeit, wo sie auf Platte zuweilen fehlte. Und diese Texte: Jugendlich enthusiastisch und altersweise zugleich. Intelligent banal und schusselig charmant – wie ihr gesamtes Auftreten. Willkommene musikalische Schlenker erlauben sie sich mit dezentem Einsatz der Synthies, Mundharmonika, Trompete (dank Unterstützung von Long Voyager Jörg Blumenstein) und Akkordeon. Hätte man letzteres doch nur nicht abseits der Bühne stehen lassen. „Akkordeon vergessen, das ist unser Rock’n’Roll“, lässt Sievers verlauten, während Göhler bereits los eilt, um es zu holen. Schusselig charmant eben! Daher passt es auch super ins Bild, dass Göhler den zuvor als Dekoration verwendeten Globus noch schnell abbaut, als The Black Atlantic im Anschluss bereits spielen. Vergessen. Nicht schlimm.

Geert van der Velde nutzt die Zeit und zieht sich erst einmal die wärmenden, wenngleich schweren Boots aus. Er singt in Socken. Früher auch in der amerikanischen Hardcoreband Shai Hulud, was geradezu unvorstellbar ist, wenn man ihn und seine neuen Mitstreiter heute erlebt. Der Headliner aus den Niederlanden steht für sanften, leicht melancholischen Gesang, harmonische Gitarren, zurückhaltende Percussions und Pianoklänge. So war es bislang, so ist es noch immer. Seit ihrer EP „Darkling, I listen“ ist da jedoch so viel mehr noch zu hören. Ihr choraler Folk hat an Dringlichkeit und Wucht gewonnen und überrascht mit einer Freude für das Jammen und weniger naheliegenden Einflüssen. Dabei präsentiert sich die Band gewohnt freundlich und humorvoll. Ob denn auch jemand der Anwesenden bei ihrem letzten Düsseldorfer Konzert in der Brause war, möchte van der Velde wissen. Eine Handvoll Leute bejahen und die Musiker lassen ausgerechnet ihr “The Aftermath (Of This Unfortunate Event)” folgen. Glanzlicht des Abends war jedoch das von Otis Redding inspirierte “The Flooded Road”, das eindrucksvoll beweist, wie nah diese Band bereits an Größen wie Fleet Foxes oder Bon Iver heranreicht. Wie gesagt: Wirklich dumm, wer sich da für den Tatort entschied.

Text: Benjamin Doum

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