Symposium: Gemeinsam über die Künste denken

Der Einladung zum „gemeinsamen Denken“ im HELIOS Theater in Hamm folgten vom 20. bis zum 22. Januar 2012 Theatermacher, Künstler und Museumsvertreter aus ganz Europa. Barbara Kölling und Michael Lurse, künstlerische Leiter des freien Theaters in Hamm, hatten den thematischen Schwerpunkt ihres Symposiums „Bild-Raum-Spiel“ nach den „KinderTheaterHäusern“ 2004 und den „Wechselspielen“ 2009 erneut nach der eigenen künstlerischen Arbeit ausgerichtet: Die Teilnehmenden aus Deutschland, Polen, Frankreich, Belgien und den Niederlanden erkundeten diesmal das Verhältnis zwischen darstellender und bildender Kunst.

© HELIOS Theater

Gemeinsame Diskussionsbasis war dabei immer wieder die Erkenntnis, dass die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kunstdisziplinen spannende Impulse geben kann. Ein beeindruckendes Beispiel dafür war das „Live-Painting“ am Samstagabend, bei dem Maler Vladimir Kara (Paris) zu den Trompeten- und Akkordeonklängen Roman D. Metzners in Echtzeit ein Gemälde entstehen ließ. Die Dauerhaftigkeit des Gemäldes wurde hier kombiniert mit der Flüchtigkeit der kollektiven Erfahrung der Musik. Auch auf Nachteile der Verbindung von darstellender mit bildender Kunst wurde jedoch hingewiesen: So bestehe die Gefahr, dass bei einer Symbiose eine der Künste instrumentalisiert werde. Einem Picasso beispielsweise wird man aber nicht gerecht, wenn man ihn lediglich als Bühnenbild (französisch: „décor“!) betrachtet – genauso wie gespielte Museumsführungen einen Missbrauch der Schauspielkunst darstellen.

© HELIOS Theater

Zur Auseinandersetzung zwischen Museum und Theater trugen Heike Kropff vom Museum Folkwang in Essen und Fred Wartna von der Villa Zebra in Rotterdam wichtige Perspektiven bei. Frage war hier vor allem: Wie macht man Kunsterfahrung im Museum lebendig? Museumsbesucher, die ständig am Kunstwerk vorbei auf eine kleine weiße Erklärungsbox starren – das sei ein absurdes Bild, so Wartna. Stattdessen stünde in der Villa Zebra, einem der renommiertesten Kindermuseen Hollands, der Prozess des Entdeckens und Erlebens von Kunst im Mittelpunkt.

Aus Belgien berichteten Theatermacherinnen des Théâtre de la Guimbarde über gemeinsame Arbeiten mit dem Musée des Beaux-Arts, Charleroi, an der Schnittstelle von darstellender und bildender Kunst. Dieser Zugang locke mit der Stärke des Theaters, eine kollektive Kunsterfahrung zu bieten – gegen die sonstige „Einsamkeit im Museum, ein Bild allein zu erschließen“ (Fred Wartna).

Auch die unmittelbaren, unverfälschten Reaktionen der kleinen Besucher bzw. Zuschauer waren Thema des Symposiums. Elisabeth Limmer vom Kindermuseum mondo mio! aus Dortmund brachte die Besonderheiten dieser Zielgruppe mit einem Foto auf den Punkt: Es zeigte kleine Museumsbesucher, die sich nicht für das an der Wand hängende Gemälde interessierten, sondern dafür, was sich hinter der Klappe der Klimaanlage verbarg. Dies sei keineswegs verwerflich, so Limmer – sondern vielmehr natürlich. Die Struktur vieler Museen erfordere ein hohes Maß an Vorbildung sowie die Disziplin, sich auf ein Kunstwerk zu konzentrieren und dieses als solches wahrzunehmen. Dieses Verhalten sei jedoch ein anerzogenes und bei Kindern deshalb schlichtweg nicht zu finden. Dreh- und Angelpunkt für das Entdecken von Kunst sei darum: die Neugier.

Nicht zuletzt liegt in diesem Ansatz ein integrativer Faktor. Mit der Idee, es gäbe eine Hochkultur, die mittels Theater- oder Museumsbesuchen vermittelt werden müsse, erreiche man nur einen Bruchteil der Bevölkerung. Stattdessen waren während des Symposiums die Worte „für alle“ ein zentraler Imperativ: Theater und Museen sollen für ALLE, das heißt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene, genauso wie für Menschen unterschiedlicher Bildungsschichten, zugänglich gemacht werden. Dies ist soweit nichts Neues. Gemeint war bisher jedoch lediglich die infrastrukturelle Zugänglichkeit von Kulturinstitutionen. Dass dies nicht ausreiche, darin waren sich die Teilnehmenden des Symposiums einig. Vielmehr gehe es darum, den Spaß und die Lust an der Kunst zu erwecken und auch aufrecht zu erhalten, so dass der Theater- bzw. Museumsbesuch zum angenehmen Erlebnis werde. Denn, und das blieb unbestritten, Kunsterfahrung sei unverzichtbar für die Persönlichkeitsentwicklung und die Bildung eines jeden Menschen.

Text: Jolanda Uhlig

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