Viktoria Tolstoy in der Zeche: „Letters to Herbie“ oder eine Liebeserklärung an den Jazz

Schwedens beste Jazz-Sängerin Viktoria Tolstoy begeistert ihr Publikum bei Rotwein und Jam-Session-Atmosphäre am 05. Februar in der Zeche in Bochum.

Zugegeben – eine richtige Jazzröhre hätte man sich vermutlich anders vorgestellt. Mit schwarzem, paillettenbesetztem Samtkleidchen, durchsichtiger Strumpfhose mit floralem Muster und blondem, offenem Haar bedient Viktoria Tolstoy so gar keine Klischee vom dunklen, rauchigen und Whiskey durchtränktem Wabern einer Jazz-Bar. Im Gegenteil, fröhlich lächelnd und mit sichtlichem Spaß an der Sache beginnt sie die Konversation mit dem Publikum. An die hundert Besucher haben sich in der Bochumer Zeche an diesem Sonntagabend eingefunden, um der Ururenkelin mütterlicherseits des bekannten russischen Schriftstellers Lew Nikolajewitsch Tolstoi zu lauschen. Sie präsentiert ihr neues Album „Letters to Herbie“, welches Jazz-Legende Herbie Hancock gewidmet ist. Einem Musiker der Viktoria Tolstoy nach eigenen Aussagen schon in ihrer Jugend inspirierte und ihre Liebe für den Jazz entfacht hat.

Und dann legt sie los und nimmt das Publikum direkt mit. Ihre fröhliche, ansteckende Lache und ihre faszinierende Stimme, lässt schon beim zweiten Lied die Köpfe der Zuschauer mitnicken.

Überraschend rauchig und trotzdem facettenreich präsentiert die 37-Jährige Hancocks Lieder, die durch ihre Interpretation einen ganz eigenen, zeitlosen und persönlichen Charme bekommen. Abwechslungsreich folgen Balladen wie „Come running to me“ auf schnellere, groovende, Tempo-Nummern wie beispielsweise „Trust me“. Auch die Band kann die Zuhörer mit ihren jeweiligen Soli begeistern. Keyboard, Bass, Schlagzeug, Gitarre und in einigen Stücken der Kontrabass. Zwischendurch scheint es, als hätte die Combo auf der Bühne fast vergessen, dass Zuschauer anwesend sind, so sehr sind sie vertieft in ihre Musik, lassen die Gäste teilhaben an einer ganz privaten und leidenschaftlichen Jam-Session.

Tolstoy lässt ihren Bandkollegen dabei ihre Zeit, wippt begeistert im Hintergrund mit und freut sich über den enthusiastischen Applaus und die Zurufe aus dem Publikum. Man kennt sich, steht schon lange zusammen auf der Bühne und weiß die Fähigkeiten der Anderen zu schätzen. Den fünf Schweden zu zusehen macht Spaß. Ihre Mischung aus Pop, Funk und Soul geht auf und die Stimmung, die auf der Bühne herrscht überträgt sich auf die Zuschauer. Ein wirklich gelungener Abend in netter Atmosphäre und einer Liebe für die Musik, die beinahe greifbar scheint, selbst, wenn man vielleicht Jazz-Anfänger ist.

Norma Heimel

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