Junge Künstler aus NRW im Portrait #17: Alexander Greve

Alle mal die Hände hoch, die wissen, was „völlig unautobiographische Autobiographien“ sind. Alexander Greve erklärt es und noch vieles mehr. Wie die Geschichten, die am Ende auf seinem Blog theseriotsarejustthebeginning erscheinen, entstehen. Warum er sich gerne abschottet und doch kein Einzelgänger ist und was neben der eigenen Party Bang Doom Bang die Vorzüge seiner Heimatstadt Köln sind.

Name: Alexander Greve

Alter: 29

Wohnort: Köln

Kannst du von deiner Kunst leben?

Nein, absolut nicht. Es ist bislang nichts anderes, als Texte in einem Blog, der in der Form selbst noch irgendwie in seinen Kinderschuhen steckt. Was sich daraus ergibt, bleibt abzuwarten. Wer weiß, vielleicht interessiert sich irgendwann mal ein Verlag für die Dinge, die da aus meinem Kopf entspringen.

Im echten Leben  produziere ich in einer kleinen Firma historische Dokumentationen. Ganz nebenbei veranstalte ich monatlich noch eine kleine Party im Kölner Underground namens Bang Doom Bang, das ist aber auch eher leidenschaftlicher als lukrativer Natur. Darum soll´s aber ja schlussendlich auch gehen.

Beschreibe deine Art von Kunst!

Ich würde nicht behaupten, dass ich Kunst mache. Zumindest nicht im eigentlichen Sinne. Wenn ich beschreiben müsste, was das Ergebnis meiner Arbeit ist, würde ich gerne die Begrifflichkeit „völlig unautobiographische Autobiographien“ wählen. Das fasst es  ganz gut zusammen. Meine Texte sind durchaus beobachtender Natur und in jedem einzelnen steckt ein Stück von mir.  Es ist etwas irgendwo zwischen dem Schrei nach Revolution, dem Aufstand des kleinen Mannes, der privaten Rebellion und emotionaler Verwüstung – oftmals sehr pathetisch. Nah am Leben und doch meilenweit davon entfernt. In meinem Kopf herrscht oftmals ein kleines Chaos, welches sich dann in meinen Texten widerspiegelt. Also nicht das rein chaotische, sondern eher die emotionale Verwüstung. Verarbeitung und gleichzeitig Ventil – das ist theseriotsarejustthebeginning.

An was für einem Projekt arbeitest du derzeit?

Derzeit nimmt ein etwas größeres und umfangreicheres, jedoch fiktives Textkonzept über das Leben zweier Menschen im Konzentrationslager so langsam aber sicher Form in meinem Kopf an. Ich stecke mitten in der Recherche und es wird sicherlich noch ein wenig dauern, bis ich damit anfange und da überhaupt die ersten Zeilen geschrieben werden. Besonders auch aus dem Grund, dass dieses Thema viel Fingerspitzengefühl verlangt.

Kleinere Projekte stehen aber immer wieder im Raum. theseriotsarejustthebeginning möchte regelmäßig gefüttert werden und ich bin erst gerade mit meinem Blog und meiner Party einem Netzwerk bzw. Kollektiv kreativer Köpfe beigetreten, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Räume und Möglichkeiten in musikalischer und vielleicht auch literarischer Natur zu schaffen. Dazu wird in den nächsten Tagen auch noch etwas mehr an Informationen auf meinem Blog erscheinen.

In welchem Umfeld produzierst du deine Werke?

Das meiste entsteht unterwegs. In meinem Kopf. Ich habe nie Stift und Papier dabei. Ich schnappe Dinge auf, ich höre irgendwas, ich sehe Eigenarten irgendeiner mir fremden Person oder denke an eine bestimmte Sache und schon beginnt sich ein Textkonstrukt in meinem Kopf fast von alleine zu entwickeln. Das führt sich dann den ganzen Tag so fort und ich werde diese Gedanken nicht mehr los.

Zu Hause auf meiner Couch/an meinem Schreibtisch, bei einem Glas Wein und mit Kopfhörern auf den Ohren, aus denen dröhnende Musik kommt, wird dann das Wirrwarr im Kopf strukturiert und auf das virtuelle Papier gebracht. Ich bin dann meist völlig abgeschottet und bekomme nichts mehr mit, was ich sehr liebe und zu schätzen weiß. Manchmal stehen die Texte dann schon komplett fest, die schreibe ich dann einfach nur aus dem Kopf runter.

Es gibt aber auch Tage, an denen ich durch die Wohnung laufe, mir die Sätze innerlich laut vorsage und immer wieder an ihnen feile, weil ich einfach nicht zufrieden bin. So lange bis ich dann irgendwann das Gefühl habe, dass man das so veröffentlichen könnte. Wichtig ist, dass ich zufrieden bin. Ich kann nichts veröffentlichen, hinter dem ich nicht zu 100 Prozent stehe.

Wie steht es allgemein um die Attraktivität des Standort NRW für junge Künstler?

Ich kann nur von Köln sprechen und erlebe es oftmals als eine kulturelle Wüste. Es ist nicht immer einfach, hier etwas auf die Beine zu stellen und wenn doch, dann ist es immer noch schwer genug den vielleicht gewünschten Anklang zu finden. Vieles findet aber mehr im Untergrund, fernab der Öffentlichkeit statt. Hier zeigt sich dann, dass Köln doch mehr kreative Köpfe zu bieten hat, als man tatsächlich vermutet. Das ist eine schöne Erfahrung und ich möchte die Leute, mit denen ich bislang, auch im Rahmen meiner letzten Lesung, zusammengearbeitet habe (kleinodkollektiv) nicht mehr missen.

Es ist schön zu sehen, dass es noch Menschen gibt, die sich subkulturell engagieren, ohne sich dabei an irgendwelchen lukrativen Errungenschaften zu orientieren oder zu messen. All das kommt von Herzen und irgendwie ist das für mich auch der tiefere Sinn der Sache. Natürlich wünscht man sich manchmal ein breiteres Publikum oder auch den einen oder anderen Ertrag. Aber was ist denn bitte wichtiger, als mit ehrlichen Leuten zusammenzuarbeiten, die hinter dem stehen, was man macht und vor allen Dingen hinter dem, was sie selber machen?

Das macht für mich den Standpunkt Köln aus. Ein kleines, nahezu unbekanntes Netzwerk von Menschen voller Tatendrang, die nicht nur laut reden, sondern auch handeln. Bei den großen Fischen schwimme ich nicht mit, davon kann ich also eher weniger berichten. Und ob ich das jemals werde und vor allen Dingen will, das weiß ich jetzt noch nicht zu beurteilen.

Siehst du deine eigene Zukunft in NRW?

Ich mag meine Heimat. Ich fühle mich hier wohl und zu Hause. Nur manchmal habe ich das Gefühl, alles schon zu kennen. Dann beengt es mich und ich habe das Gefühl, raus zu müssen. Sobald ich dann aber mal raus war, freue ich mich jedes Mal wieder, in mein kleines Viertel zurückzukommen. Im Grunde genommen sehe ich meine Zukunft schon hier und es gibt auch nicht viele Städte, für die ich Köln verlassen würde.

Was sind deine Lieblingsorte?

Das klingt jetzt wieder so introvertiert – was ich eigentlich gar nicht bin – aber ich mag es unheimlich gerne, alleine zu Hause zu sein. Da finde ich meine Ruhe, kann abschalten und bin alleine mit meinen Gedanken. Die müssen einfach jeden Tag neu geordnet werden. Ich bin nun kein Einzelgänger, so ist es nicht. Wenn ich die Menschen um mich herum habe, die mir die Welt bedeuten, dann schafft es auch die noch so übel riechende Müllkippe, zu einem meiner Lieblingsorte zu werden.

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2 Antworten auf Junge Künstler aus NRW im Portrait #17: Alexander Greve

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