Toque, cante, baile, palmas y cajón – Gerardo Núñez beim altstadtherbst kulturfestival

Der Meister des Nuevo Flamenco – so wurde Gerardo Núñez im Programmheft des altstadtherbst kulturfestivals angekündigt. Bereits 2006 war der Meister der guitarra flamenca zu Gast beim Festival, am Montagabend besuchte er Düsseldorf in neuer Formation mit seiner Gruppe „Jerez“. Zusammen mit Cajón-Spieler Cepillo, den Sängern Jesús Méndez und David Lagos, dem Gitarristen Manuel Valencia und dem Tänzer Andrés Peña präsentierte er sein neues Programm. Neuer Flamenco wurde versprochen und das bekam man auch zu hören. Denn als einer der wenigen Vertreter des Genres, experimentiert Núñez  auch mit Elementen anderer Stilrichtungen. Jazz zum Beispiel.

Und tatsächlich präsentierte sich den Gästen des vollbesetzten Zeltes ein Flamencoabend mit überraschenden Wendungen. Nicht nur musikalisch zeigte sich der Flamenco mal anders. Erstaunlich war auch, wie sehr sich Núñez in den Hintergrund stellte. Oft spielte er mit geschlossenen Augen, während der Rest seiner Gruppe (su grupo nuevo) ihre Blicke auf ihn hefteten, um die Stimmungen und Wendungen seiner Musik mit aufzunehmen. Doch dann öffnete er seine Augen und gab die Bühne sozusagen frei. Mal für einen der Sänger, mal für seinen zweiten Gitarristen, einen großen Raum nahmen auch die Tanzeinlagen von Andrés Peña ein. Dieser zeigte sich in fantastischer spanischer Manier und verausgabte sich derart, dass nicht nur während seiner Pirouetten die Schweißtropfen wie bei einer Salatschleuder von seinem Schopfe spritzten. Was gesungen wurde, war leider unverständlich, die Spanischkenntnisse reichten hinten und vorne nicht. Aber man sah der Gruppe den Spaß an, den sie hatten.

Während sie sich gegenseitig durch palmas (in die Hände klatschen) begleiteten, feuerten sich die sechs Männer gegenseitig an. Auch aus dem Publikum schallte (wenn auch recht verhalten) dann und wann eine spanischer Ausruf, wie es beim Flamenco wohl üblich ist. Die erste Hälfte des Programms verging unrealistisch schnell, derart unterhaltsam gestaltete sich das Geschehen. Nach der Pause beginnen die Sänger und Cepillo allein. Sie schnipsen und klopfen gemeinsam auf einen Tisch, während Mendez und Lagos abwechselnd (mal ein bisschen knödelnd, mal ein wenig näselnd) von Liebe, Leid und Ungerechtigkeit singen, fast mutet es muezzinesk an. Dann bekommt wieder Peña die Bühne, Núñez bedeutet seinen Musikern leise zu sein oder ganz zu verstummen, lehnt sich lächelnd zurück und lauscht den schnellen Schrittfolgen des baile flamenco, des Flamencotanzes. Der Funke war definitiv übergesprungen, am Ende gab es standing ovations vom Publikum und als Zugabe eine kleine Tanzeinlage von jedem der in verschiedenste Schattierungen von schwarz gekleideten Künstler.

Text: Regina Vollmers

Dieser Beitrag wurde unter altstadtherbst kulturfestival, Dagewesen, Düsseldorf, Musik abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>