Der Hermannplatz als Ausgangspunkt wurde mit Bedacht gewählt, ist er doch so etwas wie das Herz der Gentrifizierung in Düsseldorf. Rundherum sanierte Altbauten, in der Mitte ein Spielplatz, samstags Wochenmarkt mit Bio-Produkten – und Baumbestand gibt es auch noch. Schade allein, dass die Mieten in dieser Gegend für viele Normalverdiener nicht mehr zu bezahlen sind. Das liegt auch an wahnwitzigen Projekten wie „Unter den Linden Düsseldorf“, die Flingern als das „Notting Hill von Düsseldorf“ verkaufen, um luxuriöse Immobilien an den Mann zu bringen. Um ehrlich zu sein, bedürfte es derart abgeschmackter Werbefilmchen nicht mal, um die sündhaft teuren Eigentumswohnungen loszuschlagen. Der Bedarf in der Landeshauptstadt ist da und scheint ständig zu wachsen. Letzteres gilt folgerichtig auch für die Quadratmeterpreise.
Schon seit einiger Zeit wird gegen derartige Entwicklungen bundesweit aufbegehrt – auch in Düsseldorf, das noch nie eine Hochburg des Protests war, verwehren sich diverse Initiativen und Gruppierungen gegen die Vermarktung von Stadt. Für den 20. August laden sie nun zu einer Demo. Motto: „Reclaim your city”. Man trifft sich um 18:30 Uhr am Hermannplatz. Nun ist „Reclaim your city“ aber keine normale Demo, wie man sie aus den Zeiten kennt, als die Ton Steine Scherben noch den Soundtrack zum Widerstand lieferten. Vielmehr handelt es sich um eine Tanzdemo und vielleicht erklärt das, wieso sich Leute dem Protest anschließen, die sonst vermutlich zuhause geblieben wären. Protestler- und Künstlerszene vermischen sich. Man hat die gleichen Ansichten, die gleichen Ziele und macht folgerichtig gemeinsame Sache. Die soll am 20. August, wenn es den Veranstaltern nachgeht, richtig laut werden. „Hauen wir den Akteuren und Profiteuren der neoliberalen Stadtentwicklung den Bass um die Ohren – auf dass ihr Tinnitus sie daran erinnert: Es ist unsere Stadt!“, heißt es auf der Website rechtaufstadt.org. Die gleichnamige Hymne kommt von der Düsseldorfer Band Kitsch Cats, die – wenn auch nicht ganz so destruktiv wie Ton Steine Scherben – den Urvätern des politischen Protestsongs in kaum etwas nachsteht.
Verwunderlich war die mangelnde Resonanz in den regionalen Medien, die fast gegen 0 ging. Dabei sind die angesprochenen Entwicklungen bedenklich und bedürfen dringend Lösungsansätze. Aber es wird wahrscheinlich wie gewohnt laufen: Eine vom Alltag abgehobene Politikerriege wird diese Probleme so lange ignorieren, bis diese die sogenannte “Mitte der Gesellschaft” nicht nur erreicht haben (das tun Immobilienspekulation, Mierterhöhungen und Wohnraummangel schon), sondern zum Verlust von Wahlviehstimmen führt… Dann wird eifrig diskutiert und gestritten, ob und wie man diesem und jenem entgegenwirken sollte und kann (während man im Hintergrund weiterhin Gemeinschaftseigentum vertickt um die Stadtkassen zu füllen)…. und dass der Mob doch nun wirklich nicht das Recht hat, Autos und Mülltonnen abzufackeln, obwohl man jahrzehntelang ein Problem verpennt, ignoriert oder weggelogen hat.