Guten Abend in „Dings“ – Martin Sonneborn im zakk

Krawall und Satire – unter diesem Motto stand der Mittwochabend mit Martin Sonneborn im Düsseldorfer zakk. Was vermeintlich harmlos mit Gisbert zu Knyphausens Gitarrenklängen aus den Lautsprechern begann, sollte später tatsächlich bissig werden.

Foto: zakk

Martin Sonneborn, der Mitherausgeber des „endgültigen Satiremagazins“ Titanic und – wie er am Abend immer wieder betont – Bundesvorsitzende der satirisch-politischen Partei „Die Partei“, kommt um kurz nach acht auf die Bühne. Im Hintergrund sind pausenlos Bilder von bekannten Politikerinnen und Politikern zu sehen, das Antlitz meist auf eine Weise verunglimpft, die die Betroffenen mit Sicherheit erzürnen würde.

„Guten Abend in Dings“, beginnt Sonneborn. Die, wie er sie beschreibt, zweigeteilte Veranstaltung, bestehend aus einem „Hochliteraturteil“ und einem „Krawallteil mit Fragerunde“ eröffnet er mit einem Film über „Die Partei“. Die endgültige Teilung Deutschlands ist das erklärte oberste „Ziel“.

Sonneborn fängt an, aus seinem Buch „Heimatkunde“ zu lesen, in dem er eine 6-wöchige und dokumentarisch verfilmte Reise um Berlin herum zu Papier gebracht hat. Eine Reise in die „Zone“. Meine Begleiterin und ich sind hin- und hergerissen zwischen unserer immerwährend gewollten politischen Korrektheit und purer Erheiterung.

Das erste Kapitel aus „Heimatkunde“ beschreibt den „General“ Schönbohm, dessen Begleitschutz Sonneborn sich für seinen 234 Kilometer langen Marsch erhofft hatte. Dem Mann mit den hervorstechend buschigen Augenbrauen waren allerdings laut Buch an jeder Ecke des Anwesens, dem „Schönbohmschen Hauptquartier“, schwere Geschütze zuzutrauen. Die Desillusionierung folgt von General Schönbohm selbst: „Tempi passati.“ Dank einer humanistischen Gymnasialausbildung („Kein Missbrauch, Harald Schmidt hat mal gesagt, wir waren einfach zu hässlich.“) verstand Sonneborn schnell, dass seine Reise ohne den General stattfinden würde.

Inmitten der neuen Bundesländer, die er konsequent als „DDR“ bezeichnet, stellt er fest, dass sich das Wissen junger Menschen in Bezug auf die Vergangenheit auf Verleumdung oder Verherrlichung beschränkt: „Die DDR hat es nie gegeben und alles war besser.“ Anhand von Videos  und Bildern stellt Sonneborn anschaulich die „Unterschiede“ zwischen der „Zone“ und den „ruinierten westdeutschen Randgebieten“ dar. Dabei überspitzt er seine Rolle derart, dass man sie ihm beinahe abnehmen möchte. Von Eberhard, dem Ossi ist die Rede, der davon schwärmt, dass jede Plattenbauwohnung den gleichen Grundriss hat, von Ewald, dem betrunkenen Kapitän und schließlich von einem Haarstübchen namens „Kamm in“. Humoristisch gibt es hier keinen Zweifel mehr, die „Mehrzweckhalle“ zakk kreischt vor Lachen.

Auch das Rahmenprogramm ist perfekt. In der Pause, die Sonneborn mit „Bitte rauchen und trinken Sie in der Zeit“ einläutet, stehen „Partei“-Werber bereit, einige Wildentschlossene werden Mitglied.

In der Fragerunde möchte Sonneborn von Studenten als „Herr Magister“ angesprochen werden. Danach folgt der Krawallteil, einige Videos, die unter anderem Thilo Sarrazin herzerfrischend aufs Korn nehmen.

Schließlich verabschiedet sich Sonneborn aus „Dings“ mit den Worten: „Ich will das hier jetzt nicht so lange ausdehnen, Sie müssen morgen auf die Felder.“

Danke, Herr Magister, dass Sie ohne Gnade zeigen, wie Stereotypen gebildet werden, dass Sie Spiegel vorhalten und auf beeindruckend eloquente Art nicht vor Quatsch zurückschrecken. Ein sehr gelungener Abend.

Text: Nadine Benecke

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